Salzgitter-Stahl mitten in der Natur

Salzgitter  Die sechs Kilometer lange Wanderung führt auf einem Teilstück der Straße des Friedens, der von Paris nach Moskau verläuft.

Blick auf die Skulptur Sonne, Mond und Himmel von Jean Ipoustéguy und den Golfplatz.

Blick auf die Skulptur Sonne, Mond und Himmel von Jean Ipoustéguy und den Golfplatz.

Foto: Körner

Die außergewöhnliche Wanderung auf einem Stück der Friedensstraße von Paris nach Moskau im Süden von Salzgitter-Bad ist nicht nur bei Kunstkennern beliebt. Wegweiser sind neun Skulpturen internationaler Künstler. Ihr Reiz: Skulpturen, gestaltet aus Salzgitter-Stahl, der mit der Landschaft des Harzvorlandes eine reizvolle Symbiose bildet.

Zu sehen sind diesmal sieben Kunstwerke von Bildhauern aus Frankreich, Israel, Nordamerika und Japan, die der Verkehrsverein mit seinem Kurator, Kunstprofessor Gerd Winner, verpflichtete. Über Hintergründe, die Gedanken und Erlebnisse der Künstler bei der Arbeit im Hüttenwerk berichtet bei der Festlegung der Route, Stadtführer Dieter Krüger.

Krüger vergisst dabei nicht die Besonderheiten der Landschaft: Zu sehen sind 40 Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen. Wie Kalkhalbtrockenrassen, Mannsknabenkraut oder der Bienenrangwurz. Zu den Bäumen zählen Eichen, Rotbuchen, die Vogelkirsche oder die Elsbeere – und zu hören sind Specht, Sperber, der Rote Milan oder der Baumfalke.

Vom Treffpunkt, dem Eingangsbereich des Thermalsolbades, ist es nicht weit bis zur ersten Skulptur, dem „Kuss zweier Vögel im Fluge“ von Menashe Kadishman aus Israel – einer Momentaufnahme der Bewegung, der Liebe und des Lebens. Auch sie schuf Kadishman auf dem Gelände der Hütte und so wurde sie gleichzeitig ein Symbol der Versöhnung. Krüger: „Kadismann sah sich im eigenen Land Protesten ausgesetzt, weil das Stahlwerk im zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter beschäftigt hatte. Er ließ sich aber nicht beirren.“

Auf dem weiteren Weg kommt rechts aus der Ferne ein Kunstwerk von Leo Kornbrust, der „Kubus offen“, ins Blickfeld. Kornbrust hat die Idee des Bildhauers und Malers Otto Freundlich (er starb im KZ Majdanek) umgesetzt und ihm die Straße des Friedens gewidmet. Nach wenigen Metern ist die nächste Skulptur, „Shadow Dimension“ des Japaners Hiromi Akiyama (Japan), in malerischer Wiesenkulisse zu sehen. Der Stadtführer erzählt: „Am 21. Juni, wenn die Sonne am höchsten steht und die Spitze des Kunstwerks trifft, soll sich ein dreidimensionaler Schatten bilden.“ Der Weg zum Apothekerwinkel, einem idyllischen Fleckchen mit Bank, führt vorbei an der Skulptur „Kopf“ von Franz Bernhard. Auch für diesen seiner berühmten „Köpfe“ war der Mensch Ausgangspunkt, Stimulans und Ziel seiner Arbeit. Nach dem Apothekerwinkel beginnt eine kurze Wanderung unter knorrigen Bäumen im Vepstedter Forst bis zum Birkenweg, einer Kalibahntrasse, die rechts herum auf den Union-Parkplatz und auf die Trasse einer ehemaligen Erzbahn trifft. Auf der geht es am Waldrand entlang mit Blick auf ein Bergpanorama bis zur Skulptur „Jakobsleiter“ des Kunstprofessors Gerd Winner. Wie der Name sagt, lehnt sich der Künstler an die biblische Geschichte an.

Die Wegabzweigung vor der „Jakobsleiter“ zeigt den steilen Berg hinauf, am 18-Loch-Golf-Platz vorbei, zum Kunstwerk „Sonne, Mond und Himmel“ von Jean Ipoustéguy (Frankreich). Vom Kunstwerk geht der Blick über den Golfplatz, den Liebenburger Forst bis hin zum Brocken.

Der Weg in Richtung Osten offenbart die Vielfalt dieser Landschaft. Er endet an „Ramy’s Restaurant“ des Golfclubs, wo Pause angesagt ist. Das Wegestück zurück vorbei am Reiterhof Richtung Friedrich-Ebert-Straße und weiter geradeaus wieder auf den Birkenweg ist Erholung. Dieser Weg trifft am Ende auf die mächtige Skulptur „Glacier“ (Gletscher) von James Reineking (Amerika), der 230 Tonnen Stahl wie einen gedreht gewachsenen Baumstamm modellierte. Der Weg zum Auto und eventueller Erholung im Thermalsolbad ist jetzt nicht mehr weit.

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