Endlich wieder Live-Jazz in Braunschweig

Braunschweig.  Die Initiative Jazz Braunschweig erhält viel Zuspruch bei ihrem kurzfristig organisierten Open Air – und die regionale Szene zeigt ihre Vielfalt.

Ein kurzer Moment des Überschwangs beim Auftritt von US-Sänger David A. Tobin mit der Band Solid Jazz. Kurz darauf saßen alle wieder ganz brav.

Ein kurzer Moment des Überschwangs beim Auftritt von US-Sänger David A. Tobin mit der Band Solid Jazz. Kurz darauf saßen alle wieder ganz brav.

Foto: Florian Arnold

Für einen kurzen Moment gibt’s kein Halten mehr – zumindest auf ein paar Stühlen in den ersten Reihen. Als der körperlich wie stimmlich pfundige US-Sänger David A. Tobin mit der Band Solid Jazz eine so verjazzte wie mitreißende Version von Michael Jacksons „Billie Jean“ anstimmt, reißt es ein paar Damen von den Sitzen.

Das ist in Niedersachsen auch open air nicht gestattet. Mit 1,5 Metern Abstand hocken und lauschen ist okay, mit reichlich Distanz zu anderen auf der Stelle tanzen eigentlich nicht. Aber keine Sorge, liebe mitlesende Hüter von Recht, Ordnung und Corona-Regeln: Der Augenblick des immer noch ausreichend distanzierten Überschwangs bleibt einzigartig am langen Jazz-Sonntagnachmittag auf dem Schimmelhof.

Mehr als 300 Besucher genießen das Comeback

Die Initiative Jazz Braunschweig hatte sich vor einigen Wochen bereits mit einer Spendensammlung für regionale Musiker engagiert. Auf die leichte Lockerung der Corona-Einschränkungen reagierten die ehrenamtlichen Jazz-Förderer nun mit einem kurzfristig organisierten Festival für die regionale Szene. Mehr als 300 Besucher kamen. Der gute Zuspruch und die zugewandte, gelegentlich enthusiastische Stimmung zeigten, wie sehr die Menschen das vorsichtige Live-Comeback genossen.

Bemerkenswert auch die musikalische Vielfalt des Nachmittags. Piano und Bass mit dem Duo Waida/Lampe, Piano und Schlagzeug mit Konrad Brinckmeier und Eddie Filipp, facettenreicher, eleganter Vokal-Jazz mit dem Britta-Rex-Quartett, klassischer, frei swingender Jazz mit den Trios von Henny Baldt und Matthias Wandersleb mit markanter Saxofon-Note (Bernd Dallmann und Otto Jansen).

David A. Tobin interpretiert Gregory Porter

Einen bewusst populären Akzent setzt dann Saxofonist Alexander Hartmann mit der Band Solid Jazz, Gastsänger David A. Tobin und Bluenote-Versionen von Soul-Klassikern. Satt, samtig und wohldosiert Hartmanns Sax-Solos, auffällig auch der dynamische Bass von Peter Schwebs etwa beim zugleich verträumten wie treibenden „On My Way To Harlem“ (Gregory Porter).

Den Schlusspunkt setzt das Trio „Die kleine Swingbrause“ um den charmanten Sänger, Pianisten und Conferencier Matthias Köninger: dynamische Song-Miniaturen mit augenzwinkernden deutschen Texten, lässig-versierte Verbeugungen vor Größen wie Nat King Cole und Ray Charles. Viel Applaus.

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