Wie Grafik- und Mediendesigner ihre Jobchancen verbessern

Berlin.  Grafik- und Mediendesigner gibt es viele. Wer sich spezialisiert, hat trotzdem gute Chancen, sagt die Chefin vom Berufsverband BDG.

Claudia Siebenweiber ist Präsidentin des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner BDG. Christina Heyder

Claudia Siebenweiber ist Präsidentin des Berufsverbands der Kommunikationsdesigner BDG. Christina Heyder

Foto: Christina Heyder

Als Präsidentin des Berufsverbands der Kommunikations­designer (BDG) vertritt Claudia Siebenweiber in Berlin die Interessen der Mitglieder. Als Kommunikationsdesignerin ist sie im eigenen Büro in München tätig. Mit ihr sprach Julia Königs.

Frau Siebenweiber, welche Aufgaben hat der BDG?

Claudia Siebenweiber: Als erster deutscher Berufsverband für qualifizierte Kommunikationsdesigner kümmern wir uns um Erhalt und Zukunft der Profession. Kommunikationsdesigner leisten einen großen Beitrag in der Wertschöpfungskette und einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag.

Daher schützen wir Designer auch vor unlauterem Wettbewerb und beraten sie in rechtlichen und berufswirtschaftlichen Fragen.

Siebenweiber: Statt Grafikdesigner ist heute die Bezeichnung Kommunikationsdesi­gner treffender, oder?

Vor 100 Jahren formte sich aus dem Bedürfnis nach gestalteter Kommunikation ein komplett neuer Beruf, wodurch wir 1919 als Verband für Gebrauchsgrafiker starteten. Mit der historischen Entwicklung des Berufs benannten wir uns um.

Siebenweiber: Schließlich geht es heute um die Gestaltung von Kommunikation in sämtlichen Medien. Grafik ist nur ein Bereich der Kommunikation. Und wir sind auch für die Medien von morgen zuständig – wer hätte vor 20 Jahren an Facebook-Kampagnen gedacht?

Wie wichtig ist eine künstlerische Begabung?

Siebenweiber: Zeichnerisches Talent und räumliches Sehen schaden nicht, sind aber nicht das einzige Muss. Viele Kollegen sind überwiegend beratend tätig und zeichnen wenig, trotzdem sind sie Kommunikationsdesigner. Design ist ein kommunikativer Beruf auf Augenhöhe. Wir stehen im Dialog mit unseren Auftraggebern.

Welche Fähigkeiten braucht man sonst noch?

Siebenweiber: Mitdenken ist sehr wichtig und Neugier, weil man von Branche zu Branche springt. Wenn ich heute einen Müsliriegel bewerbe und morgen eine App, muss ich mich fachlich einarbeiten können und wollen, um die richtige Kommunikation zu entwickeln. Design erfordert auch Disziplin, es geht um Timing und Verantwortung.

Wie viel kann man als Kommunikationsdesigner verdienen?

Siebenweiber: Unser Honorarreport aus dem Jahr 2014 mit rund 1400 Angestellten belegt, dass fast zwei Drittel von ihnen 3000 Euro brutto im Monat verdienen. Bei den Selbstständigen gab die Hälfte der Befragten an, 2014 nicht mehr als 30.000 Euro zu versteuerndes Einkommen erwirtschaftet zu haben. Grund für diese Grenzen kann fehlende Wertschätzung seitens der Unternehmen sein. Außerdem haben wir einen gesättigten Markt. Trotzdem hat der Beruf Zukunft: Für die Beratung, den Markenaufbau oder für die Kampa­gnenplanung wird Nachwuchs gesucht. Wer Design als Dienstleistungsprozess versteht, den Bleistift mal weglegt, der hat Zukunftschancen.

Ausbildung oder Studium – welcher Karriereweg verspricht mehr Erfolg?

Siebenweiber: Je höher der Bildungsabschluss, desto höher das Einkommen. Trotzdem gibt es Kollegen, die sich spezialisiert haben und mit einer Ausbildung viel verdienen. Wer sich fortbildet und sich positioniert, dem stehen alle Türen offen. Nach einem Masterabschluss fragt dann keiner mehr. Ich halte unseren Beruf für den schönsten der Welt, da man als Kommunikationsdesi­gner mit penetranter Neugier, stundenlangen Gesprächen und schrägen Einfällen sein Geld verdienen kann.

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