Altenpfleger beklagen: Wir sind überlastet

In der Corona-Krise sind in Niedersachsen 60-Stunden-Wochen möglich. In den Heimen herrscht Mitarbeiter-Mangel.

Eine Pflegerin und eine Bewohnerin eines Pflegeheims.

Eine Pflegerin und eine Bewohnerin eines Pflegeheims.

Foto: Tom Weller / dpa

Braunschweig . Immer wieder kommt es zu Corona-Infektionen in Altenheimen. Auf sie kommt es in der Corona-Pandemie daher ganz besonders an: die Altenpflegerinnen und Altenpfleger. Doch sie sind mit ihrer Situation unzufrieden. Das wurde bei einer Online-Pflegekonferenz am Dienstagabend mit Teilnehmern aus ganz Niedersachsen sehr deutlich. Aufgerufen hatte der Landesverband der Partei Die Linke unter Beteiligung der Gewerkschaft Verdi.

Aufgrund von Fachkräftemangel und fehlenden Mitarbeitern seien schon jetzt viele Kollegen in niedersächsischen Heimen überlastet, hieß es von Betroffenen. Auf Kritik stieß daher ganz besonders ein Erlass des Landesgesundheitsministeriums. Demnach sind mehr Sonn- und Feiertagsarbeit sowie die Erhöhung der Arbeitszeit auf bis zu 60 Wochenstunden möglich.

Altenpfleger verdienen 500 Euro weniger als Krankenpfleger

Die Altenpflegerin Anna Glogowska sagte dazu: „60 Stunden in dieser Situation und unter den Belastungen sind unfassbar.“ Für die Pflegekräfte sei dies „ein Schlag ins Gesicht“. Es sei wichtiger, Pflegekräfte besser zu bezahlen, um den Beruf attraktiver zu machen. Wenn dann mehr Personal eingestellt werde, würden die Pflegerinnen und Pfleger auch weniger belastet werden.

Pia Zimmermann, Bundestagsabgeordnete aus Wolfsburg und Pflege-Expertin ihrer Fraktion, sagte, es reiche nicht mehr aus, dass für Pflegekräfte geklatscht werde. Es sei auch nicht hinzunehmen, dass der Verdienst in der Altenpflege im Schnitt 500 Euro brutto weniger betrage als der Durchschnittsverdienst einer Pflegekraft in Kliniken. Auch sie forderte mehr Personal – und einen einheitlichen Tarifvertrag in der Pflege.

Verdi spricht von „Elends-Arbeitsplätzen“ und „Blutsaugern“

Sebastian Wertmüller, Verdi-Chef in der Region Südostniedersachsen, wies auf die heterogene Heim-Landschaft in Niedersachsen hin. Eine Großzahl der Altenheime sei nun in der Hand von privaten Trägern. Es gebe Betreiber-Ketten mit 50, 60 Häusern. Er sprach von „Elends-Arbeitsplätzen“ in so manchem Heim, mancher Betreiber sei ein „Blutsauger“. Es sei schwer, in diesen Heimen einen Betriebsrat und einen gewerkschaftlichen Organisationsgrad aufzubauen.

Auch Heime in kirchlicher Trägerschaft, also der Diakonie und der Caritas, würden Tariflöhne wie in kommunalen Heimen unterlaufen. Immerhin sei es bei den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst Ende Oktober gelungen, über die vereinbarten 3,2 Prozent Lohnerhöhung hinaus eine Pflegezulage von insgesamt 120 Euro pro Monat ab 2022 zu erzielen.

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