Zehntausende begleiten Wolfenbütteler Landwirtin im Alltag

Hemkenrode.  Die 26-jährige Annika Hantelmann arbeitet auf dem Feld – und erzählt davon im Netz. Die Hemkenröderin ist Landwirtschafts-Influencerin.

Annika Hantelmann aus Hemkenrode (Landkreis Wolfenbüttel) ist Landwirtin und Influencerin. Fast täglich postet sie Bilder von ihrer Arbeit auf dem Feld.

Annika Hantelmann aus Hemkenrode (Landkreis Wolfenbüttel) ist Landwirtin und Influencerin. Fast täglich postet sie Bilder von ihrer Arbeit auf dem Feld.

Foto: Maria Osburg

Ob Sonntag oder Mittwoch ist, spielt in Annika Hantelmanns Leben keine Rolle. Denn die 26-Jährige sitzt während der Erntezeit jeden Tag auf dem Trecker oder Mähdrescher, bringt die Ernte ein oder verdichtet Häckselgut. Immer mit dabei sind ihre normalerweise mehr als 120.000 Abonnenten, denen sie fast täglich mit Fotos und Stories Einblicke in ihr Leben zwischen Silo und Traktorkabine verschafft. Ein Selfie aus dem Trecker liken mitunter 10.000 Menschen. Warum viele von ihrer Arbeit so fasziniert sind, versteht Anni, wie sie von allen genannt wird, manchmal selbst nicht.

Die Hemkenröderin, die derzeit in Sickte im Landkreis Wolfenbüttel lebt, ist studierte Landwirtin und arbeitet für ein Lohnunternehmen in Wobeck, eine Art landwirtschaftlicher Dienstleister. Gegen Rechnung werden verschiedene Arbeiten in der Landwirtschaft wie Ernte, Düngung oder Bodenbearbeitung von der Firma übernommen. Anni wird bundesweit und darüber hinaus eingesetzt. Bis nach Weißrussland ist sie schon für ihren Job geflogen. 16-Stunden-Tage sind dabei keine Seltenheit.

Influencerin hat mit Vorurteilen zu kämpfen

Fast wöchentlich wechseln die Betriebe, Maschinen und Kollegen. „Das macht unglaublich viel Spaß und ist total abwechslungsreich“, erzählt sie begeistert. Doch immer wieder hat Anni auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Die junge Frau wird teilweise kritisch beäugt, wenn sie sich zum ersten Mal für einen neuen Betrieb auf den Traktor schwingt. Meistens ist sie, neben der Bürofachkraft, die einzige Frau, die im Betrieb arbeitet. Doch nach zwei bis drei Tagen wollen viele „die Anni“ nicht mehr missen, wie sie lachend erzählt.

Denn dann haben alle Kollegen verstanden, dass das Kind einer Bauernfamilie nicht nur gut fahren kann, sondern auch zu helfen weiß, wenn in den hoch technisierten Maschinen mal wieder eine Fehlermeldung blinkt. „Ich bin eben nicht nur Lenker, sondern auch Denker“, sagt sie schmunzelnd.

Politische Themen, wie Frauen in der Landwirtschaft, Düngung oder Tierschutz, finden sich auf Annis Account jedoch nicht. Auch private Details teilt sie nur selten. Dadurch biete sie weniger Angriffsfläche, sagt sie. Negative Kommentare kennt sie aber auch. „Es gibt kaum etwas in der Mitte. Es gibt die, die immer mehr darüber wissen wollen, wo ihr Essen produziert wird, und die anderen, die Landwirtschaft verteufeln. Dazwischen ist nicht mehr viel.“

Alles begann in Kanada

Annika Hantelmann lässt die Follower an ihrem täglichen (Arbeits-)Leben teilhaben, zeigt die Maschinen, die sie gerade fährt, porträtiert sich, Freunde und ihren Freund in ländlicher Umgebung. Und das nicht nur bei Instagram, sondern auch bei Facebook und Youtube.

Alles fing damit an, dass sie nach dem Abitur nach Kanada ging, um bei der Ernte zu helfen. Dort begann sie, Bilder von sich zu posten, um die Daheimgebliebenen auf dem Laufenden zu halten. Unendliche Weiten, große Maschinen und Anni. Das kam gut an. Seitdem begleiten sie größtenteils wildfremde Menschen durch ihren Alltag.

Freude, aus dem Leben zu erzählen

Anni zeigt ihren Fans auch mal, wenn mal etwas nicht funktioniert – oder wenn sie sich schmutzig macht. Hochglanzbilder von der Landwirtschaft will sie nicht liefern. Ihr mache es Freude, aus ihrem Leben zu erzählen – nicht mehr und nicht weniger. „Ich kann jeden Tag aufhören und einfach den Instagram-Account löschen, wenn ich keine Lust mehr habe“, betont sie.

Mittlerweile sind ihre Aktivitäten im Netz zu einem Nebenjob geworden. Medienanfragen beantwortet sie routiniert. Foto-Sessions oder ein TV-Dreh machen die 26-Jährige nicht nervös. Die Hemkenröderin hat ein Gewerbe angemeldet, ein Manager betreut sie. Die junge Landwirtin erreichen täglich mehrere Anfragen von Unternehmen, die mit der Influencerin kooperieren wollen. Nicht alle sind im landwirtschaftlichen Umfeld zu verorten und manche sind auch „etwas daneben“, wie sie sagt. „Manchmal frage ich mich, ob die sich meinen Account genau angeschaut haben, wenn mich Hygieneartikel-Hersteller oder Schönheitskliniken anfragen“, berichtet sie lachend.

Der Instagram-Account wurde gehackt

Umso ärgerlicher ist es, dass vor ein paar Tagen Fremde ihren Instagram-Account @annihantelmann gehackt haben. Auf einmal konnte sie sich nicht mehr anmelden, erzählt sie. 122.000 Follower sind einfach weg. Das Werk von Neidern oder Hatern? Anni schüttelt den Kopf. „Serienhacker, die sich bereichern wollen“, glaubt sie. Schnell hat sie einen neuen Account aufgesetzt. Derzeit postet sie unter @annidayandnight. Nach drei Tagen folgten ihr wieder bereits mehr als 10.000 Menschen.

Mehr zum Thema Landwirtsćhaft:

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder