Eintracht Braunschweig: Flüthmann muss gehen, kommt Antwerpen?

Braunschweig.  Dicke Überraschung bei Eintracht: Eintracht stellt den Cheftrainer frei. Ihm wurde die Lösung der sportlichen Probleme nicht mehr zugetraut.

Christian Flüthmann ist nicht länger Cheftrainer bei Eintracht Braunschweig.

Christian Flüthmann ist nicht länger Cheftrainer bei Eintracht Braunschweig.

Foto: Joachim Sielski via www.imago-images.de / imago images/Joachim Sielski

Am Sonntagabend machte überraschend die Nachricht die Runde: Fußball-Drittligist Eintracht Braunschweig und Cheftrainer Christian Flüthmann gehen getrennte Wege. Der 37-Jährige wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt.

Eintracht zog damit die Konsequenzen aus dem Leistungsabfall der Profimannschaft in den vergangenen Wochen. Nach furiosem Start in die Saison mit sechs Siegen und einer Niederlage holte das Team in den folgenden acht Partien nur noch sieben Punkte. Die Verantwortlichen trauten Flüthmann offenbar nicht mehr zu, diesen Abwärtstrend zu stoppen.

„Die Entwicklung der Mannschaft verlief zuletzt nicht wie gewünscht, und wir alle sind nach Abwägung aller Argumente nicht mehr zu der Überzeugung gekommen, dass Christian Flüthmann die Wende mit der Mannschaft schaffen wird“, begründete Sportdirektor Peter Vollmann die Maßnahme.

Zudem hatten die Verantwortlichen in den zurückliegenden Wochen einen immer größer werdenden Autoritätsverlust des Trainers gegenüber den Profis festgestellt. Sinnbildlich dafür könnte eine Szene aus dem Testspiel bei Arminia Bielefeld stehen. Da reagierte Steffen Nkansah auf eine Anweisung von der Bank – mutmaßlich von Co-Trainer Frank Eulberg – mit einem harschen Ausruf: „Was willst Du denn?“ Aufsichtsrat Tobias Rau und Eintrachts Geschäftsführer Wolfram Benz, beide auf der Tribüne im ansonsten fast menschenleeren Stadion, werden diese Szene wohl klar verfolgt haben.

Ein Vorwurf an Flüthmann lautet nach Informationen unserer Zeitung, in der täglichen Arbeit zu lasch mit den Profis umzugehen. Im Training fehle die Intensität. Flüthmanns Trainerteam mit den Assistenten Frank Eulberg, Markus Unger, Ronny Teuber (Torhüter), Jonas Stephan (Spielanalyse) und Johannes Thienel (Athletik) hätten in den Einheiten zu wenig eingegriffen. Nicht auszuschließen ist deshalb, dass Flüthmann nicht der einzige ist, der gehen muss.

Einige Spieler, so die Vorwürfe, würden machen, was sie wollen. Kontinuierlich seien die Leistungen im Training schwächer geworden und hätten sich zeitversetzt in den Spielen bemerkbar gemacht. Eklatant sei zudem die Zweikampfschwäche der Eintracht-Profis. Und Flüthmann traute sich anscheinend nicht, die Spieler hart anzugehen.

Schon vor Wochen hatte Peter Vollmann gegenüber unserer Redaktion bemängelt, dass in den Spielen „immer Phasen einreißen, in denen wir keine Antworten haben“ auf die Spielweise der Gegner. Selbst beim Sieg in Großaspach, dem bisher letzten, hatte Eintracht sich lange Zeit von der SG in die eigene Hälfte zurückdrängen lassen und sich nicht befreien können. Ganz augenscheinlich waren diese Mängel vor allem bei den Niederlagen gegen die Bundesliga-Absteiger aus Duisburg und Ingolstadt, als Eintracht jeweils sang- und klanglos 0:3 unterlag. Auch zuletzt in Münster fand Eintracht keine Mittel gegen die im zweiten Spielabschnitt pausenlos stürmenden Preußen, rettete aber immerhin ein 1:1.

Flüthmann wirkte zunehmend ratlos. Eine Marschroute, einen Plan, wie er die sportliche Talfahrt der Mannschaft beenden und den Umschwung herbeiführen wolle, schien der Trainer nicht präsentieren zu können. Das Konzept hätte er nach Informationen unserer Zeitung nach dem Testspiel in Bielefeld präsentieren sollen.

Für den Coach war die Situation völliges Neuland. Er hatte nach dem überraschenden Abgang von André Schubert zu Zweitligist KSV Holstein Kiel erst wenige Tage vor dem Saisonstart die Mannschaft übernommen, erstmals eine Position als Cheftrainer angetreten. Vor seinem Engagement bei Eintracht, er kam vor fast genau einem Jahr als Assistent von Schubert nach Braunschweig, war Flüthmann Co-Trainer von Daniel Farke, beim englischen Erstliga-Aufsteiger Norwich City. Vor dem Wechsel auf die Insel hatte er in Bielefeld, Osnabrück und Dortmund im Juniorenfußball gearbeitet. In der angespannten Situation bei Eintracht und unter dem entstehenden Druck machte Flüthmann in den vergangenen Tagen einen immer nervöseren Eindruck.

Nach intensiven Gesprächen zwischen Vollmann, Aufsichtsratmitglied und Ex-Nationalspieler Rau sowie Eintracht-Chef Sebastian Ebel sei deshalb die Entscheidung getroffen worden, sich von Flüthmann zu trennen und einen Neuanfang mit einem neuen Mann zu machen. „Wir sehen die Risiken, aber auch die Chancen, die hinter so einem bedeutsamen Wechsel auf der Position des Chef-Trainers stehen“, betonte Vollmann.

Im Aufsichtsrat regte sich ebenfalls kein Widerstand. Zu groß war auch in diesem Gremium die Furcht, die sportliche Talfahrt nicht aufhalten zu können. Das häufig angeführte Desaster mit Schuber-Vorgänger Henrik Pedersen, das fast zum Abstieg in die Regionalliga geführt hätte, war den Verantwortlichen noch allzu präsent und Warnung genug, zu handeln.

Einen Nachfolger will Eintracht nach Informationen unsrer Zeitung schon heute präsentieren. Dass Verhandlungen mit potenziellen Chef-Trainer bereits stattgefunden haben, liegt auf der Hand. Ein Indiz dafür: Peter Vollmann fehlte beim Testspiel in Bielefeld. Ein ganz heißer Anwärter scheint Marco Antwerpen zu sein , der bis zum Ende der Saison 18/19 Preußen Münster mit den jetzigen Eintracht-Profis Martin Kobylanski und Danilo Wiebe trainierte und danach eine Pause einlegte. Der 48 Jahre alte frühere Profi ist für Vollmann kein Unbekannter. Ihre Wege kreuzten sich mehrfach so unter anderem in Münster, wo Vollmann von 1996 bis 98 und 2001 bis 04 Trainer des damaligen Mittelstürmers war.

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