Zverev wahrt mit Sieg Chance aufs Halbfinale

London.  Alexander Zverev bleibt bei den ATP Finals im Rennen. Gegen Diego Schwartzman gelingt ihm der erste Sieg. Nun geht es gegen Novak Djokovic.

Tennis-Profi Alexander Zverev nach seinem Sieg über Diego Schwartzman bei den ATP-Finals in London.

Tennis-Profi Alexander Zverev nach seinem Sieg über Diego Schwartzman bei den ATP-Finals in London.

Foto: AFP

Als sich Alexander Zverev und Diego Schwartzman im Oktober in Köln gegenüberstanden, im Finale des zweiten ATP-Turniers am Rhein, war es ein äußerst flüchtiges und zweifelhaftes Vergnügen für den Argentinier. Schwartzman verlor die Partie sang- und klanglos gegen den hoch überlegenen, souverän und stilsicher aufspielenden Zverev, am Ende blinkte ein 6:2, 6:1-Endergebnis auf den Videoleinwänden der Lanxess-Arena auf.

Zverev siegt glanzlos

Beim Wiedersehen in London, nun im zweiten Gruppenspiel der ATP-Finals, spielte Schwartzman am Mittwochnachmittag nicht wesentlich besser. Dass er dennoch lange Zeit auf einen Sieg gegen den deutschen Riesen hoffen durfte, war vielleicht der signifikanteste Nachweis für Zverevs abfallende Leistungskurve im Spätherbst dieser ebenso turbulenten wie gespenstischen Saison. Zverev, der Weltmeister von 2018, gewann schlussendlich glanzlos mit 6:3, 4:6 und 6:3 gegen den kleinen, flinken Argentinier. In die letzte, alles entscheidende Partie am Freitag gegen Frontmann Novak Djkokovic konnte er nicht allzu viel Rückenwind mitnehmen. „Ich habe meine Arbeit gemacht. Es war besser als zum Auftakt“, sagte Zverev nach dem Pflichterfolg gegen Schwartzman. Es klang zu Recht wenig euphorisch oder begeistert.

Satzverlust könnte für Zverev Konsequenzen haben

Wie immer bei der Tennis-WM beginnt vor den letzten Gruppenspielen das Spekulieren und Rechnen. Und dabei ist eins klar: Sollte es am Ende dazu kommen, dass ein Spieler wie Djokovic alle drei Matches gewinnt und die anderen drei nur jeweils eines, dann hätte sich Zverev in der Partie gegen Schwartzman einen unnötigen Malus eingehandelt. Sollte dann nämlich das Satzverhältnis den Ausschlag geben, könnte der leichtfertig verlorene zweite Durchgang gegen den Argentinier noch eine sehr bittere Rolle für den 23-jährigen Hamburger spielen. „Ich kann jetzt nicht mehr tun als zu versuchen, das letzte Spiel zu gewinnen. Alles andere habe ich nicht mehr in der Hand“, sagte Zverev.

Zverev macht sich mal wieder das Leben selber schwer

Bei einer eigentlich vertrauensbildenden 6:3, 3:1-Führung hatte sich Zverev das Leben jäh wieder selbst schwer gemacht. Fast abrupt rutschte der Deutsche in ein Leistungstief, immer wieder sah man Zverev hadernd und fluchend über den Platz marschieren. Auch Beschwichtigungen seines Teams halfen nichts, der Matchfavorit geriet völlig aus der Spur und verlor vom 3:1 an sechs der nächsten sieben Spiele – bis zum 0:1 im dritten Durchgang. „Diego ist ein undankbarer, schwieriger Gegner“, sagte Zverev hinterher, „das ist immer ein harter Kampf.“ Aber eigentlich war er selbst immer mal wieder der eigentliche Gegner, der zu fahrige, unstete und nicht zupackend genug auftretende Zverev.

Dass er sich später eine „viel bessere Leistung“ als beim Startdebakel gegen den Russen Medwedew attestierte, war zweifellos übertrieben. Aber immerhin legte Zverev im Endspurt noch einmal gegen Schwartzman zu, endlich ging er auf der Zielgeraden entschlossener in die Ballwechsel, rückte auch nach guter Vorbereitung mal ans Netz auf. Nun werde es „erst richtig aufregend“, sagte Zverev, am Freitag gegen Gipfelbewohner Djokovic. 2018 hatte er den Weltranglisten-Ersten auf dem Weg zum strahlenden WM-Triumph im Endspiel bezwungen – nachdem er im ersten Gruppenspiel gegen den Serben haushoch baden gegangen war. Nun kann sich Zverev höchstwahrscheinlich keine Niederlage mehr gegen die Nummer eins leisten, bei einem Scheitern im Duell mit dem Serben wäre seine Saison mutmaßlich beendet.

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