FC Bayern genießt neuen Luxus - auch dank eines Ex-Schalkers

München/Bielefeld.  Beim Bundesligaspiel in Bielefeld kann der FC Bayern dank seiner Zugänge erstmals von seiner neuen Möglichkeit zur Rotation profitieren.

Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) mit Neuzugang Eirc Maxim Choupo-Moting.

Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) mit Neuzugang Eirc Maxim Choupo-Moting.

Foto: dpa

Keine zwölf Stunden nach Hansi Flicks Mediengesprächen nach dem 3:0 (2:0)-Pokalsieg am Donnerstagabend gegen den Fünftligisten 1. FC Düren gab er am Freitagvormittag schon die nächste Pressekonferenz. Für den Trainer des FC Bayern ging es nach den fünf Debüts der Zugänge Eric Maxim Choupo-Moting, Douglas Costa, Marc Roca, Bouna Sarr und Alexander Nübel nun um den nächsten Vergleich mit einem aus Münchner Sicht zumindest ziemlich Kleinen. Viel Neues im Vergleich zum Vorabend konnte Flick dabei allerdings nicht berichten, weil er seine Mannschaft noch gar nicht wiedergesehen hatte. „Wir haben genügend Spieler, die morgen fit sind“, wusste Flick dank der jüngst markant verbreiterten Belegschaft aber immerhin schon vorm Abschlusstraining auf das Ligaspiel beim Aufsteiger Arminia Bielefeld an diesem Samstagabend (18.30 Uhr/Sky).

Bayerns neuer Luxus

Für Flick ist diese Gewissheit eine neue Erfahrung in seiner inzwischen fast einjährigen Amtszeit, ebenso wie die neuen Möglichkeiten zur Verteilung der Belastung. Bisher ging es eher darum, die recht kleine Belegschaft geschickt durch die Corona-Zeit zu coachen und eine eingespielte Stammelf auf die Titelgewinne zu trimmen. Nun geht es eher darum, allen hinzugewonnenen Profis die Spielidee zu vermitteln und die Mannschaft auch dadurch auf die geplanten künftigen Titelgewinne vorzubereiten, indem mit den Kräften eines jeden Einzelnen gehaushaltet wird. Dabei müsse man vor jedem Spiel aufs Neue schauen, „wie die Fitness und wie die Belastung“ der einzelnen Spieler sei, sagte Flick. Grundsätzlich gelte: „Wir wollen unsere Idee vom Fußball weiterhin umsetzen, und das geht nur mit 100 Prozent. Wenn das einer nicht geben kann, spielt eben ein anderer.“

Dieser neue Luxus wird nun in Bielefeld erstmals zum Tragen kommen, voraussichtlich sogar recht umfangreich. Wenn man in Anlehnung an Sepp Herberger so will, ist dabei für die Bayern nach dem Pokalspiel vor dem Spiel mit Pokalcharakter. Ein Ausrutscher ist auch jetzt selbstredend nicht vorgesehen. Erst recht nicht vorm Auftakt der Champions League am Mittwoch gegen Atlético Madrid, zumal die im Pokal geschonten Nationalspieler nun wieder ausreichend erholt sein und von Beginn an auflaufen dürften.

Zwei Ex-Schalker als Ersatz, einer noch verletzt

Der frühere Schalke-Stürmer Choupo-Moting, gegen Düren zwei Tore (24./75.) erzielt und den von Thomas Müller verwandelten Foulelfmeter herausgeholt hatte (36.), dürfte für Robert Lewandowski weichen, wenngleich Flick auf die neue Möglichkeit verwies, nun auch zwei gestandene Angreifer aufbieten zu können. Platz machen wird Ex-Schalke-Torwart Alexander Nübel für Manuel Neuer, zu erwarten ist dies auch bei Sarr für Benjamin Pavard, bei Roca für Joshua Kimmich und bei Costa für Serge Gnabry oder Kingsley Coman. Mit dem jüngst angeschlagenen Leroy Sané ist dagegen noch nicht zu rechnen. Ob der Königstransfer gegen Madrid nach seiner Kapselverletzung im rechten Knie mitwirken kann, blieb offen.

Unabhängig von Sané profitiert der Trainer bereits von der neuen Kadertiefe durch die jüngsten Zugänge. Beinahe die komplette Mannschaft könnte Flick austauschen. Ganz so umfangreich dürfte er zwar nicht umbauen. Dennoch wird unter Flick nun ein neue Rotation Einzug halten, trotz seines Faibles für die Vorzüge einer eingespielten Stammelf. Auf dem Weg zum Triple hatte er auf eine solche gesetzt. Nun verschiebt sich sein Ansatz im noch einmal verschärften Terminstress hin zur Belastungssteuerung. Parallel dazu sieht Flick bei den Neuen noch „Einiges, was wir trainieren müssen“, damit mittelfristig trotz der Rotation stets ein harmonisches Gefüge auf dem Platz steht.

Bielefeld versucht es vor Bayern-Spiel mit Nostalgie

Auf Anhieb gut eingefunden hatte sich gegen Düren Choupo-Moting. Nur bedingt gelang das Costa, Sarr und Roca. Nübel war zudem kaum gefordert. Dafür spielte sich ein ebenfalls recht neues Gesicht in den Vordergrund, und zwar mit seinen „schlangenartigen Bewegungen“, wie Müller Jamal Musialas geschmeidige Dribblings mit schnellen Ballkontakten beider Füße beschrieb. Auch Flick lobte den 17-Jährigen am Freitag für seine „enorme Qualität am Ball, im Eins-gegen-eins“ und für sein „sehr freches“ Auftreten. Zulegen müsse das Talent aber bei der „körperlichen Stabilität“. Dennoch sieht Flick ihn „am weitesten von unseren Nachwuchsspielern“ und bereits als „gute Option für uns“ auf dem Flügel, auch wegen Sanés Blessur.

In Bielefeld wurde derweil in den vergangenen Tagen an manch eine Überraschung gegen die Bayern erinnert. Bei der Arminia ahnen sie aber, dass eine solche durch den Corona-bedingten Zuschauerausschluss noch unwahrscheinlicher geworden ist als ohnehin. Und „Verhältnisse wie im Mittelalter“, die Uli Hoeneß bei der 1:2-Niederlage der Bayern mit dem damaligen Spieler und heutigen Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Februar 2005 wegen des Schnees auf dem Alm-Rasen beklagte, sind nun ebenso nicht zu erwarten. Und wohl auch kaum ein Ausrutscher der Münchner. Zumal durch Flicks neue Möglichkeit, nun die eingespielte Stammelf in die Startformation zu rotieren.

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