Rezension

Lauterbachs fragwürdiger Comedy-Auftritt bei Amazon Prime

| Lesedauer: 5 Minuten
Lauterbach ruft zum freiwilligen Tragen einer Maske auf

Lauterbach ruft zum freiwilligen Tragen einer Maske auf

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat zum freiwilligen Tragen eines Mundschutzes in Innenräumen aufgerufen. Damit könne man sich und andere schützen, sagte Lauterbach in Berlin.

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Berlin.  Für die neue Show "One Mic Stand" ließ sich der Gesundheitsminister von Hazel Brugger zum Comedian ausbilden – mit mäßigem Erfolg.

Beim letzten Gag verhaspelt sich Karl Lauterbach in seiner typischen Art. Dass sein ohnehin nur mittelmäßiger Witz über CDU-Politiker Armin Laschet deshalb völlig verpufft, ist dem Publikum im Wiesbadener Kurhaus aber offenbar egal.

Für Lauterbachs kurzen Comedy-Auftritt gibt es lauten Applaus, Mentorin Hazel Brugger fällt dem SPD-Politiker auf der bunt erleuchteten Bühne in die Arme. Ist Lauterbach ein neuer Stern am Comedy-Himmel?

Amazon-Show: Prominente sollen Comedy lernen

Das Konzept der neuen Amazon-Prime-Show „One Mic Stand“, die ab diesem Freitag (15.7.) zu sehen ist, ist schnell erklärt. Bei dem Format bereiten professionelle Comedians Prominente auf einen Stand-Up vor.

Die Fußballprofis Christoph Kramer und Mats Hummels werden von Harald Schmidt gecoacht, Michael Mittermeier bildet ein Pärchen mit „Let’s Dance“-Jurorin Motsi Mabuse, während der Moderator der Show, Teddy Teclebrhan, mit Schauspieler S zusammenarbeitet. Außerdem tut sich Torsten Sträter mit Model Lorena Rae zusammen – und Brugger eben mit Lauterbach.

Lauterbach war bei seinem Auftritt noch nicht Gesundheitsminister

Als die Show am 12. und 14. Oktober 2021 aufgezeichnet wurde, war Lauterbach noch nicht Bundesgesundheitsminister. Den Vorwurf, er würde sein neues Ministeramt nicht ernst nehmen, kann es also nicht geben.

Brugger, die Lauterbach bereits mehrfach als Reporterin der „heute-Show“ interviewte, trifft den Politiker am Rande der Leverkusener SPD-Bundestagswahlparty, küsst ihm zur Begrüßung die Füße, tätschelt seinen Kopf. Lauterbach lässt das mit sich machen, der Einspieler sorgt für Lacher.

Lauterbach empfindet keine Leidenschaft für das Sprechen

Fehlende Eitelkeit ist eine gute Voraussetzung für das Comedy-Geschäft. Dummerweise ist Lauterbachs Singsang-Stimme, mit der er oft ohne Punkt und Komma sowie ohne jegliche Betonung von einem Thema zum nächsten springt, genau das Gegenteil einer guten Voraussetzung.

Der Politiker empfindet offenbar keine Leidenschaft für das Sprechen, legt nur auf den Inhalt seiner Ausführungen Wert. Als Lauterbach bei der Vorbereitung auf seinen Auftritt das Wort „Oxymoron“ (Widerspruch) benutzt, rät ihm Brugger, er solle seinen Wortschatz auf 1000 Wörter reduzieren.

Lauterbach macht Witze über Oliver Welke

Zu seiner weiteren Strategie sagt Lauterbach, er wolle „entweder seichte, flache Witze machen oder im politischen Bereich das politische Geschäft beeinflussen.“ Und: In ein paar Jahren wolle er Oliver Welke als Moderator der „heute-Show“ ersetzen, weil er „Erfahrung mit älteren Leuten“ habe. Das Publikum lacht.

Die weitere „Ausbildung“ zum Comedian beschränkt sich auf einen Zettel mit vorbereiten Witzen, die Brugger ihrem „Schüler“ auf einer gemeinsamen Autofahrt von Lauterbachs Bürgerbüro in Köln zum Auftritt im Wiesbadener Kurhaus reicht.

Brugger sitzt am Steuer, sagt zu Lauterbach, sie müsse aufpassen, „nicht noch potentielle Wähler umzunieten“. Lauterbach antwortet: „Die Wahl ist gelaufen, ich habe gewonnen. Jetzt kannst du ruhig schnell fahren.“ Wieder lachen die Zuschauer, vor dem Bildschirm lösen die Dialoge maximal ein leichtes Schmunzeln aus.

Lauterbachs Auftritt mit Pannen

Vor dem Auftritt wirkt Lauterbach nervös, streicht sich im Spiegel des Backstage-Raums die Haare zurecht. Der von Brugger vorbereitete Stand-Up dauert am Ende weniger als zehn Minuten, die Witze liest Lauterbach teilweise von einem Zettel ab. Das Timing sitzt nicht. Teilweise klingt es, als wolle er Leute mit einer kämpferischen Rede von seinem politischen Programm überzeugen; nicht, als wolle er sie zum Lachen bringen.

Name Karl Lauterbach
Geburtsdatum 21. Februar 1963
Sternzeichen Fische
Amt Gesundheitsminister
Partei SPD
Parteimitglied seit 2005
Familienstand Geschieden, fünf Kinder
Größe 1,83 Meter

Zum Verhängnis wird Lauterbach schlichtweg seine Art zu sprechen. Sein ständig geschlossener Kiefer nimmt seiner Stimme die Präzision. Selbstironische One-Liner wie „Man ist was man isst. Deshalb ist klar was ich hauptsächlich esse. Nämlich: Lauch“, mögen für das Live-Publikum lustig gewesen sein, sind aber auf Dauer nur bedingt unterhaltsam.

Trotz vorbereiteter Witze wirkt Lauterbach unvorbereitet

Dass Lauterbach im Hauptberuf Politiker ist und er sich innerhalb weniger Wochen kein Stand-Up-Programm ausdenken konnte, war von Anfang an klar. Dass er trotz der vorbereiteten Witze aber unvorbereitet wirkt, wirft die Frage auf, warum er überhaupt bei dem Format teilgenommen hat.

Getragen wird die 45-minütige Folge in erster Linie von Brugger und Moderator Teclebrhan, die vor Lauterbachs Auftritt einen Großteil der Sendung einnehmen. Der Gesundheitspolitiker selbst sagte bereits vor seiner Performance: „Einiges wird klappen, einiges geht daneben.“ Und damit behielt er recht.

Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.