Ukraine-Krieg

Gas: Wen würde ein Energie-Embargo am härtesten treffen?

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Das ist die Bundesnetzagentur

Das ist die Bundesnetzagentur

Die Bundesnetzagentur hat große Macht in Deutschland – dabei ist sie vielen Menschen eher unbekannt. Das Video zeigt, was die Aufgaben der Bundesbehörde sind.

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Berlin.  Sollte Russlands Präsident Wladimir Putin den Gashahn zudrehen, würde das die deutsche Wirtschaft treffen. Wer würde noch Gas erhalten?

Nachdem Russland in dieser Woche Polen und Bulgarien den Gashahn zugedreht hat, fürchten auch in Deutschland immer mehr Unternehmen und Verbraucher ein abruptes Ende der Gasimporte.

Während insbesondere in Polen angesichts gut gefüllter Speicher und getroffener Vorkehrungen die Auswirkungen des Gasstopps begrenzt sind, würden in Deutschland wirtschaftliche Verwerfungen drohen, sollte sich Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem Embargo entschließen.

Die Speicher hierzulande sind gerade einmal zu knapp 34 Prozent gefüllt, Deutschland ist noch mindestens bis 2024 von dem Energieträger aus Russland abhängig.

Gas: Eon-Aufsichtsratschef will Verbrauchern zuerst das Gas abstellen

Wo aber wird rationiert, wenn es im Zuge des Krieges in der Ukraine zu einem Gasstopp kommt? Der von der Bundesregierung aktivierte Notfallplan Gas sieht eine klare Antwort vor: Privathaushalte sind besonders geschützt. Eine Rationierung würde also zuerst die Wirtschaft treffen.

Doch dagegen regt sich immer mehr Widerstand seitens der Unternehmen. Eon-Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley forderte im „Manager Magazin“ eine Umkehrung der Reihenfolge: Erst den Privathaushalten das Gas abstellen und dann der Industrie.

Gas: Mittelstand gegen strikte Trennung von Privathaushalten und Industrie

Kritische Töne kommen auch vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW): „Eine strikte Trennung zwischen einer bevorzugten Belieferung von Privathaushalten und einer primären Abschaltung von Industriebetrieben wird aus unserer Sicht der Art und Größe der aktuellen Herausforderungen nicht gerecht“, sagte BVMW-Chefvolkswirt Hans-Jürgen Völz unserer Redaktion.

Ein Problem: Nicht jede Anlage kann einfach wieder so hochgefahren werden, wenn sie einmal vom Netz genommen worden ist.

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Glasindustrie sorgt sich um ihre Anlagen

Das trifft etwa auf die Glasindustrie zu. „Ein abrupter Stopp der Erdgaszufuhr hätte zum Teil irreversible Schäden an den Wannen zur Folge“, sagte Johann Overath, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Glasindustrie, unserer Redaktion.

Die Glasindustrie treibe die Forschung nach Alternativen zum Erdgas, etwa Wasserstoffanwendungen, voran. Das brauche aber Zeit, mahnt Overath. Zeit, die die Industrie möglicherweise nicht haben wird.

Verbraucherschützer rufen zum Energiesparen auf

Auf der anderen Seite steht der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher – den auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) ausdrücklich zusichert. „Ich möchte nicht in Katastrophenszenarien schwelgen. Aber eines ist klar: Es ist undenkbar, dass bei der Großmutter zuhause die Wohnung kalt ist“, sagte Lindner unserer Redaktion.

Beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) dürfte das gut ankommen. „Im Falle von Versorgungsengpässen müssen private Haushalte als sogenannte geschützte Kunden weiter mit Erdgas und anderen Energien sicher versorgt werden“, sagte Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen im vzbv, unserer Redaktion.

Präsident der Netzagentur warnt vor Ausspielen der Industrie und der Verbraucher

Der Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher dürfe nicht infrage gestellt werden. Zugleich müsse mehr Energie gespart werden – vonseiten der Industrie, beim Handel und Gewerbe ebenso wie im öffentlichen Sektor und bei den privaten Haushalten. „Alle müssen einen Beitrag leisten, auch schon vor einem Embargo“, mahnte Verbraucherschützer Engelke.

Sollte es zu einer Rationierung kommen, müsste die Bundesnetzagentur entscheiden, welche Firmen noch Energie erhalten. Deren Präsident Klaus Müller lehnte gegenüber der „Rheinischen Post“ eine Bevorzugung der Industrie gegenüber den privaten Haushalten ab und warnte zugleich davor, die beiden Gruppen gegeneinander auszuspielen.

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Dieser Artikel ist zuerst auf waz.de erschienen.