Landtagswahl

SPD klar vorn: Was wir aus der Saarland-Wahl lernen können

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Was für die Saarländer bei der Landtagswahl wichtig ist

Was für die Saarländer bei der Landtagswahl wichtig ist

Radwege, Steuern, Europa: AFPTV hat Wähler in Neunkirchen im Saarland gefragt, was für sie bei der Landtagswahl wichtig ist.

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Berlin   Eine SPD-Frau setzt sich bei der Saarland-Wahl nach langem Anlauf durch. Ein Top-Zeugnis für die Bundes-SPD ist das noch lange nicht

Das Wahljahr 2022 beginnt mit einer hässlichen Klatsche für die Union. Nach dem Desaster bei der Bundestagswahl geht jetzt auch das kleine Saarland für die CDU verloren. Nur noch sechs von sechzehn Ländern sind künftig konservativ geführt. Das ist bitter für eine Volkspartei, die in ihren besten Zeiten die Mehrheit in den meisten Ländern hatte.

Die SPD und Kanzler Scholz sollten jetzt aber nicht den Fehler machen und den Sieg als glänzendes Zeugnis für ihre Regierungsarbeit abfeiern. So toll waren die ersten hundert Tage nicht, dass die Wählerinnen und Wähler im Saarland mit wehenden Fahnen ins Lager der Sozialdemokratie wechseln mussten. Und Friedrich Merz hat sich als neuer CDU-Chef nicht so schlecht geschlagen, dass die CDU in Saarbrücken dringend abgestraft werden musste.

Landtagswahl im Saarland: CDU und Tobias Hans verliert haushoch

Eine Mehrheit von 750.000 Wählerinnen und Wähler hat schlicht die Partei gewählt, die sie im Land mit der richtigen Person an der Spitze überzeugt hat. Für die Saarländer sind der Hanseat Olaf Scholz und der Westfale Friedrich Merz räumlich und mental ziemlich weit weg. Gewonnen hat mit Anke Rehlinger eine sprichwörtlich starke Persönlichkeit. Sie hält nicht nur bis heute den Landesrekord im Kugelstoßen, sondern hat sich auch mit Empathie und langem Atem in der Landespolitik einen Namen gemacht. Das hat zum historischen Sieg gereicht.

Saarland-Wahl: Das ist Anke Rehlinger
Saarland-Wahl: Das ist Anke Rehlinger

Haushoch verloren hat dagegen Tobias Hans, der nach dem Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer nur mit geliehener Macht ins Amt kam und dort nicht überzeugen konnte. Wer aus der Staatskanzlei nicht punkten kann und in zentralen Politikfeldern wie Corona und Bildung auf Jojo-Kurs geht, darf sich nicht wundern, wenn er derart krachend abgewählt wird.

Auch das schwache Abschneiden der kleinen Parteien ist komplett hausgemacht. Die Saar-Grünen waren bei der Bundestagswahl zu dusselig, eine rechtskonforme Wahlliste aufzustellen und bleiben trotz Habeck und Baerbock vergleichsweise schwach. Die Linkspartei war mehr mit sich als dem Land beschäftigt, das beweist der eitle Austritt des Saarländers Oskar Lafontaine ausgerechnet kurz vor der Wahl. Jetzt hat sie dafür die Quittung kassiert und ist zu Recht rausgeflogen. Die FDP blieb farblos und die AfD hatte ihrem Publikum außer populistischen Phrasen überhaupt nichts zu bieten.

Saar-Wahl kein Test für den Bund

Mit dem gestrigen Wahltag ist auch der letzte Akt des Trauerspiels von Annegret Kramp-Karrenbauer über die Bühne gegangen. Die einstige Hoffnung von der Saar konnte weder die Bundes-CDU in die Zukunft führen noch das Kanzleramt erobern und Angela Merkel beerben. Jetzt ist sogar die Regierungsmacht in der Heimat verloren.

Auch wenn die Saar-Wahl kein Test für den Bund war, lässt sich aus ihr für den größeren Maßstab doch Folgendes lernen: Wenn man als erfolgreiche Regierungschefin oder -chef Appetit auf mehr Macht bekommt und auf die bundespolitische Bühne wechselt, kann das gewaltig schiefgehen und einen hohen Preis fordern. Armin Laschet lässt grüßen.