Ukraine-Krieg

"Strela"-Raketen aus der DDR an Ukraine: Alt und kaputt?

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Selenskyj fordert sofortige Sanktionen nach russischem Angriff auf Atomkraftwerk

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach dem russischen Angriff auf das Atomkraftwerk Saporischschja härtere Sanktionen gegen Moskau gefordert.

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Berlin   Deutschland will der Ukraine 2700 Flugabwehrraketen vom Typ "Strela" schicken. Die sind alt – und deshalb Gegenstand einer Debatte.

Um die Ukraine im Krieg gegen Russland zu unterstützen, wollte die Bundesregierung der Ukraine 2700 Flugabwehrraketen vom Typ "Strela" schicken. Am Donnerstagabend lancierte das Bundeswirtschaftsministerium unter Robert Habeck (Bündnis 90 / Die Grünen) die Nachricht zusammen mit der Aussage, das Ressort habe die Abgabe der Waffen bereits genehmigt und warte nur noch auf die Zustimmung des Bundessicherheitsrates.

Im Verteidigungsministerium unter der Leitung von Christine Lambrecht (SPD) reagierte man verwirrt auf diese Nachricht, berichtet der "Spiegel". Zwar hätte das Haus eine mögliche Lieferung der "Strela"-Raketen geprüft, allerdings sei noch nicht geklärt, ob und wie viele Raketen überhaupt geliefert werden könnten.

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Denn das ist laut "Spiegel"-Bericht nicht gegeben. Demzufolge sollen 700 der 2700 "Strela"-Raketen nicht mehr einsatzbereit sein. Seitdem die Waffen im Jahr 2014 aus dem laufenden Betrieb der Bundeswehr genommen wurden, sollen sie in Kisten liegen. Diese Kisten sollen mittlerweile so stark verschimmelt sein, dass Soldatinnen und Soldaten die Waffenlager nur noch mit Schutzanzügen betreten dürfen.

Abgesehen davon spielt auch das Alter der Raketen eine Rolle bei der Entscheidung, ob die sogenannten Manpads (Man Portable Air Defense System) in die Ukraine geschickt werden. Denn eigentlich liege das Haltbarkeitsdatum der Waffen bei sachgerechter Lagerung bei ungefähr 20 Jahren, heißt es in einer Analyse des "Stern". Die Waffen der Bundeswehr sind allerdings deutlich älter. Seit dem Ende der DDR sind 30 Jahre vergangen, und schon zur Wende kamen die "Strela"-Raketen nicht direkt aus der Fabrik. Ein Alter von 50 Jahren sei nicht unrealistisch, schreibt der "Stern."

Außerdem soll es Meldungen geben, wonach sich mittlerweile Risse im Stahlmantel der Raketen gebildet haben sollen. Dafür spricht, dass die "Strelas" seit ungefähr sieben Jahren nur darauf warten, von der Bundeswehr entsorgt zu werden.

Der Bundeswehr fehlen Handstücke für "Strela"-Raketen

Und noch ein Problem zeigt der "Spiegel"-Bericht auf: Zwar verfügt die Bundeswehr noch über ausreichend Raketen, nicht aber über die passenden Handstücke. Fehlen die, kann die Rakete nicht abgefeuert werden. Die Hoffnungen lägen nun darauf, dass die Ukraine noch solche Abschussvorrichtungen auf Lager hat.

Die Bundesregierung bestreitet den Vorwurf, der Ukraine schrottreife Waffen liefern zu wollen. Es werde nur "handhabungssicheres Material" weitergegeben, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums am Freitag.

Kritik an der öffentlichen Debatte um die Waffenlieferungen in die Ukraine kommt von der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Sie mahnt zu Verschwiegenheit: "Das Geplapper über welche Waffen, wann und wohin geliefert werden, muss aufhören", sagte Strack-Zimmermann dieser Redaktion. "Wir gefährden den Einsatz, den Transport und damit auch das Leben unserer Leute."

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Dieser Artikel erschien zuerst auf waz.de.