Kommentar

Neue US-Botschafterin Gutmann: Eine Brückenbauerin

| Lesedauer: 2 Minuten
Biden und Scholz üben den Schulterschluss in Ukraine-Krise

Biden und Scholz üben den Schulterschluss in Ukraine-Krise

Bei seinem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beteuert, Deutschland und die USA würden bei Sanktionen im Falle eines russischen Angriffs auf die Ukraine "komplett einvernehmlich agieren". Biden hatte zuvor für diesem Fall ein Aus für die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 verkündet.

Beschreibung anzeigen

Washington.  Beeindruckendes Leben, scharfer Verstand: Mit Amy Gutmann wird eine versierte Kommunikatorin US-Botschafterin, meint Dirk Hautkapp.

Als Chefin einer der größten Universitäten der USA hat sich Amy Gutmann den Ruf als blendende Menschenfischerin und Zuhörerin erworben, die auf die Kraft von Diskussion und Kompromiss setzt. Gerade dann, wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt.

Mit dem Satz „Dies ist meine wilde Idee für diese Woche“ stößt die 72-Jährige regelmäßig befruchtende Debatten an, sagen selbst kritische Wegbegleiter.

Tochter eines vor den Nazis geflohenen Juden

Wenn die Tochter eines vor dem Naziregime geflohenen Juden in ihrer neuen Funktion als Joe Bidens Statthalterin in Berlin ein solcher Impuls auch nur alle drei Monate gelingen würde, wäre schon viel gewonnen für die transatlantischen Beziehungen.

Unter dem von Ex-Präsident Donald Trump als Planierraupe installierten Richard Grenell waren die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika auf Gefriertemperatur gesunken.

Lesen Sie auch: „Unamerikanisch“: Mike Pence bricht mit Donald Trump

Plumpe Forderungen und Maßregelei

Grenell, vorlaut, aufdringlich, unangenehm, verlegte sich darauf, Regierung und Wirtschaft seines Gastlandes durch plumpe Forderungen und Maßregelei vorzugsweise in Boulevardmedien unter Druck zu setzen, was vor allem Donald Trump gefallen sollte.

Als er ging, blieb der scheidenden amerikanischen Botschaftern von Kornblum über Emerson bis Murphy zuteil gewordene große Bahnhof aus. Berlin atmete auf, als er weg war.

Austausch von Ideen und mehr Nachdenken

Mit Amy Gutmann kommt eine versierte Kommunikatorin an die Spree, die sich in Büchern mehrfach für einen respektvolleren Austausch von Ideen und mehr Nachdenken eingesetzt hat. Auf beiden Seiten des Atlantiks hat es daran nicht zuletzt in den Trump-Jahren gemangelt.

Mit ihrer beeindruckenden Lebensgeschichte und ihrem scharfen Verstand könnte Gutmann die wichtigste Brückenbauerin zwischen zwei Ländern werden, die zuletzt zunehmend miteinander fremdelten.