Österreich verbietet Rauchen im Auto – wenn Kids dabei sind

Wien  Im Auto zur Zigarette zu greifen, kann in Österreich in Zukunft teuer werden. Dennoch zeigt die Alpenrepublik ein Herz für Raucher.

Rauchen im Auto, wenn Kinder und Jugendliche dabei sind, ist in zahlreichen Ländern verboten.

Rauchen im Auto, wenn Kinder und Jugendliche dabei sind, ist in zahlreichen Ländern verboten.

Foto: imago stock&people / imago/imagebroker

In Österreich wird das Qualmen im Auto mit Minderjährigen unter Strafe gestellt. Wer im Wagen raucht und ein Kind sitzt daneben, muss bis zu 1000 Euro zahlen. Das sieht das Tabakgesetz vor, das die österreichische Regierung beschlossen hat. Neu ist zudem, dass das Alter für den Kauf von Zigaretten von 16 auf 18 Jahre angehoben wird.

Während Autofahrer in Deutschland keine Konsequenzen fürchten müssen, wenn sie mit Kindern an Bord rauchen, ist die neue österreichische Regelung in anderen Ländern schon länger Realität. Beispiele in Europa sind laut ADAC Großbritannien, Frankreich, Griechenland und Italien. In Italien ist das Rauchen sogar auch verboten, wenn Schwangere mit im Auto sind.

Regierung kippt geplantes Rauchverbot

Während Kinder in Österreich in Autos zukünftig besser geschützt werden, darf in Kaffeehäusern und Lokalen weiterhin gequalmt werden. Damit ist die Alpenrepublik eines der letzten Länder Westeuropas, in dem in Gastronomiebetrieben noch geraucht werden darf.

Die Regierung aus konservativer ÖVP und rechter FPÖ kippte vergangene Woche das für Mai geplante Rauchverbot wieder. „Bis heute gibt es kein Land weltweit, das in Sachen Nichtraucherschutz einen Schritt zurück gemacht hat“, kritisierte die ehemalige Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) in einer hitzigen Debatte.

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Vor drei Jahren hatten SPÖ und ÖVP noch gemeinsam das Rauchverbot beschlossen. 27 Abgeordnete der Konservativen votierten nun gegen ihre alten Überzeugungen. Damit ist es weiterhin den Gastronomen überlassen, ihren Gästen die Zigarette zu erlauben oder sie vor die Tür zu bitten.

Österreich als „Aschenbecher Europas“

Seit Wochen gibt es einen Aufschrei von Opposition und Teilen der Zivilgesellschaft gegen den Plan. Rund 13.000 Österreicher sterben jedes Jahr an den Folgen des Tabakkonsums. Etwa 1000 Todesfälle können auf das passive Rauchen zurückgeführt werden.

Rendi-Wagner bezeichnete die Regelung als Schande. Österreich werde so zum „Aschenbecher Europas“, sagte sie im Vorfeld der Debatte. ÖVP und FPÖ würden sich „bewusst fürs Sterben“ entscheiden, befand der Chef der liberalen Neos, Matthias Strolz, vor der Abstimmung.

Ein geplantes Volksbegehren von Ärztekammer und Krebshilfe für ein Rauchverbot unterstützen bereits mehr als 543.000 Bürger. Laut OECD rauchen fast ein Viertel der Österreicher täglich, nur in Griechenland und Ungarn sind es mehr. Bei Frauen, die zur Zigarette greifen, belegt Österreich sogar den ersten Platz in Europa.

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Irland wurde 2004 mit seiner bahnbrechenden Gesetzgebung zum Rauchverbot in Pubs und anderen Gaststätten zum weltweiten Vorbild. Viele Länder in Europa und der ganzen Welt folgten. Und die grüne Insel geht sogar einen Schritt weiter: Bis 2025 soll ganz Irland tabakfrei sein.

Nichtraucherschutz ist in Deutschland Ländersache

Vor zehn Jahren trat in Bayern mit dem Gesetz zum Schutz der Gesundheit, das damals strengste Rauchverbot in Deutschland in Kraft. Von Bundesland zu Bundesland sind die Regelungen in der Bundesrepublik inzwischen mehr oder weniger streng. Auch in Deutschland wurden in der Vergangenheit Forderungen laut, das Rauchen in Autos mit Kindern zu verbieten.

In Österreichs Regierung scheint ein Kurswechsel in naher Zukunft ausgeschlossen. Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) kritisierte die nun gekippte Regelung zum Rauchverbot sogar als „grauslich“. Den Wirten wäre so die Gastfreundschaft verdorben worden und Raucher wären an den Rand gedrängt worden: „Minderheiten auszugrenzen, Suchtkranke auszugrenzen, das verurteile ich.“ Ihr Parteikollege Peter Wurm fragte: „Wo soll diese Verbotskultur für erwachsene Bürger noch enden?“ Am Ende würde der Schweinebraten wegen zu viel Fett noch auf eine rote Liste kommen, so die Argumentation.

FPÖ machte Ende des Rauchverbots zur Bedingung

Die FPÖ, mit ihrem stark rauchenden Parteichef Heinz-Christian Strache, machte das Ende des absoluten Rauchverbots zur Koalitionsbedingung. Strache meinte zudem, dass sich Raucher, wenn sie für eine Zigarette in der kalten Jahreszeit vor die Tür gehen müssten, leicht eine Lungenentzündung holen könnten. Auch dieses Gesundheitsrisiko sei zu berücksichtigen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) meinte mehrfach, ihm seien wegen des Koalitionsabkommens die Hände gebunden. Als Nichtraucher habe er aber „großes Verständnis, dass sich die Mehrheit für ein absolutes Rauchverbot“ einsetze. Die Abstimmung galt aufgrund der unterschiedlichen Positionen als erster Härtetest für die Geschlossenheit der ÖVP-FPÖ-Koalition. Jetzt können kleine Gaststätten weiterhin das Rauchen erlauben, größere Betriebe müssen über getrennte Raucherräume verfügen. (dpa/kge)

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