Anne Will: Kubicki warnt vor Corona-Müdigkeit in Deutschland

Berlin.  Reichen die aktuellen Corona-Regeln noch aus? Bei „Anne Will“ war die Talkrunde am Sonntag bei dieser Frage in zwei Lager gespalten.

Söder nimmt bei Corona-Bekämpfung junge Menschen in die Pflicht

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen appelliert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder an die Bürger, bei den Bemühungen zur Eindämmung der Pandemie nicht nachzulassen. Vor allem jüngere Menschen dürften mit ihrem Freizeitverhalten nicht das Leben und die Gesundheit ihrer Mitmenschen aufs Spiel setzen, sagte der CSU-Chef bei einem virtuellen Parteitag der CSU.

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Anne Will widmete sich am Sonntagabend der aktuellen Gretchen-Frage in der Corona-Pandemie: „Sorge um steigende Corona-Zahlen – reichen die Maßnahmen aus?“, lautete der Titel der Sendung. Diskutiert wurde das Thema von Finanzminister Olaf Scholz (SPD), der Virologin Melanie Brinkmann, der Ethikerin Alena Buyx, dem Politiker Wolfgang Kubicki (FDP), und dem Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen.

Coronavirus: Geteilte Lager bei der entscheidenden Frage

Bei der Antwort auf die besagte Leitfrage war die Gruppe gespalten. Auf der einen Seite Wolfgang Kubicki und Andreas Gassen, die sich gegen zu viele und zu weitreichende Regeln stellten. „Jede Zahl ist irgendwo gegriffen und nicht begründbar“, sagte der Vertreter der Kassenärzte mit Blick auf Überlegungen, private Feiern auf 50 Gäste zu begrenzen. Und Kubicki warnte, dass die Akzeptanz leiden werde, wenn Regeln nicht transparent und sinnvoll seien.

Auf der anderen Seite Alena Buyx, die eine Begrenzung der Gästezahlen begrüßen würde: Schließlich seien es mittlerweile häufig Familienfeiern, von denen neue Corona-Cluster ausgingen, begründete die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates. Das klang plausibel, genauso wie ein Grundsatz, bei dem sich alle einig waren: Neue Maßnahmen müssen immer regional differenzieren – in Mecklenburg-Vorpommern sieht es anders aus als in Bayern.

Corona-Pandemie: Hoffnungen ruhen auf Schnelltests

Doch könnten nicht auch Instrumente statt Regeln helfen, die Lage zu beherrschen? Der Blick in diese Richtung fiel ernüchternd aus. Die Corona-App? Zu zurückhaltend und wenig genutzt. Fieberambulanzen? Nur nötig, wenn es wirklich eng wird.

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Die meiste Hoffnung machte der Ausblick auf Corona-Schnelltests, die binnen 15 Minuten Ergebnisse liefern sollen. Man dürfe aber kein Wundermittel erwarten, warnte die Virologin Melanie Brinkmann. Solche Tests seien erst Anfang nächsten Jahres verfügbar und hätten höhere Fehlerquoten als die PCR-Labortests.

Einigkeit herrschte bei der Bewertung des schwedischen Wegs. Die dortigen Verantwortlichen hätten beim Schutz der alten Menschen versagt, stellte Brinkmann fest. „Das ist katastrophal, das war ganz sicher nicht der richtige Weg.“ Ähnlich sah das die Ethikerin Buyx: „‘Wir opfern einfach eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft‘, das wäre bei uns nicht möglich gewesen.“ Kubicki schwieg derweil – schade, dass er nicht gefragt wurde.

Anne Will: Waren die Schulschließungen notwendig?

Interessant wurde es schließlich noch einmal, als es um den Ausblick ging. Wird man erneut Schulen und Kitas schließen müssen? Olaf Scholz drückte sich um eine klare Antwort. Virologin Brinkmann aber war sich sicher, dass das nur punktuell nötig sein wird. War die komplette Schließung im Frühjahr also übertrieben? „Diese Frage ist fast gemein. Wir hätten sicher manche Dinge anders machen können. Ich fand es katastrophal, dass das passiert ist“, sagte sie angenehm offen.

Das Fazit

Es wird gerne vermutet, dass es in der Bevölkerung eine gewisse Corona-Müdigkeit gibt. Bei dieser Ausgabe von „Anne Will“ ließ sie sich konkret beobachten: So richtig in Fahrt kam die Debatte nicht. Vielleicht hätte man das Thema auch erst in einer Woche behandeln sollen. Am Dienstag wollen Bund und Länder über neue Regeln beraten. Gut möglich, dass es danach sehr großen Redebedarf geben wird.

Hier geht es zur Ausgabe von „Anne Will“ in der ARD-Mediathek. Auch in der vergangenen Folge ging es um das Coronavirus. Virologe Hendrik Streeck forderte bei „Anne Will“ eine neue Corona Strategie. In den Sendungen zuvor wurden auch andere Themen diskutiert: Die Gäste diskutierten bei „Anne Will“ über das Flüchtlingslager Moria. Auch der Giftanschlag auf Alexej Nawalny war Thema bei „Anne Will.“

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