Mega-Übernahme

Microsoft schluckt Spiele-Giganten für 70 Milliarden Dollar

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Washington.  Microsoft plant die Übernahme des Videospielherstellers „Activision Blizzard”. Das Unternehmen will so viel Geld zahlen wie nie zuvor.

So viel Geld hat der amerikanische Software-Riese Microsoft in seiner 46-jährigen Geschichte noch nie ausgegeben: Für und 70 Milliarden Dollar will sich der Softwarekonzern bis 2023 den für millionenfach verkaufte Titel wie „Call of Duty" und „World of Warcraft” bekannten Computer- und Videospiel-Giganten „Activision Blizzard” einverleiben.

Vorausgesetzt, die US-Kartell-Behörden spielen mit, entstünde damit nach den Branchen-Führern Tencent (China) und Sony (Japan) der weltweit drittgrößte Anbieter von Daddel-und Baller-Spielen, die in der Corona-Pandemie seit zwei Jahren auf zunehmende Nachfrage stoßen.

Nach Übernahme-Angebot: Blizzard-Aktie legt um 33 Prozent zu

„Activision Blizzard” machte ihm dritten Quartal 2021 rund zwei Milliarden Dollar Umsatz. Der Gewinn stieg im Jahresvergleich um plus sechs Prozent auf knapp 630 Millionen Dollar. Microsoft könnte mit dem Deal seine erfolgreiche Xbox-Spielekonsole mit populären Video-Spielen wie „Candy Crush” verschmelzen.

Allerdings: Nach schwerwiegenden Fällen konstanter sexueller Belästigung von Mitarbeiterinnen durch ihre Kollegen hat „Activision Blizzard” einen zerbeulten Ruf. Wie Microsoft mitteilte, greift man für die Akquisition tief in die Tasche. Für jede Activision Blizzard-Aktie werden 95 Dollar geboten; ein Aufschlag von cirka 45 Prozent zum Schlusskurs des in Santa Monica/Kalifornien ansässigen Unternehmen vom vergangenen Freitag.

Am Dienstag macht die Aktie durch die Übernahme-Offerte den größten Sprung in fast 30 Jahren und legte um 33 Prozent auf 86,90 Dollar zu. Bisher war der Kauf von „LinkedIn” (2016) für 26 Milliarden Dollar die größte Investition von Microsoft.

Microsoft will zum „Netflix der Spielbranche” werden

Branchen-Analysten erklären die Motive Microsofts mit dem von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im vergangenen Herbst ausgerufenen Metaverse-Projekt. Danach sollen in der kommenden Internet-Generation immer öfter traditionelle Online-Inhalte mit virtueller Realität (augmented reality) verwoben werden.

Durch „Activision Blizzard”, das von Microsofts Expertise bei Künstlicher Intelligenz und der Programmier-Sparte profitieren könne, sei der Software-Riese besser aufgestellt, um etwa dem „Oculus”-System von Facebook Paroli bieten zu können, sagen Insider.

„Activision Blizzard”, über 10.000 Mitarbeiter stark, hat über 400 Millionen monatliche Nutzer und macht allein mit Kriegsspielen wie „Call of Duty” jährlich Milliarden-Umsätze. Microsoft möchte mit dem Abo-Modell „Game Pass” mittelfristig zum „Netflix der Spielebranche” werden.

Microsoft: Spiele-Branche als Zukunftsmarkt

Zwischenruf: In Deutschland übertrifft die Szene für Video-Spiele und die dazu gehörende Hardware im Umsatz den Markt für Kinofilme und für Musik zusammen inzwischen um mehr als das Dreifache. 2020 lag der Games-Markt in Deutschland bei rund 8,5 Milliarden Euro. Allerdings landen nur fünf Prozent bei deutschen Entwicklern; das Ausland - hier unter anderem „Activision Blizzard” - dominiert.

Bei erfolgreichem Abschluss würde sich das Portfolio von Microsoft radikal verändern. Bisher ist das Haus trotz Xbox und dem Kauf des „Minecraft”-Produzenten Mojang vor allem bekannt und erfolgreich mit Software für Unternehmen (Office 365) und als Cloud-Anbieter (Daten-Aufbewahrung) im Wettbewerb mit Amazon und Google.

Allerdings sieht Microsoft-CEO Satya Nadella schon seit längerer Zeit die Spiele-Branche als Zukunftsmarkt. „Spiele sind die dynamischste und spannendste Kategorie in der Unterhaltungsszene über alle Plattformen hinweg und werden eine Schlüsselrolle im Metaverse einnehmen”, sagte Nadella in einer Stellungnahme.

„Activision Blizzard”: Sexuelle Belästigung und Diskriminierung

Dazu passt: Vor einer Woche hatte der US-Videospielkonzern Take-Two („Grand Theft Auto") für knapp 13 Milliarden Dollar Zinga gekauft, den Entwickler des beliebten Spiels „Farmville”. Für die Politik in Washington stellt der geplante Kauf von Microsoft eine große Herausforderung da.

Zuletzt hatte sich, auch ausgelöst durch diverse Daten-Skandale bei Facebook, eine parteiübergreifende Koalition gebildet, die den Technologie-Giganten und „Social Media”-Unternehmen Fesseln anlegen will. Bis hin zur Zerschlagung der Mega-Konzerne, die ökonomisch stärker als manche Nationalstaaten sind, reichen die Forderungen.

Mit „Activision Blizzard” tut sich Microsoft mit dem „bad boy” der Spiele-Branche zusammen. Das Unternehmen sieht sich seit vergangenem Jahr des Vorwurfs ausgesetzt, insbesondere für weibliche Beschäftigte ein Arbeitsklima zu dulden, in dem sexuelle Belästigung und Diskriminierung an der Tagesordnung seien und verharmlost würden.

Mitarbeiterinnen „konstanter sexueller Belästigung" ausgesetzt

In einer im Juli bei der kalifornischen Arbeitsbehörde „Department of Fair Employment and Housing” eingereichten Klage wird vor allem der seit über 30 Jahren amtierende Activision-Vorstandsvorsitzende Bobby Kotick für die Probleme verantwortlich gemacht, zu denen auch ungleiche, unfaire Bezahlung gehören sollen.

Ihm wird vorgehalten, den Verwaltungsrat des Konzerns über Vorwürfe von Fehlverhalten in der Belegschaft im Dunkeln gelassen zu haben. Es war die Rede davon, dass Mitarbeiterinnen „konstanter sexueller Belästigung" ausgesetzt seien und von männlichen Kollegen begrapscht würden. Auch Vergewaltigungen soll es gegeben haben.

Durch den Image-Schaden verlor Activision Blizzard an Wert

Activision spielte die Vorwürfe zunächst herunter. In einem internen Brief hieß es, die Klage zeichne „ein verzerrtes und unwahres Bild”. Was für enormen Unmut in der Belegschaft sorgte. Dutzende Beschäftigte legten die Arbeit nieder und gingen demonstrativ auf die Straße. Sie forderten die Abberufung Koticks. Durch den Image-Schaden verlor Activision Blizzard zeitweilig mehr als sechs Prozent an Wert.

Später dreht das Unternehmen bei, räumte Fehlverhalten ein, entließ knapp 40 Mitarbeiter und verwarnte weitere 50. Als ausreichend wird das von der Belegschaft nicht gesehen. Bobby Kotick soll in der neuen Konstruktion als CEO an Bord bleiben, aber dem Gaming-Chef von Microsoft, Phil Spencer, unterstellt werden.

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