Corona: Welche Jobs jetzt gefragt sind – und welche nicht

Berlin.  Die Sorgen vor einer Insolvenzwelle sind groß. Zugleich herrscht weiterhin massiver Fachkräftemangel. Welche Branchen betroffen sind.

Coronavirus-Krise: Was bedeutet eigentlich Kurzarbeit?

Unternehmen ächzen unter der Krise, verursacht durchs Coronavirus. Damit Arbeitnehmer ihren Job nicht verlieren, hat der Staat einen Kündigungs-Stopper: Kurzarbeitergeld. Was ist das eigentlich?

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Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt durchgerüttelt. Über sieben Millionen Deutsche mussten in der Spitze im Frühjahr in Kurzarbeit gehen. Auch aktuell gibt es für viele Arbeitnehmer nichts zu tun. Restaurants und Fitnessstudios haben geschlossen, Hotels arbeiten auf Minimalbetrieb. Und die Aussichten bleiben ungewiss, weshalb der Bundestag am Freitag die Corona-Sonderregeln zur Kurzarbeit bis Ende 2021 verlängerte.

Wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Mit milliardenschweren Hilfen versucht die Bundesregierung bisher, die Unternehmen über Wasser zu halten. Während die Bundesagentur für Arbeit nicht von einer Insolvenzwelle ausgeht, sind die Prognosen von Wirtschaftsauskunfteien düster. So sagt Creditreform für 2021 rund 24.000 Firmenpleiten voraus. Konkurrent Crifbürgel rechnet im kommenden Jahr mit bis zu 110.000 Privatinsolvenzen.

Studie: Im Schnitt fehlen bundesweit 342.731 Fachkräfte

In einigen Branchen hingegen ist Kurzarbeit und die Sorge vor Arbeitslosigkeit ein Fremdwort. Im Gegenteil. Es werden händeringend qualifizierte Mitarbeiter gesucht – aber nicht gefunden.

Das Institut der deutschen Wirtschaft aus Köln (IW) hat in einer Studie, die unserer Redaktion vorliegt, untersucht, wie viele Stellen in Deutschland nicht besetzt werden können. Trotz Krise fehlten durchschnittlich zwischen Juni 2019 und Juni 2020 bundesweit 324.731 Fachkräfte.

Altenpfleger und Bauelektriker dringend gesucht

Besonders betroffen sind geschlechtsspezifische Berufe. In der Altenpflege etwa fehlen 20.282 Fachkräfte. Auf 100 offene Stellen kommen nur zwölf Arbeitslose, die die entsprechende Qualifikation mitbringen, um als Altenpfleger oder Altenpflegerin anzuheuern.

In der Bauelektrik sieht es kaum besser aus. 19 Arbeitslose fallen auf 100 offene Stellen, gebraucht werden aut IW 15.595 Fachkräfte. „Die Corona-Krise wirkt sich unterschiedlich aus“, sagte Studienautorin Lydia Malin. So gebe es in der Hotellerie und Gastronomie praktisch keine Engpässe mehr, in der Produktion und Fertigung halte der Fachkräftemangel an. „Im Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung ist der Fachkräftemangel während der Corona-Krise sogar gestiegen“, sagt Malin.

Für die öffentliche Verwaltung stehen kaum geeigneter Bewerber zur Verfügung

Als Fachkraft definiert das IW einen Arbeitnehmer mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung. Doch auch Höherqualifizierte, etwa mit einem Meister- oder Bachelorabschluss, werden etwa in der Physio- und Ergotherapie dringend gesucht.

Und bei den Experten, also etwa denjenigen, mit einem Diplom- oder Masterabschluss, herrscht der Studie zufolge massiver Mangel bei Berufen der Sozialarbeit und der Sozialpädagogik. Fast 14.000 Stellen bleiben hier unbesetzt.

Kaum Potenzial für geeignete Bewerber hat die öffentliche Verwaltung. Nur sechs Arbeitslose mit geeigneter Qualifikation kommen laut IW auf 100 offene Stellen. Der Chef des Bundesverwaltungsamtes forderte daher bereits deutlich mehr Geld und Personal. Bei Informatikern sind es 14 Arbeitslose je 100 offene Stellen.

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Bei Informatikern geht der Fachkräftemangel zurück

Dass es Deutschland an Informatikern mangelt, ist nicht neu, der Digital-Branchenverband Bitkom warnt jährlich vor immer mehr unbesetzten Stellen. Sabrina Zeplin , Geschäftsführerin des Online-Jobportals Xing, kommt zu dem Schluss, dass der Software-Entwickler der „Trendjob des Jahres“ ist. Darauf stützt sich Zeplin auf eine Auswertung ihres Unternehmens von mehr als 20 Millionen Stellenanzeigen, die unserer Redaktion vorliegt.

Das soziale Netzwerk hat die Anzahl der Stellenanzeigen von Januar bis Ende 2019 mit den Werten aus demselben Zeitraum des aktuellen Jahres verglichen. Am gefragtesten war der Beruf des Software-Entwicklers. „Gleichzeitig werden aber auch traditionelle Berufe - wie kaufmännische Angestellte oder Buchhalter – nach wie vor von Unternehmen besonders häufig gesucht und sind daher ebenso zukunftsfähig “, sagte Zeplin unserer Redaktion.

Empfangsmitarbeiter sind kaum noch gefragt

Verschärft sich der Mangel in Zeiten, in denen Corona die Digitalisierung beschleunigt? Das muss nicht passieren, meint IW-Forscherin Malin. So sei im Oktober die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in den Bereichen Naturwissenschaft, Geografie und Informatik um mehr als 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. „Das ist zwar kontraintuitiv, liegt aber daran, dass in diesem Bereich viele Selbstständige unterwegs sind, die die Industrie beraten. Die Industrie aber hat viele Projekte aufgrund der ungewissen Lage in der Schublade verstaut.“

Ganz anders sieht es dagegen in der Medizinbranche aus. Laut der Xing-Analyse kommen neun von zehn Berufen, in denen die Nachfrage nach geeigneten Arbeitskräften steigt, aus dem medizinischen Bereich. Allein für Pflegekräfte stieg die Anfrage demnach um 34 Prozent, die Nachfrage nach Ärzten wuchs um 31 Prozent.

Kaum noch gefragt sind dagegen laut der Auswertung Empfangsmitarbeiter (minus 40 Prozent), Sachbearbeiter im Import und Export (minus 38 Prozent) und Eventmanager (minus 36 Prozent).

Bundestag verlängert Corona-Sonderregelungen zur Kurzarbeit

Für Branchen, die derzeit zwar noch genug Personal, aber zu wenige Aufträge haben, fasst der Bund weiter tief in die Tasche. Laut Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) seien allein bisher rund 18 Milliarden Euro für die Kurzarbeit ausgegeben worden. Am Freitag verlängerte der Bundestag die Corona-Sonderregeln zur Kurzarbeit bis Ende 2021.

Weiterhin wird somit ab dem vierten Bezugsmonat das Kurzarbeitergeld von 60 auf 70 Prozent aufgestockt, bei Berufstätigen mit Kindern sogar auf 77 Prozent. Ab dem siebten Monat Kurzarbeit soll es 80 beziehungsweise 87 Prozent des Lohns geben, Minijobs bis 450 Euro bleiben anrechnungsfrei.

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