Edeka will Coronaviren in Filialen mit UV-C-Licht töten

Hamburg.  UV-C-Licht soll in einer Edeka-Filiale die Raumluft desinfizieren. Verbraucherschützer reagieren auf den Testlauf jedoch mit Skepsis.

Videografik: So wird das Coronavirus durch die Luft übertragen

Das Coronavirus wird in erster Linie über Tröpfchen beim Husten, Niesen und Sprechen von Mensch zu Mensch übertragen. Aber auch in der Atemluft kann der Erreger vorkommen.

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Supermärkte sind normalerweise keine Orte, an denen Menschen besonders geschützt werden müssen. Man kommt herein, kauft ein und geht wieder. Seit die Corona-Pandemie das öffentliche Leben fest im Griff hat, spielt der Infektionsschutz im Einzelhandel aber eine wichtige Rolle.

Die Regeln sind bekannt: Zutritt nur mit Mund-Nasen-Schutz, mindestens 1,50 Meter Abstand halten, regelmäßig lüften. In Hamburg ist in einer Edeka-Filiale jetzt zusätzlich ein Pilotprojekt mit UV-C-Licht gestartet. Betreiber Dirk-Uwe Clausen will damit die Luft in seinem Markt in Barmbek desinfizieren.

Edeka: UV-C-Licht soll Keime und Viren abtöten

Zur Vorstellung des Pilotprojekts haben die Beteiligten zu einer Video-Präsentation eingeladen. In einem Film sieht man bläulich schimmernde Geräte, die in mehr als drei Metern Höhe an der Decke und an Säulen in dem Supermarkt installiert sind. Insgesamt sind es 31 Geräte auf 1400 Quadratmetern.

„Die kontinuierlich vorbeiströmende Luft im oberen Bereich des Geschäftsraum desinfiziert die Raumluft“, sagt Verkaufsleiter Christian Goebel. Dabei machen sich die Lichtexperten zunutze, dass ultraviolette Strahlen Keime und Viren zerstören können.

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Die Luftzirkulation im Raum stelle sicher, dass sich die desinfizierte Luft mit den unteren Luftschichten vermische, wo sich Kunden und Mitarbeiter aufhalten, heißt es. Dabei sei es für die Wirksamkeit egal, wie viele Menschen sich in dem Markt befinden. Lesen Sie hier : Corona-Knigge: So meistern Sie schwierige Alltagssituationen

Strahlenbelastung angeblich unbedenklich

„Es ist eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Hygienevorschriften“, sagt Edeka-Händler Dirk-Uwe Clausen. In der Pilotphase wird er von Edeka Nord unterstützt. Die Investitionssumme beträgt mehr als 30.000 Euro, dazu kommen Kosten für Installation und Wartung.

Wegen der Strahlenbelastung seien die Geräte so abgeschirmt, dass sich Mitarbeiter und Kunden unbedenklich im Markt aufhalten könnten, heißt es. Zusätzlich sollen regelmäßige Messungen sicherzustellen, dass die Grenzwerte eingehalten werden.

Bei Edeka Nord wird die Testphase in den nächsten Wochen genau beobachtet. „Wir schauen uns an, ob der Einsatz der UV-C-Leuchten massentauglich ist“, sagt Edeka-Nord-Sprecherin Helene Dahlke. Lesen Sie hier : Aldi eröffnet größte Filiale der Welt in Nordrhein-Westfalen

Verbraucherschützen sprechen von „Placebo-Effekt“

Es gibt allerdings auch skeptische Stimmen. Zwar verweist Hersteller Signify auf Untersuchungen mit Desinfektionsraten von bis zu 99,999 Prozent. „Die Wirksamkeit der UV-C-Technologie von Signify in Bezug auf die Inaktivierung von SARS-CoV-2 auf Oberflächen wurde von der Universität Boston bestätigt“, heißt es.

Genau da sieht der Hamburger Verbraucherschützer Tristan Jorde das Problem. „Es fehlt der wissenschaftliche Beleg, dass das auch in luftdurchströmten Räumen sicher funktioniert“, sagt der Umweltexperte. Er spricht von einem „starken Placebo-Effekt“.

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Auch das Robert-Koch-Institut und das Umweltbundesamt empfehlen die neue Technologie bislang nicht zur Viren-Reduktion in Räumen. Verbraucherschützer Jorde sieht noch ein weiteres Problem: „Es muss auch langfristig gewährleistet werden, dass die UV-Strahlung so abgeschirmt ist, dass sie keine gesundheitlichen Schäden verursacht“, sagt er. Lesen Sie auch : „Stiftung Warentest“: Hier gibt es den besten Rotkohl

Edeka startet derweil noch ein weiteres Testverfahren. In einem Markt im Hamburger Stadtteil Harburg werden Luftreiniger mit Virenfiltern der Firma UlmAIR aufgestellt.

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