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So sicher sind Kinderfahrradhelme: Fünf Modelle im Test

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Die besten Helme für Kinder // IMTEST

Die besten Helme für Kinder // IMTEST

Fünf Kinder-Fahrradhelme im direkten Vergleich: Diese Modelle sehen nicht nur schick aus, sondern beugen auch schwere Kopfverletzungen vor.

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Berlin.  Kinderfahrradhelme sollen schwere Kopfverletzungen im Straßenverkehr verhindern. Fünf aktuelle Modelle zwischen 50 und 85 Euro im Test.

Ein Kind zum Tragen eines Fahrradhelms zu bewegen, ist nicht immer leicht. „Zu uncool“ oder „Stört“ sind oft die schnellen Ausreden. Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland zwar nicht, dennoch ist es mehr als ratsam, einen Kopfschutz zu tragen.

Gerade Kinder gehören zu den schwächsten Teilnehmern im Straßenverkehr. Oft kennen sie die Regeln noch nicht gut genug, unterschätzen Situationen oder werden aufgrund ihrer Größe etwa von Autofahrern einfach übersehen.

Kinderfahrradhelme zwischen 50 und 85 Euro

IMTEST, das Verbrauchermagazin der FUNKE Mediengruppe, hat fünf aktuelle Markenmodelle von Abus, Alpina, Giro, Specialized und Uvex zwischen 49,95 und 85 Euro sowohl in der Praxis als auch im Prüflabor des Tüv Süd getestet. Wie gut sie sich von Kindern tragen lassen und wie robust sie selbst starken Stürzen widerstehen, lesen Sie hier.

So sitzt der Kinderfahrradhelm richtig

Helm ist nicht gleich Helm. Besonders wichtig ist, dass er richtig passt. Er darf weder schief sitzen noch wackeln oder zu tief in den Nacken ragen. Der Helm sollte zudem die Stirn, die Schläfen und den gesamten Hinterkopf gut bedecken.

Alle Testmodelle haben eine weiche, auswechselbare Polsterung, damit nichts drückt. Mit einem kleinen Rad an der Rückseite können alle Helme individuell an den Kopf angepasst werden.

Kind beim Helmkauf mitnehmen

Die Modelle von Abus und Alpina haben darüber hinaus eine zusätzliche vertikale Größenverstellung im Inneren. Der Kinnverschluss sollte so eingestellt sein, dass gerade noch ein Finger zwischen Verschluss und Kinn passt.Da jeder Kinderkopf individuell ist, empfiehlt es sich, das Kind beim Kauf mitzunehmen.

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„Mips“: Besonders sicher durch spezielle Technologie

„Mips“ bedeutet „Multi-directional Impact Protection System“ und ist eine zusätzliche Sicherheitstechnologie, die einige Helme, wie die von Specialized und Giro, in diesem Testfeld bieten. Dabei befindet sich eine zweite, bewegliche Schale unter der Außenschale, die direkt auf dem Kopf aufliegt.

Kommt es zu einem schrägen Aufprall, wird die aufkommende Rotationskraft durch diese bewegliche Schale umgeleitet. Das soll dem Kopf zusätzlichen Schutz geben.

Tüv-Test: Bleibt der Helm bei einem Sturz am Kopf?

Die fünf Testmodelle mussten sich beim Tüv Süd vier verschiedenen Prüfungen unterziehen. Beim Abstreiftest wurde untersucht, wie gut der Helm bei einem Sturz am Kopf bleibt. Dabei liegt der Helm eng am Testkopf, aber nur so weit, dass es für den Träger oder die Trägerin immer noch bequem ist.

Das Ergebnis: Bei allen Helmen verschieben sich die Gurtbänder minimal, nur beim hlmt 4 von Uvex fällt die Verschiebung etwas größer aus. Da der Helm aufgrund seiner Konstruktion aber einen sehr großen Bereich des Kopfes abdeckt, erfüllt er ebenso wie die anderen Modelle die Anforderungen, die die Testnorm DIN EN 1078 vorgibt.

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Kinderhelme schützen bei Frontalaufprall

Bei zwei Stoßprüfungen mit erhöhter Aufprallgeschwindigkeit testete der Tüv, was bei einem frontalen und einem darauffolgenden seitlichen Crash passiert. Beim Frontalaufprall wurde sogar mit Werten, die 20 Prozent über der Norm liegen, gearbeitet.

Das heißt: Mit rund 23,4 Stundenkilometern (km/h) ließ der Tüv Süd die Helme aus 2,20 Meter Höhe auf einen Sockel aufschlagen. Erfreulich: Alle Modelle haben den Dummy-Kopf ausreichend gut geschützt.

Bei allen Helmen ist das EPS (expandiertes Polystyrol = Baumaterial des Helms) zwar sichtlich beschädigt worden, Risse sind erkennbar, aber die Helmschale ist überall unversehrt geblieben.

Nach zweitem Aufprall bleibt Helmschale unbeschädigt

Ebenso unerschütterlich wie zäh zeigten sich die bereits angeschlagenen Testkandidaten beim darauffolgenden Seitenaufprall aus knapp 1,90 Meter Höhe und einer Geschwindigkeit von 21,6 km/h.

Das Ergebnis: Bei allen Kandidaten bricht das EPS, aber die Helmschale ist immer noch unbeschädigt.

Bis auf das Modell von Abus bleiben alle Helme beim erneuten Schlag unter den Normvorgaben und unterbieten diese teils deutlich.

Kinnriemen der Kinderhelme hielten Stand

Beim Youn-I 2.0 von Abus sind die Reserven zwar aufgebraucht, das heißt, dass ein weiterer Stoß auf den Helm gefährlich für den Kopf wäre. Dennoch wurde auch beim Abus die Norm erfüllt.

In einer letzten Prüfung testete der Tüv Süd, wie sich der Kinnriemen nach einer ruckartigen Belastung verhält – also, ob er reißt oder sich dehnt. Aber auch hier glänzten alle Kandidaten mit guten Werten.

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Fazit: Alle Modelle überzeugen beim Tüv Süd

Wer unter diesen fünf Helmen ein Modell für sein Kind sucht, liegt goldrichtig.

Alle überzeugen mit guten Ergebnissen beim Tüv Süd. Oft sind es nur Nuancen, die hier den Unterschied machen – wie etwa ein vorhandenes Licht oder die Art der Bedienung.

1. Platz

Shuffle Child Led – Specialized

  • Preis: 50 Euro
  • Helm in sportlichem Design, Mips-Technologie und entnehmbarem Licht an der Rückseite des Helms.
  • + Bestes Testergebnis und dazu noch mit der beste Preis.
  • – Mit 325 Gramm Gewicht der schwerste Helm unter allen.
  • Ergebnis: gut 2,1

2. Platz

Pico Splash – Alpina

  • Preis: 49,95 Euro
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In drei knalligen Farben verfügbar, ist er allein deswegen ein echter Hingucker.
  • + Mit 233 Gramm der leichtest Helm unter den Testkandidaten.
  • – Verpackung: Plastik und Pappkarton sind zu viel.
  • Ergebnis: gut 2,2

2. Platz

Youn-I 2.0 – Abus

  • Preis: 59,95 Euro
  • Großes, hoch angebrachtes LED-Licht sorgt für 180-Grad-Sichtbarkeit, wenn es dunkel und nebelig ist.
  • + Möglichkeit, den Helm vertikal auf die Kopfgröße einzustellen.
  • – Nach zwei simulierten Unfällen sind die Reserven aufgebraucht.
  • Ergebnis: gut 2,2

3. Platz

hlmt 4 – Uvex

  • Preis: 59,95 Euro
  • Ein cooler Helm, der nicht nur nach Fahrradfahren aussieht. Passt auch perfekt zu kleinen Skateboardern oder Inlinerskatern.
  • + Durch die runde Form liegt der Kopf gut und sicher im Helm.
  • – Beim Abstreiftest hohe Verschiebung am Gurtverteiler.
  • Ergebnis: gut 2,5

3. Platz

Tremor Child – Giro

  • Preis: 85 Euro
  • Ob Sonne, Wolken oder Regen – bei Bedarf liefert der abnehmbare Helmschirm Schutz bei jedem Wetter.
  • + Die tiefe und breite Rückseite schützt den Hinterkopf sehr gut.
  • – Verstellschienen im Helm wirken sehr locker.
  • Ergebnis: gut 2,5

Dieser Artikel erschien zuerst auf abendblatt.de.