Technik

Bezahlen mit Handy oder Smartwatch: So einfach geht’s

| Lesedauer: 6 Minuten
Smartphone statt Portemonnaie // IMTEST

Smartphone statt Portemonnaie // IMTEST

Das Smartphone hat schon einiges verdrängt: MP3-Player, Kamera, Navi – und immer ofter auch als Geldbörse. IMTEST zeigt, wie es funktioniert.

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Berlin.  Das Smartphone kann im Laden, Café oder Supermarkt längst die Geldbörse ersetzen. So einfach funktionieren Apple Pay und Google Pay.

Lange Schlangen an der Kasse oder die Geldbörse zuhause vergessen? Kein Problem: Denn man kann inzwischen auch einfach mal mobil bezahlen und statt die Giro- oder Kreditkarte das Handy ans Lesegerät halten. Die Möglichkeit, im Laden oder an der Supermarktkasse mit Smartphone oder Smartwatch zu bezahlen, nennt sich „Mobile Payment“.

Doch es gibt noch ein paar Hürden. IMTEST, das Verbrauchermagazin der FUNKE Mediengruppe, zeigt, worauf Nutzerinnen und Nutzer achten sollten und wie die Technik funktioniert.

Mobiles Bezahlen: Die Vorteile

  • Praktisch: Genau wie beim kontaktlosen Bezahlen per Girokarte lässt sich der Bezahlvorgang viel schneller abwickeln als mit herkömmlichen Chip- oder Magnetstreifenkarten oder gar Bargeld.
  • Sicher: Wenn das Portemonnaie verloren geht, ist das Geld in aller Regel futsch. Beim Handy reicht ein Anruf beim Mobilfunkanbieter und das Gerät ist sofort gesperrt. „Digitales“ Geld kann darüber hinaus nicht verloren gehen.
  • Kontrolle: Anhand detaillierter Abrechnungen lassen sich alle Ausgaben genau kontrollieren, es gibt kein Wechselgeld mehr, bei dem man genauer hinschauen müsste, und Angst vor Falschgeld ist auch nicht mehr nötig.

Mobile Payment: Fünf Herausforderungen

Dass das Bezahlen per Handy hierzulande noch eher die Ausnahme als die Regel darstellt, liegt vor allem daran:

  • Gewohnheit: Girokarte und Bargeld sind vertraute und etablierte Zahlungsmittel. Außerdem bleibt die Frage: Wohin mit Personalausweis, Führerschein & Co.? Der Verzicht auf Portemonnaie oder Brieftasche bleibt darum meist Theorie.
  • Unübersichtlich: Noch fehlt ein einheitliches System für alle mobilen Zahlungsdienstleister. Jeder Anbieter kocht sein eigenes Süppchen und für einige Dienste muss man sich neu anmelden.
  • Technische Probleme: Wenn der Akku schlappmacht, lässt sich nicht mehr bezahlen – und hat das Kassensystem im Laden ein Problem, geht auch nichts.
  • Datenschutz: Experten warnen, dass man durch die digitale Bezahlung zum „gläsernen Kunden“ wird. Denn wie bei der Girokarte löst jeder Bezahlvorgang eine Datenerhebung aus. So ist es möglich, das persönliche Kaufverhalten zu analysieren.
  • Teuer: Einige Banken und Sparkassen erheben bis zu 80 Cent Gebühren pro Handy-Bezahlvorgang. Das sollte man vor der Nutzung bei der Bank erfragen.

Bezahlen mit dem Smartphone dank NFC-Chip: So funktioniert’s

Damit das Handy als digitale Geldbörse taugt, muss der Nutzer Zahlungsdaten wie Bank- oder Paypal-Konto oder Kreditkartennummern im Handy hinterlegen. Diese Infos überträgt das Handy dann etwa über die Nahfunktechnik NFC an die Kasse. Fast alle modernen Smartphones haben inzwischen NFC-Chips eingebaut. Der Kunde muss es nur vor ein Lesegerät halten, schon wird der Bezahlvorgang ausgeführt und das Geld abgebucht. Einfacher geht es kaum.

Bezahlen mit dem iPhone

Halten Sie Ihr iPhone an das Kartenlesegerät an der Kasse. Statt PIN-Eingabe oder Unterschrift kommt zur Legitimation die Touch-ID (Fingerscan) beziehungsweise bei neueren iPhones die Face-ID (Gesichtsscan) zum Einsatz. Eine Internetverbindung ist nicht nötig. Erscheint auf dem Bildschirm die Meldung „Fertig“ sowie ein Häkchen, erfolgt die Abbuchung von Ihrem Konto automatisch.

Apple Pay einrichten

Sie benötigen ein iPhone 6 oder neuer. Falls Sie eine Apple Watch nutzen, können Sie diese ebenfalls zum Zahlen einsetzen. Neben der Sparkasse sind inzwischen nahezu alle großen Namen dabei, beispielsweise Comdirect, Commerzbank, Consorsbank, Deutsche Bank, Hypovereinsbank, ING, N26 und die Volksbanken Raiffeisenbanken. Mit Ausnahme der Sparkassen lässt sich Apple Pay aber nur mit Kreditkarten verknüpfen.

Öffnen Sie dazu auf dem iPhone die vorinstallierte App Wallet. Es erscheint entweder die Aufforderung, eine Karte hinzuzufügen. Oder Sie tippen auf das Pluszeichen und „Fortfahren“. Im nächsten Schritt wählen Sie dann Ihre Bank beziehungsweise den Kartenanbieter. Folgen Sie weiter den Anweisungen.

Bezahlen mit dem Android-Smartphone

Fragen Sie an der Kasse nach Kartenzahlung, entsperren Sie Ihr An­droid-Smartphone (wahlweise per PIN, Finger- oder Gesichtsscan, Passwort oder Muster) und halten Sie die Rückseite an das Lesegerät der Kasse. Die Google-Pay-App müssen Sie nicht extra starten.

Bei Beträgen unter 25 Euro erfolgt das ohne PIN-Eingabe, nur bei höheren Summen müssen Sie die Geheimnummer eintippen, die Sie in der Google-Pay-App hinterlegt haben.

Google Pay für Android einrichten

Sie benötigen ein Smartphone mit Android 5 oder höher. Darüber hinaus muss die Funktechnik NFC an Bord sein. Ob das der Fall ist, können Sie in den Einstellungen im Untermenü „Verbindungen“ überprüfen. Bei neueren Geräten ist das fast immer der Fall. Inzwischen unterstützen auch die meisten Banken Google Pay. Dazu benötigen Sie allerdings eine Kreditkarte.

Aber auch Paypal lässt sich mit Google Pay verknüpfen. Laden Sie die Google-Pay-App aus dem Google-Play-Store. Starten Sie die App, melden Sie sich mit Ihren Anmeldedaten im Google-Konto an und entscheiden Sie sich für eine Zahlungsmethode. Folgen Sie dann den Anweisungen.

Fazit: Bezahlen mit dem Smartphone wird immer beliebter

Bezahlen per Smartphone wird sich weiter durchsetzen. Schon heute ist Mobile Payment fast überall möglich. Und die Beliebtheit steigt: Fast jeder Fünfte (18 Prozent) bezahlt an der Kasse mittlerweile auch mal mit dem Smartphone. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Bundesverbandes deutscher Banken aus dem Februar.

Als Gründe dafür gaben die Befragten neben der einfachen, schnellen Handhabung (83 Prozent) auch eine „bessere Hygiene“ (34 Prozent) sowie eine „höhere Sicherheit“ (16 Prozent) an. Per Smartwatch bezahlen der Umfrage zufolge dagegen bislang erst rund vier Prozent der Befragten.

Spätestens wenn sich auch Führerschein und Ausweis aufs Handy laden lassen, wird es eng fürs Portemonnaie.