XXL-Format trotz Corona: Saisonstart für Eisenbichler & Co.

Wisla  Die Schanzen liegen oft mitten im Grünen, die Ränge werden in diesem Winter meist leer sein: Skispringer Markus Eisenbichler und seine Kollegen erwartet eine ganz spezielle Saison. Die Corona-Krise sorgt für eine noch dichtere Taktung an Highlights.

Startet mit den DSV-Team in die Skisprung-Saison: Markus Eisenbichler.

Startet mit den DSV-Team in die Skisprung-Saison: Markus Eisenbichler.

Foto: dpa

Zwei Weltmeisterschaften, zehn Länder und 21 angepeilte Reiseziele: Die Skisprung-Szene und der Weltverband Fis wollen auch in Zeiten der Pandemie am üblichen XXL-Programm festhalten und den vollen Winterkalender von November bis März durchziehen.

Was für das deutsche Team um Markus Eisenbichler diverse sportliche Chancen auf Gold, Geld und Triumphe ermöglicht, wird für die Fis zu einer gigantischen Herausforderung. Ab Freitag (18.00 Uhr/Eurosport) suchen die Verantwortlichen nicht nur neue Tournee-Sieger und Weltmeister. Nein, sie müssen auch eine logistische Meisterleistung erbringen, um das internationale Feld gesund durch den Winter zu bringen.

Bundestrainer Stefan Horngacher ist mit den Corona-Vorbereitungen der Fis um den neuen Renndirektor und Walter-Hofer-Nachfolger Sandro Pertile zufrieden. "In der ersten Phase reisen wir nach Wisla, Finnland (Charterflug), Russland (Charterflug), da sind wir in der eigenen Sportler-Blase unterwegs mit vielen Tests. Ein gut konzipiertes Prozedere", beschrieb Horngacher. Das Ziel: Möglichst wenig Außenkontakt, möglichst feste Gruppen. "Dadurch sind immer die gleichen Leute im Flieger und im Hotel zusammen. Da ist die Chance sehr, sehr groß, dass das funktioniert", erklärte der Coach.

Als die Pandemie im Frühjahr die laufende Saison noch vor der Skiflug-WM in Planica abrupt beendet hatte, konnten Eisenbichler und Co. noch vage hoffen, dass acht Monate Pause reichen, um Corona hinter sich zu lassen. Doch weit gefehlt: Statt vollen Arenen erwarten die Sportler in diesem Winter zahlreiche Geisterwettkämpfe. Das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wird derzeit vor leeren Rängen geplant. Grüne Hänge, wie sie wegen warmer Temperaturen an diesem Wochenende beim Auftakt in Wisla zu sehen sein werden, dürften die Stimmung im Skisprung-Lager ebenfalls nicht verbessern.

In Oberstdorf rechnen sie bei der Vierschanzentournee Ende Dezember sowie bei der Nordischen Ski-WM zwar noch mit bis zu 2500 Zuschauern. Längst wird aber auch über Alternativen nachgedacht, falls Bund und Länder weiter Sportevents mit Publikum untersagen. "Wir haben uns auch mit dem Thema Geister-WM beschäftigt. Keiner wünscht sich das. Wir sehen das aber als eine Eventualität, die auf uns zukommen könnte", sagte Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz mit Blick auf die Titelkämpfe im Allgäu (23. Februar bis 7. März).

Klappt die Corona-Logistik wie gewünscht, haben der bestens aufgelegte deutsche Meister Eisenbichler und sein Zimmerkollege Karl Geiger einige Chancen, sportlich abzuräumen. Die im Frühjahr abgesagte Skiflug-WM in Planica wird im Dezember nachgeholt, danach warten die Tournee, weitere Heimweltcups und die WM in Oberstdorf. "Wir wollen gut sein. Bei der Skiflug-WM gibt's Medaillen, die Tournee ist traditionell einer der wichtigsten Termine im Winter. Die Heim-WM hat den höchsten Stellenwert", sagt Horngacher.

Erklärend fügt der Tiroler an: "Wir versuchen, immer so zu trainieren, dass wir den ganzen Winter 90 Prozent fahren und dann zu den speziellen Anlässen auf 100 Prozent zulegen können." Dieser punktgenau geplante Formaufbau klappt beim Skispringen natürlich nicht so wie in Ausdauerdisziplinen. Die zurückliegenden Erfolge der Deutschen, die mit Eisenbichler (Weltmeister 2019) und Rückkehrer Andreas Wellinger (Olympiasieger 2018) große Einzelsiege bejubeln durften, deuten aber trotzdem darauf hin, wie akribisch und effektiv die DSV-Adler auf feste Ziele hinarbeiten können.

Hinter den fest als Leistungsträgern eingeplanten Eisenbichler und Geiger sind im Aufgebot allerdings viele Fragen unbeantwortet. Routinier Severin Freund und der nach einem Kreuzbandriss genesene Wellinger zählen zwar zum Team, gelten aber zum Start erst einmal als Außenseiter. Richard Freitag schaffte es nicht in den Kader, obwohl in Stephan Leyhe ein gesetzter Athlet verletzungsbedingt passen muss. Hoffnung für eine positive Überraschung macht Horngacher, dass in den vergangenen fünf Jahren jeweils ein anderer Springer (Freund, Wellinger, Freitag, Eisenbichler, Geiger) zum besten Deutschen wurde.

© dpa-infocom, dpa:201119-99-387824/2

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder