Hochwasser: Landkreis Goslar ruft Katastrophenalarm aus

Goslar  Die Goslarer Innenstadt wird immer stärker überflutet. In der Gemeinde Bad Grund ist die Markau über die Ufer getreten.

Während der Altkreis Osterode von dem schweren Unwetter der vergangenen beiden Tage weitgehend verschont geblieben ist und keine schwerwiegenden Schäden zu beklagen waren, hatte sich die Lage im Nordharz aufgrund der anhaltenden Regenfälle dramatisch zugespitzt: Die Goslarer Innenstadt wurde überflutet, Gebäude musten evakuiert werden. Der Landkreis Goslar löste Katastrophenalarm aus. Auch Bad Harzburg und der Raum Rhüden waren von Überflutungen betroffen.

Am Mittwochmorgen sammelte sich die Schnelleinsatzgruppe des DRK-Kreisverbandes Osterode in Lasfelde, um sich in Richtung Goslar in Bewegung zu setzen und dort die Rettungskräfte zu unterstützen. In Herzberg versammelte Kreisbrandmeister Volker Keilholz die Feuerwehren, um Unterstützung in Hildesheim zu leisten, wo die Situation am Mittwoch ebenfalls dramatisch war. Mit 21 Fahrzeugen und 140 Einsatzkräften machte sich die Kreisfeuerwehrbereitschaft Göttingen in der Nacht auf den Weg nach Hildesheim. „Wir haben die Einsatzkräfte aus allen vier Abschnitten zusammengestellt, damit wir auch vor Ort noch einsatzfähig bleiben“, berichtete Kreisrätin Marlies Dornieden, die sich mit Landrat Bernhard Reuter noch in der Nacht vor Ort über die Lage im Kreisgebiet informierte.

Besonders betroffen waren im Landkreis die Orte Duderstadt-Westerode und Gittelde. Die Markau in Gittelde war über die Ufer getreten (Foto oben). Unter anderem waren der Edeka-Supermarkt und die Firma Obermann davon betroffen. Randvoll war das sonst so beschauliche Flüsschen, das sich im Bereich der Brücke bei der Firma Obermann in Teichhütte zu einem reißenden Fluss mit Wasserfall entwickelt hatte. Teile des Obermann-Geländes standen unter Wasser, wie auch die angrenzenden Gärten und auch einige Keller in Richtung Gittelde an der Thüringer Straße. Auch der Sportplatz in Gittelde war von den Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen worden, wo die Freiwillige Feuerwehr aus Willensen Wasser abpumpte und einen Stromkasten in der Ostlandstraße mit Sandsäcken gesichert hatte.

Beim Einkaufszentrum in Teichhütte war das Rückhaltebecken übergelaufen, sodass Teile des Parkplatzes gesperrt werden mussten. Ebenso führt das Schlungwasser in Richtung Eisdorf sehr viel Wasser. Die Ortsdurchfahrt von Teichhütte nach Gittelde musste gesperrt werden.

In Windhausen habe man den Schlungbach im Auge und auch in Bad Grund habe man alles im Blick, berichtete Harald Dietzmann, Bürgermeister der Gemeinde Bad Grund. Sorgen bereite in Badenhausen der Sülpkebach und in Eisdorf die Söse. Die Situation in Gittelde sei bitter, so Dietzmann: „Das habe ich persönlich so noch nicht erlebt“. Man hoffe jetzt darauf, dass sich die Lage beruhige. Aber selbst, wenn es aufhört zu regnen, dauere es noch eine ganze Weile, bis Normalität einkehrt, da das Grundwasser auch sehr hoch angestiegen ist. Dennoch könne man von Glück sagen, dass die Felder noch nicht abgeerntet sind, denn diese hätten bestimmt einen großen Teil des Regens zurückgehalten, so der Verwaltungschef.

Situation in Osterode hat sich nicht verschärft

In Osterode hatte sich die Situation seit Dienstag nicht weiter verschärft, gleichwohl war die Stadtfeuerwehr – verstärkt durch mehrere Ortswehren und auch THW-Kräfte – nach wie vor damit beschäftigt, der Wassermassen in der Kanalisation Herr zu werden. An den neuralgischen Punkten Eisensteinstraße und Marienvorstadt seien permanent Pumpen im Einsatz, berichtete der Osteroder Ortsbrandmeister Thomas Riedel.

Am Mittwoch hatte man die Einsatzstärke der Stadtwehr laut Ortsbrandmeister Thomas Riedel auf das Notwendigste heruntergefahren. Das THW aus Göttingen war zur Unterstützung in der Stadt und hatte dort die Lauterberger Kräfte abgelöst.

Das THW war am Mittwoch hauptsächlich damit beschäftigt, Wasser aus der Kanalisation in die Söse zu pumpen. An den neuralgischen Punkten Eisensteinstraße und Marienvorstadt seien permanent Pumpen im Einsatz, berichtete Riedel. Sobald die abgestellt würden, beginne das Wasser wieder anzusteigen und drohe, die Keller zu überfluten. Man erwarte nun jedoch steigende Pegelstände, wenn das Wasser aus den Flüssen des Oberharzes in der Stadt ankommt.

In der Osteroder Kläranlage musste am Dienstag eine Notfallmaßnahme ergriffen werden: Das auflaufende Abwasser wurde teilweise um die Anlage herumgeleitet, da diese es nicht mehr fassen konnte. Allein am Dienstag wurden insgesamt rund 28 000 Kubikmeter Abwasser verarbeitet, berichtete Karl-Heinz Löwe, der Sprecher der Stadt. Normal seien etwa 5 000 Kubikmeter am Tag.

Es werde jedoch nur die ankommende Abwassermenge, die die Anlage nicht verarbeiten kann, zum Schutz der Kläranlage „abgeschlagen“ und direkt in die Söse geleitet. Durch den extrem hohen Regenwasseranteil sei dieses Abwasser jedoch so stark verdünnt, dass es fast die Einleitungswerte erreiche, betonte er. Die ankommende Schmutzfracht werde außerdem zunächst in einem großen Auffangbecken gesammelt. Die Abwasserwerte würden die ganze Zeit über gemessen. Diese Notfallprozedur sei meldepflichtig und werde von der Wasserbehörde überwacht. Der letzte derartige Fall liege Jahre zurück.

In der Stadt Göttingen hatte sich die Unwetterlage in der Nacht auf Mittwoch ebenfalls entspannt: Einem Sprecher der Berufsfeuerwehr zufolge sinken die Pegelstände der Flüsse, auch die Unwetterwarnung wurde herabgestuft. Der ununterbrochene Regen hatte Leine, Rhume und viele kleine Flüsse über die Ufer treten lassen.

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