37-Jähriger soll Frauen im Südharz vergewaltigt haben

Göttingen  Ein Mann muss sich wegen Gewalt- und Sexualstraftaten in Bad Lauterberg und Herzberg vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Der Prozess wird Anfang Dezember fortgesetzt.

Foto: Swen Pförtner/dpa

Der Prozess wird Anfang Dezember fortgesetzt. Foto: Swen Pförtner/dpa

Wegen mehrerer Gewalt- und Sexualstraftaten muss sich seit Dienstag ein 37-jähriger Fertigungsmechaniker vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, im Dezember 2015 in einer Wohnung in Bad Lauterberg eine Frau mehrfach körperlich misshandelt und vergewaltigt zu haben.

Anschließend soll er sie unter massiver Gewaltanwendung daran gehindert haben, die Wohnung zu verlassen.

Anfang 2017 soll er außerdem in einem Ortsteil von Herzberg eine mit ihm zusammen lebende Frau in der gemeinsamen Wohnung gefesselt, geschlagen, misshandelt und vergewaltigt haben.

Die Tatverläufe

Die Staatsanwaltschaft hat ihn unter anderem wegen Vergewaltigung in zwei Fällen, versuchter Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung angeklagt. Außerdem wirft sie dem 37-Jährigen zweimaliges Fahren ohne Fahrerlaubnis vor. Er soll am Tag vor Heiligabend 2015 mit einem gemieteten Pkw eine Frau aus Süddeutschland abgeholt haben, obwohl ihm der Führerschein entzogen worden war.

Nach der Rückkehr in den Südharz soll er mehrfach versucht haben, die Frau gegen ihren Willen mit Schlägen zum Geschlechtsverkehr zu zwingen. Die Frau habe sich immer wieder gegen ihn gewehrt. Daraufhin soll er ihr den Mund zugehalten, einen Arm auf ihren Hals gedrückt und sie vergewaltigt haben.

Als die Frau anschließend zu flüchten versuchte, habe er sie vor der Wohnungstür ergriffen, in die Wohnung zurückgezerrt, dort zu Boden geworfen und einen Fuß auf ihren Hals gestellt, um sie am Rufen zu hindern. Eine Nachbarin hatte jedoch den Vorfall mitbekommen und die Polizei gerufen.

Zu Beginn dieses Jahres soll der Angeklagte eine andere Frau, mit der er in Herzberg zusammen lebte, mit einem Seil ans Bett gefesselt und ihr mit einem weiteren Seil auf Rücken und Gesäß geschlagen haben.

Bei einem zweiten Vorfall soll er sie mit Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Laut Anklage schlug er ihr dabei ins Gesicht und würgte sie so stark, dass ihr schwarz vor Augen wurde. Als sie um Hilfe rief, habe er „Fresse halten“ gesagt.

Erst als ein Zeuge das Zimmer betrat, habe er von der Frau abgelassen. Nach diesem Vorfall wurde der 37-Jährige festgenommen und kam in Untersuchungshaft.

Verständigungsvorschlag

Es ist bereits der zweite Prozessanlauf. Der erste Prozess war im Sommer geplatzt, weil der Vorsitzende Richter erkrankt war. Zu Beginn der Verhandlung unterbreitete die Kammer einen Verständigungsvorschlag.

Im Fall eines Geständnisses stellte sie dem Angeklagten eine Freiheitsstrafe zwischen dreieinhalb Jahren und vier Jahren in Aussicht. Das Verfahren um die Straftaten in Herzberg sollte dann im Hinblick auf die anderen Tatvorwürfe eingestellt werden, weil die betroffene Frau aufgrund einer stationären Behandlung in einer psychiatrischen Klinik auf absehbare Zeit nicht als Zeugin zur Verfügung steht.

Der Angeklagte räumte in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung die Fahrten ohne Führerschein ein. Zu den Gewalt- und Vergewaltigungsvorwürfen erklärte er, dass er sich aufgrund seiner Alkohol- und Drogenabhängigkeit an Einzelheiten nicht erinnern könne.

Der Anwalt der betroffenen Frau hat einen Antrag auf Schmerzensgeld gestellt. Seine Mandantin sei schwer traumatisiert und habe seit der Tat schon vier Suizidversuche unternommen. pid

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