Trotz Verzögerungen: Ende 2022 soll der A7-Ausbau fertig sein

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Seit dem Frühsommer 2017 wird zwischen Seesen (Kreis Goslar) und Nörten-Hardenberg (Kreis Northeim) die A7 auf einem knapp 30 Kilometer langen Abschnitt von vier auf sechs Spuren verbreitert. Nach Angaben des ADAC ist es die längste Autobahnbaustelle in Niedersachsen. Verantwortlich für den Ausbau und den späteren Betrieb ist das Konsortium Via Niedersachsen. Die Gesellschaft hatte damals den Zuschlag für den im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) betriebenen Streckenabschnitt zwischen Bockenem und Göttingen erhalten.

Ursprünglich hätte der komplette Autobahnausbau Ende dieses Jahres abgeschlossen sein sollen. Dieses Ziel konnten die Planer jedoch nicht einhalten. Neben teilweise schwierigen Bodenverhältnissen brachten auch archäologische Funde aus der Jungsteinzeit, deren Bergung rund 80 Wochen dauerte, den Zeitplan durcheinander. Außerdem kam den Autobahnbauern eine Population von Wasserfledermäusen in die Quere. Diese hatten eine der Autobahnbrücken im Bereich der Northeimer Kiesseen, die im Zuge der Verbreiterung abgerissen werden sollte, als Sommerquartier auserkoren. Deshalb mussten für sie erst drei Häuschen als Ersatzquartier gebaut werden, ehe die Brücke abgebrochen werden konnte.

Auch für andere Tiere gibt es Spezialbauten: So gehören zu den insgesamt 37 Brückenbauwerken, die im Zuge des Autobahnausbaus neu errichtet oder verbreitert werden, auch zwei Wildbrücken. Eine dieser Brücken befindet sich am Harzhorn in der Nähe eines geschichtsträchtigen Ortes. Vor rund 1.800 Jahren hatten sich in dem westlich der heutigen Autobahn gelegenen Waldstück Germanen und Römer ein heftiges Gefecht geliefert. Dass die Grünbrücke gerade dort gebaut wird, hat allerdings andere Gründe: In dieser Gegend leben Wildkatzen. Die Wildbrücke soll es den geschützten Tieren ermöglichen, bei ihren Streifzügen gefahrlos die Autobahn zu queren. Eine weitere Wildbrücke wird einige Kilometer weiter südlich gebaut, und zwar in der Nähe von Hillerse zwischen den Anschlussstellen Northeim-West und Nörten-Hardenberg. In diesem Streckenabschnitt gebe es zudem noch eine weitere Besonderheit, erläutert Via-Niedersachsen-Sprecher Steffen Schütz. Um die Vögel vor dem Fahrzeugverkehr zu schützen, werde auf einer Länge von 200 Metern eine so genannte Irritationsschutzwand errichtet.

In diesem Sommer hatte der Via-Niedersachsen-Sprecher noch angekündigt, dass der fünf Kilometer lange Bauabschnitt zwischen Seesen und dem Harzhorn bis Ende dieses Jahres fertiggestellt sein werde. Dieser Zeitplan lässt sich jedoch nicht einhalten, weil erst noch der so genannte Flüsterasphalt verlegt werden muss. Der offenporige Asphalt, der eine Lärmreduktion um bis zu fünf Dezibel bewirken soll, kann witterungsbedingt jedoch erst im Frühjahr verlegt werden. Nach der derzeitigen Planung soll der Abschnitt am nördlichen Ende der Baustelle nun im Mai 2022 unmittelbar vor dem Pfingstwochenende für den Verkehr freigegeben werden.

Auch die Arbeiten am südlichen Ende der Baustelle können nicht wie zunächst geplant bis zum Jahresende abgeschlossen werden. Der fünf Kilometer lange Abschnitt zwischen der Park- und WC-Anlage Schlochau und dem südlichen Bauende solle ebenfalls bis Pfingsten fertig sein, kündigte Schütz an. Aktuell werde in dem Bereich die Richtungsfahrbahn Kassel ausgebaut.

Bis Ende nächsten Jahres soll dann auch das 18,5 Kilometer lange Mittelstück fertig ausgebaut sein. Entgegen anders lautenden Medienberichten bleibe es bei dem vertraglich mit dem Bund vereinbarten Endtermin, erklärte der Geschäftsführer von Via Niedersachsen, Philippe Rossignol. Dieser Termin liege unverändert bei Ende 2022.

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