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Solaranlage mieten oder kaufen: Was man vorher wissen sollte

| Lesedauer: 8 Minuten
Videografik: So wird Sonnenenergie zu Strom

Videografik: So wird Sonnenenergie zu Strom

Solarenergie ist eine emissionsfreie Form der Stromerzeugung. Derzeit werden nur zwei Prozent des weltweiten Strombedarfs aus Solaranlagen gewonnen. Nach einem vom Wirtschaftsministerium organisierten Solar-Gipfel sieht die Solarindustrie die Bundesregierung mit ihren Plänen zur Förderung des Ausbaus von Photovoltaik-Anlagen auf dem richtigen Weg.

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Berlin.  Eine Solaranlage kaufen oder besser mieten – was ist der günstigste Weg zu einer PV-Anlage? Die Vor- und Nachteile lesen Sie hier.

Die Strompreise sind extrem hoch – und es ist zu bezweifeln, dass sie in absehbarer Zeit drastisch sinken werden. Vor allem langfristig ist mit weiter steigenden Energiepreisen zu rechnen. Eine Alternative zu teurem Strom sind Solarzellen auf dem Dach.

Der hohe Anschaffungspreis für Photovoltaik-Anlagen schreckt jedoch viele potenzielle Käufer ab. Eine mögliche Lösung ist das Mieten einer PV-Anlage. Hinter diesem gängigen Begriff verbergen sich jedoch sowohl unerwartete Chancen als auch Risiken, die es zu beachten gilt. Erfahren Sie hier, mit welchen Vor- und Nachteilen Sie beim Kauf oder der Pacht von Solaranlagen rechnen müssen.

Photovoltaik-Anlage kaufen: Was bedeutet das?

Wer sich für den Kauf einer Solaranlage entscheidet, muss eine beträchtliche Anfangsinvestition tätigen und sich mit der Planung und dem Betrieb der Anlage auseinandersetzen. Wartung, Versicherung und Meldepflichten liegen ebenfalls in Ihrer Verantwortung. Dafür haben Sie die volle Kontrolle über die Auswahl der installierten Komponenten, wie zum Beispiel die nachträgliche Integration einer Wärmepumpe oder eines Batteriespeichers.

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Wie viel würde eine Solaranlage im individuellen Fall kosten? Der Online-Rechner von Musterhaus in Kooperation mit der Berliner Morgenpost zeigt Ihnen die Kosten und erstellt ein unverbindliches Angebot.

Photovoltaik-Anlage mieten: Was bedeutet das?

Wenn Sie eine komplett montierte Photovoltaikanlage mieten, wird Ihnen die gesamte Anlage zur Verfügung gestellt und alle anfallenden Wartungsarbeiten werden übernommen. Sie müssen auch nicht sofort einen großen Geldbetrag aufbringen. Stattdessen zahlen Sie bei diesem Modell eine monatliche Gebühr, in der Regel zwischen 60 und 200 Euro, für einen vorher vereinbarten Zeitraum, in der Regel 20 Jahre.

Bestandteil vieler Pachtverträge ist auch die Möglichkeit, die Anlage nach Ablauf der Vertragslaufzeit kostenlos zu übernehmen. Auch der vorzeitige Kauf der Anlage und damit der Ausstieg aus dem Pachtvertrag wird häufig angeboten. Allerdings sind die Kosten in diesem Fall deutlich höher als beim direkten Kauf der Anlage.

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Hinsichtlich der Nutzung der PV-Anlage unterscheidet sich die Mietvariante in der Regel nicht von der Kaufvariante. Der erzeugte Strom kann teilweise im Haushalt genutzt und der Überschuss in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

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Kauf von PV-Anlagen – Kosten, die beim Mieten nicht anfallen

Die Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage für ein typisches Einfamilienhaus liegen zwischen 8.000 und 15.000 Euro (brutto). Der Wechselrichter schlägt mit 1.200 bis 2.500 Euro zu Buche. Für das Montagesystem sind 500 bis 1.300 Euro zu veranschlagen. Hinzu kommen Kosten für die Elektroinstallation und die Modulmontage von 1.600 bis 3.000 Euro. Schließlich fallen noch laufende Kosten in Höhe von etwa 250 Euro pro Jahr an.

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Solaranlagen pachten – Nebenkosten zusätzlich zur monatlichen Rate

Bei einer Mietanlage zahlen Sie eine monatliche Pauschale, in der Wartung, Reparatur und Reinigung bereits enthalten sind. Das Mieten einer Photovoltaikanlage erscheint daher attraktiv, wenn das Kapital für einen Kauf fehlt oder kein Photovoltaikkredit aufgenommen werden soll. Laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale vom September 2022 müssen Mieter einer PV-Anlage jedoch administrative Aufgaben wie die Abrechnung mit dem Energieversorger und zusätzlichen Aufwand bei der Steuererklärung selbst übernehmen.

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Das KfW-Förderprogramm 270 für Photovoltaik-Anlagen

Hinzu kommt: Mithilfe einer Photovoltaik-Finanzierung kann der Kauf einer Photovoltaik-Anlage in Bezug auf die monatliche Belastung manchmal günstiger sein als die Miete einer Photovoltaik-Anlage.

Besonders interessant ist der KfW-Kredit 270 mit einem effektiven Jahreszins von 4,15 Prozent (Stand 03.04.23). Den KfW-Kredit 270 kann grundsätzlich jeder in Anspruch nehmen, der eine Photovoltaikanlage kauft und installieren lässt. Zur Photovoltaikanlage gehörende Batteriespeicher können mitfinanziert werden. Ab 2020 sind auch gebrauchte Anlagen, die gekauft oder erweitert werden, förderfähig.

Der Antrag muss lediglich vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Gebrauchte Anlagen sind nicht förderfähig. Eine Ausnahme besteht, wenn Sie eine gebrauchte Anlage erwerben, die bisher noch nicht von der KfW gefördert wurde, und sofort eine Modernisierung mit Leistungssteigerung durchführen. Außerdem, wenn Sie eine Anlage erwerben, die nicht länger als 12 Monate am Netz ist.

Bundesland Förderprogramm Art der Förderung Höhe der Förderung
Berlin SolarPlus Erstellung eines Gutachtens, Beteiligung an den Mehrkosten gegenüber einer Standard-PV-Anlage Bis zu 300 Euro pro kWh (maximal 15.000 Euro)
Mecklenburg-Vorpommern durch: Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern Zuschuss für den Kauf und die Installation einer steckerfertigen Mini-Solaranlage (nach dem 07.10.2022) Bis zu 500 Euro pro PV-Anlage und Wohnungseinheit
Nordrhein-Westfalen progres.nrw Förderung von thermischen Solaranlagen für die Gebäudeversorgung 90 Euro pro Quadratmeter Bruttokollektorfläche
Schleswig-Holstein durch: Bezirksregierung Arnsberg Förderung von Solarkollektoranlagen, Anschluss an Wärmenetze, Förderung für steckerfertige Balkonanlagen, Förderung für stationäre Batteriespeichersysteme (voraussichtlich ab Sommer 2023) Bis zu 900 Euro für Solarthermie-Anlagen, bis zu 500 Euro für Installations- und Anschlusskosten
Bayern 10.000-Häuser-Programm Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 500 Euro für Photovoltaikanlagen und bis zu 3.200 Euro für Batteriespeicher
Baden-Württemberg Solaroffensive Baden-Württemberg Zuschuss für Photovoltaikanlagen Bis zu 30% der Investitionskosten
Hessen Hessische Energiespar-Aktion Zuschuss für die Installation von Solarkollektoren Bis zu 40% der Investitionskosten
Sachsen SAB Förderung Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 50% der Investitionskosten
Niedersachsen NBank Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Rheinland-Pfalz nergieagentur Rheinland-Pfalz Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 50% der Investitionskosten
Thüringen Thüringer Aufbaubank Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Sachsen-Anhalt Investitionsbank Sachsen-Anhalt Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Saarland SaarLB Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Brandenburg ILB Brandenburg Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Bremen Bremer Aufbau-Bank Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten
Hamburg IFB Hamburg Zuschuss für Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher Bis zu 30% der Investitionskosten

Bitte beachten Sie, dass sich die Förderprogramme und -höhen jährlich ändern können. Es ist immer ratsam, die aktuellen Informationen auf den offiziellen Websites der Bundesländer oder Förderinstitute zu überprüfen. Auch können einige Bundesländer regionale oder spezielle Förderprogramme für PV-Anlagen haben, die in der Tabelle nicht aufgeführt sind. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Weitere Einsparungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz für PV-Anlagen

Mit den Neuerungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2023) besteht bei einer eigenen Anlage zudem die Möglichkeit, jährlich zwischen dem Eigenverbrauch mit der nun besser vergüteten Überschusseinspeisung und der Volleinspeisung zu wechseln. In beiden Fällen profitieren Sie von den Einsparungen durch den Verbrauch des selbst erzeugten Stroms und von der Erhöhung Ihrer Eigenversorgung.

Beachten Sie aber, dass Sie ohne Stromspeicher in der Regel nur einen Eigenverbrauchsanteil von etwa 30 Prozent erreichen, mit Speicher steigt dieser Anteil auf etwa 60 bis 80 Prozent. Die Anschaffungskosten für einen 6 kWh-Speicher liegen bei etwa 8.300 Euro, sind aber förderfähig, sodass sich ein erhebliches Einsparpotenzial ergibt.

Diese Einsparung kann auch mit dem Mietmodell erreicht werden, bei dem eine Solaranlage mit Speicher gemietet wird. In diesem Fall wird der Speicher vom Anbieter zusätzlich zur monatlichen Miete berechnet.

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Fazit: Für wen lohnt sich eine Solar-Pachtanlage?

Eine Solaranlage zu mieten, kann Vorteile haben: Sie müssen keine hohen Investitionskosten tragen und können trotzdem von den Vorteilen der Technik profitieren. Für eine monatliche Miete nutzen Sie klimaneutral erzeugten Strom und Sie sparen sich den Zukauf von Netzstrom.

Auch der geringe Aufwand hat seinen Reiz: Sie müssen weder Komponenten auswählen, noch sich um Installation, Wartung und Austausch kümmern. Diese Aufgaben übernimmt der Vermieter der Anlage.

Allerdings gibt es auch einige Nachteile, die beim Mieten einer Solaranlage nicht wegdiskutiert werden können: Sie sind für etwa 20 Jahre an den Anlagenvermieter gebunden und müssen die monatliche Miete zahlen. Die gestiegenen Preise durch die Inflation haben zudem dazu geführt, dass sich private PV-Anlagen erst zu einem späteren Zeitpunkt rentieren, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Einzig Mietverträge, welche die Übernahme der gemieteten PV-Anlage nach 20 Jahren ohne weitere oder nur gegen symbolische Kosten vorsehen, sind hier empfehlenswert.

Sofern das Kapital vorhanden oder eine Finanzierung möglich ist, ist der Kauf einer Anlage in vielen Fällen die langfristig lukrativere Variante. Wobei die Kosten für Wartung, Reparatur und Versicherung zum Kaufpreis hinzugerechnet werden müssen. Diese sind bei der Miete einer Photovoltaikanlage bereits in den monatlichen Kosten enthalten. Die Kosten für die Miete einer Solaranlage sind daher besser zu kalkulieren.

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Alle Vor- und Nachteile von Kauf und Pacht von Solaranlagen aufgelistet:

Vorteile des Kaufs einer Solaranlage:

  • Volle Kontrolle über Auswahl und Integration der Komponenten
  • Nachrüstbarkeit von Komponenten wie etwa Wärmepumpe, Batteriespeicher

Nachteile des Kaufs einer Solaranlage:

  • Hohe Anfangsinvestition erforderlich
  • Verantwortung für Planung, Betrieb, Wartung, Versicherung und Meldepflichten

Vorteile des Mietmodells für Solaranlagen:

  • Keine große Geldsumme sofort erforderlich
  • Anbieter kümmern sich um Installation, Wartung und bieten Versicherungsleistungen an

Nachteile des Mietmodells für Solaranlagen:

  • Mietvertrag geht bei Verkauf oder Vererbung des Hauses auf den neuen Eigentümer über
  • Mietvertrag kann nur vorzeitig gekündigt werden, wenn die Anlage zum vereinbarten Restwert gekauft wird
  • Insgesamt höhere Kosten durch zusätzliche Leistungen wie Speicheraustausch und Wartungskosten

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