Warentest

Digital und per Funk – Das sind die besten Festnetztelefone

| Lesedauer: 5 Minuten
Festnetztelefon: Dank digitaler Technik und Flatrate-Tarifen immer noch attraktiv.

Festnetztelefon: Dank digitaler Technik und Flatrate-Tarifen immer noch attraktiv.

Foto: istock / iStock

Berlin.  Das Festnetztelefon ist noch lange nicht tot. Inzwischen ist es weiträumig nutzbar. Wir haben fünf Geräte getestet. Das ist der Sieger.

Festnetzanschluss – das klingt in Zeiten von Smartphone und Co. irgendwie nach Technik aus längst vergangenen Tagen, in denen Fernsprechen noch das Monopol der Post war. Und doch hat das klassische Telefon zu Hause eine Daseinsberechtigung: „Warte kurz, ich ruf dich schnell auf dem Festnetz an“ – das ist das Patentrezept bei schlechtem Handyempfang, was häufiger passiert, als man sich wünscht.

Auch die zu DSL-Verträgen gehörenden Flatrates lassen das gute, alte Telefon weiter attraktiv bleiben. Und das überträgt natürlich inzwischen digital und ist mit dem Funkstandard DECT in Haus und Garten weiträumig nutzbar. IMTEST, das Verbrauchermagazin der FUNKE Mediengruppe, hat fünf aktuelle Modelle getestet.

Telefonie ist Kernkompetenz

Durchweg alle Kandidaten sind sehr einfach in Betrieb zu nehmen: Man schließt die jeweilige Basis an die Stromversorgung und die Telefondose (in der Regel am Router) an, legt die immer mitgelieferten Akkus ins Mobilteil, lädt es eventuell noch kurz auf, und dann melden sich alle Geräte an der jeweiligen Basis an. Einzige Ausnahme ist hier das Fritzfon in Kombination mit der Fritzbox, die erst in den Anmelde-Modus versetzt werden muss. Beim Gigaset sind zwei Netzteile nötig, weil Basis und Ladeschale voneinander getrennt sind.

In Sachen Reichweite reizen alle Geräte aus, was der DECT-Funkstandard hergibt. Im Klartext bedeutet das, dass bei Holzdecken Telefonie über etwa zwei Etagen möglich ist. Die Sprachqualität ist bei den Telefonen von AVM (Fritzfon, ca. 76 Euro), der Telekom (Sinus A32, ca. 60 Euro) und Philips (D6351B, ca. 60 Euro) gut, bei Panasonic (KX-TGH720, ca. 60 Euro) und Gigaset (SL450A Go, ca. 135 Euro) fällt sie ein wenig ab. Das Panasonic klingt etwas blechern, das Gigaset rauscht etwas. Trotzdem bleibt ein Gespräch jederzeit gut verständlich.

Richtig ist aber auch, dass die Sprachqualität gegenüber dem abfällt, was theoretisch auf Basis der Wlan-Standards 5 oder 6 möglich wäre. Den Unterschied merkt man, wenn man zum Vergleich ein aktuelles Smartphone – im Test das Google Pixel 6 – mit der Telefonie-App von AVM an der Fritzbox verwendet: So einen vollen, klaren Klang schafft auch das hauseigene DECT-Telefon nicht. Allerdings gilt das nicht pauschal. Zwar hat DECT eine erheblich geringere Datenrate als nahezu jeder Wlan-Standard, aber dafür ist die Verbindung stabiler. Erst neue Wlan-Technik mit mehreren Datenströmen bietet vergleichbare Zuverlässigkeit.

Lesen Sie auch: So prüfe ich das Tempo meines Internets

Router als DECT-Basis

Wie schon erwähnt kommen mit Ausnahme des Fritzfons alle anderen Geräte mit eigener Basis, die per Stecker an die entsprechende Buchse am Router angeschlossen wird. Über mindestens eine dieser Buchsen verfügen eigentlich alle Router, die man vom Provider zur Verfügung gestellt bekommt. Auch die Fritzbox selbst oder der Speedport-Router der Telekom ist für den Anschluss mindestens eines analogen Telefons vorgesehen.

Richtig spannend wird es aber, wenn diese Router auch noch eine DECT-Basis integriert haben, was bei eben jenen Genannten der Fall ist. Das ist auch der Grund, warum das Fritzfon ohne Basis ausgeliefert wird. Das AVM-Gerät ist entsprechend auch besonders auf die Funktionen der Fritzbox abgestimmt, kann etwa als Mediaplayer oder zum Steuern der AVM-Smarthome-Geräte genutzt werden.

Auch interessant: Welcher Wlan-Router sorgt für flüssiges Internet?

Dazu ist naturgemäß kein anderes Mobilteil in der Lage, aber dank des Signalstandards GAP („Generic Access Profile“) lassen sich alle zumindest an der Fritzbox anmelden und zum Telefonieren nutzen. Das Gigaset kann zudem auch auf das zentrale Telefonbuch des Routers sowie auf dessen Anrufbeantworter zurückgreifen.

Das sind die Zusatzfunktionen

In Sachen Ausstattung ist mit Abstand das Gigaset führend. Allein schon deshalb, weil es optional auch als Gerät fürs Telefonieren via Internet (VoIP) genutzt werden kann. Aber auch, weil es den Funkstandard Bluetooth bietet, um Daten kabellos zu übertragen oder ein Headset zu nutzen. Kabelbasierte Headsets funktionieren aber auch – genau wie beim Fritzfon und beim Sinus. Was dann aber wiederum alle Geräte bieten, ist die Babyfon-Funktion. Auch wecken lassen kann man sich mit jedem Gerät. Lesen Sie auch: AirTags und Co.: Diese Anhänger orten Hab und Gut

Wer ist Testsieger – das Fazit

Auf dem Siegerpodest landet mit dem Gigaset das teuerste Telefon. Die Investition ist vor allem dann sinnvoll, wenn man ein leistungs- und zukunftsfähiges Gerät vor allem fürs Heimbüro benötigt. Fast gleichauf ist das Fritzfon C6, das aber eben eine Fritzbox benötigt, um sein Potenzial ausschöpfen zu können. Dann allerdings ist es eine gute Wahl. Das Telekom-Gerät Sinus A32 hat noch andere Qualitäten: Mit seinen großen und den vier Direktwahl-Tasten ist das Gerät für ältere Menschen oder als Werkstatt-Telefon eine Überlegung wert.