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Hitze: So erkennen Sie Sonnenstich, Hitzschlag und Co.

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Hitzewelle: So gefährlich ist die Wärme für den Körper wirklich

Hitzewelle- So gefährlich ist die Wärme für den Körper wirklich

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Berlin.  Bei Hitze ist der Körper im Ausnahmezustand. Wie Sie gegen Herz-Kreislauf-Beschwerden, Sonnenstich und Hitzschlag vorgehen können.

  • Besonders ältere und sehr junge Menschen sind oft hitzeempfindlich
  • Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinwirkung auf Kopf und Nacken
  • Hitzeerschöpfung und Hitzschlag betreffen hingegen den ganzen Körper

Der Klimawandel sorgt dafür, dass es in Deutschland im Sommer immer heißer wird. Teilweise werden Temperaturen über 40 Grad erreicht. Ist es so heiß, steigt die Zahl der hitzebedingten Erkrankungen deutlich: "Das fängt an bei einfachen Störungen, die der- oder diejenige gar nicht wahrnimmt und reicht vom Sonnenstich über eine Hitzeerschöpfung bis hin zum Hitzschlag – ein wirkliches Notfallpro­blem", erklärt Uwe Janssens, ehemaliger Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Extreme Hitze: Ältere Menschen sind besonders gefährdet

Zudem gebe es durch den häufigen Flüssigkeitsmangel bei Hitze mehr Kreislaufprobleme, Schlaganfälle und Herzinfarkte, ergänzt Rainer Wirth, Inhaber des Lehrstuhls für Geriatrie an der Ruhr-Universität Bochum und Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marien Hospital Herne. "Also all die Dinge, die mit Durchblutung von Geweben zu tun haben, die sehr viel Blut brauchen", so Wirth.

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Als Hauptrisikogruppe gelten hier zum einen ältere Menschen. Das hat gleich mehrere Gründe: Sie sind durch chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Probleme oft vorbelastet. Sie haben ein herabgesetztes Durstempfinden und sind dadurch von Hause aus leicht dehydriert, weshalb sich der Flüssigkeitsverlust bei Hitze noch schneller negativ bemerkbar macht.

Sie leben häufiger alleine, sind sozial isoliert. Was sehr häufig vernachlässigt werde sei die durch viele Altersveränderungen bedingte besondere Verletzbarkeit, ergänzt Wirth. Dadurch seien Senioren per se empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen.

Kinder können die Körpertemperatur noch nicht ausreichend regulieren

Die zweite große Risikogruppe sind Säuglinge und Kleinkinder. "Wenn man da nicht genau aufpasst und sie vor Hitze und Sonneneinstrahlung schützt, laufen die Kleinen Gefahr, wirklich ernsthafte Schäden davonzutragen", so Hermann Josef Kahl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.

"Wenn man sich mit ihnen in eine heiße Umgebung begibt", erklärt Ex-DIVI-Präsident Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, "dann steigt durch die Hitzeeinwirkung wie bei jedem Menschen die Körperkerntemperatur." Normalerweise werde diese dann durch das Schwitzen wieder nach unten reguliert. Genau das sei den Kleinen aber schlicht noch nicht ausreichend möglich.

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"Und dann haben wir noch die leider wirklich große Gruppe an Menschen, die einfach meint, sie müsse sich trotz Hitze sehr stark belasten", so Janssens, "sich beispielsweise sportlich betätigen und das im schlimmsten Fall zur besten Tageszeit zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht."

Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Doch was sind Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag eigentlich genau? Der Sonnenstich ist eine Reizung der Hirnhaut und entsteht durch direkte Sonneneinwirkung auf Kopf und Nacken. "Er äußert sich durch Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel", erklärt Janssens. Im Extremfall könne es sogar zu neurologischen Problemen, beispielsweise durch ein Hirnödem, kommen.

"Ganz wichtig ist, dass man die Patienten sofort aus der Sonne nimmt, in kühle Räume bringt, den Kopf hoch lagert, damit der Hirndruck nicht weiter steigt", so Janssens, "und Stirn und Nacken mit kühlen feuchten Wickeln oder Eisbeuteln versorgt." Zeige ein Patient neurologische Auffälligkeiten, sollte unbedingt der Notarzt gerufen werden, so der Ratschlag.

Anders als der Sonnenstich sind Hitzeerschöpfung und Hitzschlag nicht primär auf den Kopf beschränkt, sondern betreffen den ganzen Körper. Außerdem treten diese unabhängig von direkter Sonneneinstrahlung auf, sondern hängen mit der Umgebungstemperatur zusammen. Auch in aufgeheizten Wohnungen könne es zu Hitzeerschöpfung und Hitzschlag kommen, so die Experten.

Zu wenig Flüssigkeit, um zu schwitzen

"Die Hitzeerschöpfung entsteht durch gleichzeitige Überwärmung des Körpers, also eine erhöhte Körperkerntemperatur, in Verbindung mit einem Flüssigkeitsmangel, der meist durch die Überwärmung entsteht", so die Erklärung von Wirth, zukünftiger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG).

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"Irgendwann hat der Körper zu wenig Flüssigkeit, kann nicht mehr richtig schwitzen und spätestens dadurch versagt dann die Temperatur-Regulation."

Als Folge nehme die Differenz zwischen der Hauttemperatur und der Körperkerntemperatur immer stärker ab, bis diese nur noch zwei bis drei Grad betrage. "Der Körper pumpt immer mehr Blut in die Haut, um es irgendwie abzukühlen", beschreibt Janssens ein Warnsignal. "Deshalb haben diese Patienten dann auch eine maximal durchblutete, gerötete, sehr warme Haut und teilweise wenig bis gar keinen Schweiß mehr."

Schwacher Körper und Muskelkrämpfe

Gleichzeitig bedeute das aber auch, dass dieses Blut, das in das riesige Organ Haut fließe, die anderen Organe wie Niere, Leber oder Darm und vor allen Dingen auch die Muskulatur nicht mehr richtig versorge. "Der Körper wird schwach und Muskelkrämpfe können auftreten."

Bei der Hitzeerschöpfung steigt die Körperkerntemperatur nach und nach auf 39 bis 40 Grad an. Sie ist damit quasi die bedrohliche Vorstufe des Hitzschlags. "Hier steigt die Körpertemperatur auf – je nach Definition – zwischen 40,5 und 41 Grad", so Janssens. Spätestens jetzt sei auch das zentrale Nervensystem betroffen. Es komme zu Verhaltensauffälligkeiten, verwaschener Sprache, Koordinations- oder Orientierungsproblemen.

"Außerdem haben die Leute dann tatsächlich einen Schweißverlust von bis zu vier Litern und mehr", so der Notfallmediziner. "Das Blut dickt ein, die Blutfließgeschwindigkeit nimmt ab und das Herzzeitvolumen, das ganz wichtig ist zur Versorgung der Organe, bricht förmlich zusammen", erklärt Janssens. "Das ist natürlich eine absolute Katastrophe."

Auch Klimaanlagen belasten den Kreislauf

Sonnencreme sollte nur an den Stellen aufgetragen werden, die direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, da diese die Hautporen verklebt und man nicht mehr richtig schwitzen kann, rät Uwe Janssens, der frühere Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Auch sich regelmäßig mit Wasser aus einer kleinen Sprühflasche zu besprühen, sorge für zusätzliche Verdunstungskälte. Diesen Effekt könne man laut Janssens mit Mentol noch verstärken.

Kühlen Klimageräte oder Klimaanlagen die Räume, sollte die Differenz zwischen der Temperatur in den Zimmern und der Außentemperatur nicht mehr als sechs Grad betragen", betont Janssens. "Sind die Räume zu kühl und man tritt nach draußen, wo eine Temperatur von 36°C herrscht, kann das zu unmittelbaren Kreislaufbelastungen führen."