Herning. Beats und Techno-Musik stimmen die deutschen Handballerinnen auf das wegweisende WM-Duell mit Polen ein. Eine Baustelle muss behoben werden.

Den ersten Advent verbrachten die deutschen Handballerinnen als Tabellenführer im verschneiten Silkeborg.

45 Minuten entfernt vom Spielort Herning tankte die DHB-Auswahl bei besinnlicher Weihnachtsatmosphäre im Mannschaftshotel Kraft für das wegweisende Duell mit Polen am Montag (20.30 Uhr/Sportdeutschland.tv). „Ich denke, dass wir jetzt bei 80 Prozent sind. Wenn Emotionen dazukommen, kommen wir auch oben ran. Jeder weiß, dass es jetzt richtig losgeht“, sagte Bundestrainer Markus Gaugisch.

Beide Teams sind bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber es geht um mehr. Deutschland und Polen kämpfen um die maximale Punkteausbeute in der Vorrunde und damit um eine optimale Ausgangslage für die zweite Turnierphase.

„Polen wird uns alles abverlangen. Das ist das erste extrem entscheidende Match“, sagte Gaugisch und stimmte sein Team auf eine intensive Partie ein. Den ungefährdeten 45:22-Kantersieg gegen Handballzwerg Iran hakte der 49-Jährige noch auf dem Parkett am Samstag ab. Voller Fokus auf Polen.

Zu viele Schlupflöcher in der Abwehr

Beide Mannschaften kennen sich gut. Der Handball-Stil ist ähnlich. Schnörkellos, körperbetont und mit viel Tempo. Das Duell im März hatte die DHB-Auswahl 32:30 für sich entschieden. „Mit fünf Toren schaffen wir es dieses Mal“, kündigte Rechtsaußen Amelie Berger optimistisch an.

Um erneut zu triumphieren, muss das deutsche Team defensiv zulegen. „Denn das sind sehr starke, groß gewachsene Spielerinnen“, sagte Co-Kapitänin Emily Bölk und warnte vor gewaltigen Würfen aus dem Rückraum. Der deutsche Block muss stehen, die Abstimmung am Kreis muss sitzen. Gegen den Iran ergaben sich zu häufig Schlupflöcher. „22 Gegentore gegen das Team sind zu viel“, monierte Bölk. Teamkollegin Julia Behnke befand: „Das war ein Auftritt, den wir so in der Defensive nicht akzeptieren können“.

„Bisschen Techno“ in der Kabine

Viel Zeit, um an der Schwachstelle zu arbeiten, bleibt nicht. Im Zwei-Tages-Rhythmus ist der Kader des Deutschen Handballbundes bei der WM in Schweden, Dänemark und Norwegen gefordert. „Wir haben die Reboothosen (Massagehosen) mit im Bus. Wir haben eine Eistonne in der Kabine. Die Physios sind manchmal bis 1.00 Uhr nachts am Werk“, berichtete Berger.

Um bestmöglich zu regenerieren und den Wettkampf-Modus schnellstmöglich zu erreichen, hilft die passende Musik. „Im Bus ist eher Nachdenkmusik. In der Kabine dann voll Power. Ein paar Beats rein, bisschen Techno“, berichtete Berger. Auch der Trainer stimmt sich mit harten Bässen auf die Spiele ein.

Olympia vor Augen

Zur Vorbereitung auf den Iran wählte Gaugisch den Song „Hyper, Hyper“ von der deutschen Band Scooter. „Eigentlich ist das jetzt nicht so meine Musik. Das war eher ein Gag, den ich mit meinen Kindern hatte“, berichtete Gaugisch und erklärte: „Ich bin eher der Linkin-Park- oder Metallica-Typ“.

Das große Ziel Olympia sollte ohnehin Ansporn genug sein, um motiviert in die WM-Spiele in Skandinavien zu starten. Um bei einem der Olympia-Qualifikationsturniere dabei zu sein, müsste die deutsche Mannschaft mindestens die Hauptrunde überstehen und bei einer Niederlage im Viertelfinale das Spiel um Platz sieben gewinnen.