Braunschweig. Eintracht Braunschweigs Stürmer ist im Angriffsspiel des Fußball-Zweitligisten quasi auf sich allein gestellt. Sein Trainer fordert Unterstützung.

Mit acht Mann verteidigen und den Ball lang nach vorn schlagen - das war in den ersten beiden Zweitliga-Spielen ein probates Mittel für die Fußballer von Eintracht Braunschweig. Dabei wurde meist Stürmer Anthony Ujah gesucht. Der kopfballstarke Nigerianer kämpfte bei den Niederlagen gegen Kiel (0:1) und Magdeburg (1:2) wacker im Sturmzentrum, doch weil das Spiel der Blau-Gelben derart eindimensional angelegt war, kam auch der Routinier im Angriff kaum zur Entfaltung.

Sein später Ehrentreffer am Sonntag war vor allem der Tatsache geschuldet, dass sich Magdeburgs Jamie Lawrence beim Flugball Saulo Decarlis total verschätzte. Ansonsten gab es für den 32-Jährigen kaum vielversprechende Abschlüsse zu verzeichnen. Cheftrainer Jens Härtel hob aber die Mentalität des bundesliga-erfahrenen Angreifers hervor, der trotz des Zwei-Tore-Rückstands zur Pause voranging. „Tony bleibt dann positiv. Er hat gut gearbeitet, sich reingeworfen in die langen Bälle und sie weitergeleitet. Aber wir haben zu viele Situationen nicht zu Ende gebracht“, sagte Härtel. Ujah braucht dringend die Hilfe seiner Mitspieler.

Entlastung aus Eintracht Braunschweigs Team ist nicht vorhanden

In der vergangenen Saison sorgten Spielmacher Immanuel Pherai oder auch der laufstarke und schnelle Stürmer Lion Lauberbach für Entlastung, so dass der Torjäger seine Freiheiten und Erholungsphasen hatte. Vor allem Lauberbach, der wegen eines fahrlässigen Umgangs mit seinen Torchancen nicht immer einen guten Stand beim Trainer und den Fans besaß, arbeitete unermüdlich in jedem Saisonspiel.

Diese Qualitäten sind im neuen Verbund bislang allenfalls in Spurenelementen zum Vorschein gekommen. Ujah wurde gut und mit einfachen Mitteln vom Gegner zugestellt, denn schnell war ausrechenbar, was die Eintracht vorhat. Und wenn er doch als Sieger aus den Duellen hervorging, fehlten die Nachrücker. Auf die Frage, ob Ujah mehr Unterstützung bekommen müsste, antwortete Härtel: „Definitiv. Für die zweiten Bälle. Da haben wir nicht so viele aufgenommen, wie wir aufnehmen wollten.“

Anthony Ujah erzielte seine zehn Tore in der Vorsaison alle innerhalb des Strafraums

In der Pflicht dafür sah er vor allem die Spieler auf den beiden offensiven Außenpositionen, die in beiden Spielen bislang zu wenig anboten. „Für zwei Mittelfeldspieler ist der Weg zu weit, aber das müssen die Stürmer machen, dass sie ihn permanent unterstützen“, so Härtel.

Doch blickt man auf die vergangenen Saison, so fällt eines auf: Alle seine Treffer erzielte der Zehn-Tore-Mann der Vorsaison innerhalb des Strafraums, davon sechs mit dem Fuß und vier per Kopf. Meist wurde er dabei scharf und aus kürzerer Distanz bedient. Auch gegen Magdeburg stand er beim 1:2 in der Box. Nun wollen ihn seine Teamkollegen aber zu oft auf die Reise schicken - also ins Laufduell mit den Verteidigern. Doch aus einem abgezockten Knipser ein Rennpferd machen zu wollen, ist keine gute Idee.