Magdeburg. Der Fußball-Zweitligist wartet weiter auf den ersten Punkt, zeigt beim 1:2 in Magdeburg aber zumindest eine kleine Reaktion nach der Pause.

Jens Härtel zermalmte sein Kaugummi während der Pressekonferenz nach der 1:2 (0:2)-Niederlage beim 1. FC Magdeburg förmlich. Dem Trainer von Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig stand die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. „Der Anschluss ist zu spät gefallen, um hier noch einmal Druck auf den Kessel zu kriegen“, sagte der 54-Jährige über Anthony Ujahs Tor in der Nachspielzeit (90.+4). Denn schon viel früher war die verdiente Niederlage auf den Weg gebracht worden. Um genau zu sein, nach einer stabilen Anfangsviertelstunde seines Teams.

Schuler und Condé schocken Eintracht Braunschweig

Der Magdeburger Führungstreffer von Luca Schuler (22.) war gleichzeitig die erste echte Chance der Partie. Er entstand aus einer Umschaltsituation, nachdem Ujah vorn nicht optimal zum Abschluss kam und die eigentlich üppig besetzte Zentrale der Eintracht die Hausherren bei zwei Pässen über das gesamte Feld einfach so gewähren ließ. Ein bisschen trauerten Härtel und seine Spieler der Möglichkeit ihres erfahrenen Angreifers hinterher, zumal es stattdessen es auf der anderen Seite klingelte.

Schon vorher hatte sich gezeigt, dass die Braunschweiger zu viel tiefe Pässe des FCM zuließen. Es war nur nicht bestraft worden. Das Spiel der Eintracht in Durchgang 1 war regelrecht bieder. Es gab kaum Entlastung, vor allem nach dem Gegentor. Der zweite Magdeburger Treffer lag in der Luft. Wieder überwanden die Gastgeber die Defensive der Gäste spielend - Amara Condé stellte nur zehn Minuten nach dem ersten Nackenschlag auf 0:2 aus Braunschweiger Sicht (32.). Die Tore seien zu einfach gefallen, haderte Härtel.

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Es habe schon einige Dinge gegeben, die ihm nicht gefallen haben, sagte der Coach: „Wir hatten zu schnelle Ballverluste, haben nichts festgemacht. Jeder Ball war direkt wieder weg, jeder Klapperball war beim Gegner und wir lagen auf dem Boden. Das war frustrierend“, sagt er. Nur 37 Prozent der Zweikämpfe in den 90 Minuten gingen an sein Team.

Härtel hatte in der Phase vor der Pause immer wieder an der Seitenlinie mit dem Kopf geschüttelt. Seinem Team fiel nichts ein. Der lange Ball war das Mittel der Wahl, doch vorne hatte es Ujah mit dem kopfballstarken Sechser Daniel Elfadli zu tun, der sich immer wieder tief in die Kette fallen ließ und dem Nigerianer damit gehörig auf die Nerven ging.

Eintrachts Trainer Jens Härtel.
Eintrachts Trainer Jens Härtel. © dpa | Hendrik Schmidt

Wie schon bei der 0:1-Niederlage gegen Holstein Kiel fehlte die Bindung zwischen Abwehr und Angriff. Wenn die Verteidiger und Mittelfeldspieler andribbelten, ging es vorne zu oft statisch zu. Magdeburg hatte keine Mühe, gegen zahme Löwen zu verteidigen - viele zu lang geratene Pässe wurden auf einfachste Weise abgelaufen. Und schon früh wurde die Enttäuschung bei den Blau-Gelben sichtbar, die bis zum Abpfiff fantastisch von 3000 mitgereisten Fans aus Braunschweig unterstützt wurden.

Jens Härtel stellt in der Pause bei Eintracht um

Denen wurde nach der Pause zumindest eine kleine Reaktion geboten. „Der Trainer hat in der Kabine die richtigen Worte gefunden“, sagte Kapitän Jannis Nikolaou. Und Härtel sagte über die Stimmung nach 45 Minuten: „Die Jungs hatten schon ganz schön die Köpfe hängen. Da galt es daran zu appellieren, was wir uns vorgenommen hatten.“

Die Eintracht kam dann mehr über die Flügelpositionen. Härtel hatte Marvin Rittmüller und Johan Gomez für die schwachen Maurice Multhaup und Keita Endo gebracht. Er wollte mehr Robustheit auf dem Feld haben. Die gab es. Torraumszenen gab es zwar, aber echte Torgefahr strahlte Braunschweig bis zu Ujahs Ehrentreffer nicht aus. Das war zu wenig. Trotzdem sah es Härtel positiv, dass seine Spieler „mehr ins Risiko gegangen sind und in der Lage waren, Druck auf so einen Gegner auszuüben“. Auch die zunehmende Stabilität nach dem Wechsel hob der Trainer hervor.

Eintracht Braunschweig braucht Verstärkung mit Qualität

Doch daran hatten auch die Hausherren ihren Anteil. FCM-Trainer Christian Titz ärgerte sich über den fahrigen Auftritt seiner Mannen in Durchgang 2. Magdeburg musste mit der Führung im Rücken nicht mehr viel riskieren, wurde fahrlässiger und konterte allenfalls noch ein paar Mal im eigenen Stadion.

Bei der Eintracht stehen nach zwei Spielen null Punkte und ein geschossenes Tor. Im vergangenen Jahr sah das ähnlich aus. Braunschweig wartete seinerzeit noch viel länger auf einen eigenen Treffer. Allerdings funktionierte zumindest das Umschaltspiel damals. Momentan ist das Spiel der Braunschweiger auf das Verhindern und den langen Ball ausgelegt. Die offensiven Impulse fehlen noch immer.

Jetzt muss Eintracht Braunschweig gegen Schalke 04 ran

Die Startelf bilden die Kräfte der letzten Saison, darunter auch Spieler, die lange kaum gefragt waren. Nur ein Neuzugang stand in Magdeburg von Beginn an auf dem Platz: Sebastian Griesbeck. Das spricht Bände, doch die Eintracht braucht nach den qualitativ hochwertigen Abgängen Soforthilfe und nicht bloß Perspektive. Das war gegen Magdeburg und auch gegen Kiel zu sehen. Jetzt folgt das Pokalspiel gegen Schalke. Keine einfache Aufgabe. Härtel sagte, dass sich seine Mannschaft schütteln müsse und Anschluss an die Leistung der zweiten Hälfte finden solle. Ob das gegen den Erstliga-Absteiger reicht, erscheint fraglich.