Fußball-WM 2022

Linda Bresonik im Podcast: "Ich hätte die WM boykottiert"

| Lesedauer: 5 Minuten
WM Inside - Der Experten-Vodcast: DFB-Fehlstart gegen Japan

WM Inside - der Experten-Vodcast mit Linda Bresonik

Nach dem misslungenen WM-Auftakt gegen Japan spricht Weltmeisterin Linda Bresonik im Experten-Talk WM-Inside über die Leistung des DFB-Teams.

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Essen.  In unserem WM-Podcast "WM Inside - Der Expertentalk" spricht Welt- und Europameisterin Linda Bresonik über das DFB-Team und Katar.

Mit großen Turnieren kennt sich Linda Bresonik aus. Zweimal wurde die 38-Jährige Welt-, zweimal Europameisterin. Auch mit WM-Gastgeber Katar hat sie als ehemalige Profifußballerin von Paris St. Germain ihre Erfahrungen gemacht – PSG ist im Besitz einer katarischen Investorengruppe. Am Tag nach der 1:2-Blamage des deutschen Nationalteams bei der WM gegen Japan blickte Bresonik im Funke-Podcast „WM Inside – Der Expertentalk“ mit dem stellvertretenden Funke-Sportchef Andreas Berten und Moderator Nils Halberscheidt zurück und voraus.

Linda Bresonik: "Das fühlt sich total kacke an"

Nur Kritik gab es von Bresonik am Auftritt der deutschen Mannschaft nicht. „Wir hatten das Spiel weitgehend im Griff – auch in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit“, sagte sie. Erst nach einer taktischen Umstellung der Japaner und durch „dumme Fehler“ in der Verteidigung sei das Spiel ins Wackeln geraten. Spiele mit einer schwachen Chancenauswertung hat sie auch schon oft erlebt: „Man sagt ja immer, du kannst noch drei Tage weiterspielen, der Ball geht niemals rein. Das kenne ich auch, fühlt sich total kacke an und war bei den Deutschen auch so.“

Bresonik gehörte in ihrer Karriere – sie spielte nicht nur für PSG, sondern auch für den FCR Duisburg, den SC Bad Neuenahr, die SGS Essen und den BV Cloppenburg – nie zu den leisen Spielerinnen. Sie ging voran, auch wenn es einmal nicht gut lief. Und genau solche Spielertypen vermisste sie gestern, als die kritische Schlussphase begann. Vielmehr hätten sich einige Spieler versteckt. „Wenn bei mir jemand den Ball nicht haben wollte, habe ich der Pfeffer unter dem Arsch gemacht“, sagte Bresonik.

Nicht nur auf dem Platz sagte sie stets ihre Meinung. „Politik hat immer eine Rolle gespielt. Du kriegst zwar irgendwann gesagt: Wenn die Presse dich fragt, äußere dich bloß nicht politisch, nur sportlich. Ich war neben Nadine Angerer immer eine, die alles herausposaunt hat. Uns war das wichtig. Ich finde, dass wir eine große Macht haben als Sportlerinnen. Wir strahlen Stärke aus, wir nehmen die ganze Welt mit. Ich finde es total wichtig, dass die Spielerinnen und Spieler eine Haltung zeigen“, erklärte sie.

Linda Bresonik: Trainingslager in Katar mit PSG

Sie befürchtet, der Protest der deutschen Nationalspieler gegen das Verbot der One-Love-Binde sei „übermorgen schon wieder vergessen“. Die elf Nationalspieler hatten sich beim obligatorischen Teamfoto den Mund zugehalten. „Ich glaube, den Gianni Infantino hat das überhaupt nicht gejuckt“, sagte Bresonik. Der Fifa-Präsident hatte das Spiel auf der Tribüne verfolgt. Infantinos gutes Verhältnis zum Regime in Katar ist bekannt.

Bresonik hatte 2014 die Gelegenheit bekommen, Katar kennenzulernen. Mit Paris St. Germain absolvierte sie dort ein Trainingslager. „Privat wäre ich sicher nicht dorthin geflogen. Ich habe damals den Stadionbau miterlebt und gesehen, wie die Gastarbeiter da hausen. Das fand ich sehr, sehr schrecklich“, sagte sie. Über einen Restaurantbesuch in Katar erzählte sie: „Es waren Frauen dort zu sehen, die haben aber wirklich unter ihrer Burka gegessen. Da ist mir der Löffel im Hals stecken geblieben.“ Männer hätten breitbeinig in der Lobby des Hotels gesessen, Alkohol getrunken und Shisha geraucht. Für Bresonik steht fest: „Die WM für Frauen würde da nie stattfinden. Aber ich als Spielerin hätte die tatsächlich boykottiert und wäre nicht mitgeflogen.“

Doch wann muss die deutsche Mannschaft nach Hause fliegen? Schon nach der Vorrunde? Bresonik sieht durchaus Chancen im Spanien-Spiel. Ihre Empfehlungen: „In Ballbesitz kommen, den richtigen Abstand zum Gegner haben und schnell umschalten. Dann werden wir uns unsere Chancen erspielen.“

Neuer Podcast nimmt die WM in Katar in den Fokus

Der neue Podcast „WM Inside“ liefert Hintergründe, Analysen und Eindrücke aus erster Hand von unseren Funke-Reportern aus Katar. Vor Turnierstart ordnet das WM-Inside-Team das Turnier nicht nur politisch ein, wir blicken auch auf die Vorbereitungen der deutschen Mannschaft und der anderen Teams. Von unserem WM-Studio in Essen aus diskutieren unsere Moderatoren mit Reportern, Funke-Fußballexperten und prominenten Gästinnen und Gästen. Mit Beginn des Turniers analysieren wir die Leistungen der deutschen Nationalmannschaft.

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