Wernigerode. Im Nationalpark Harz liefern seit Juni insgesamt 60 Fotofallen wichtige Daten über die Entwicklung der Huftierpopulationen.

7591 Rothirsche, 3443 Rehe, 4876 Wildschweine, 36 Wölfe, 16 Luchse und 227 Rotfüchse: So viele Tiere zählten Wissenschaftler der Universität Freiburg beim ersten standardisierten Monitoring der Wildtierpopulationen in zehn deutschen Großschutzgebieten. Dafür verwendeten sie 643 Fotofallen - automatische Wildtierkameras, die von 2019 bis 2020 in den neun Nationalparken Bayerischer Wald, Berchtesgaden, Eifel, Hainich, Harz, Hunsrück-Hochwald, Kellerwald-Edersee, Müritz und Schwarzwald sowie im Wildnisgebiet Königsbrücker Heide aufgebaut waren.

Für ihre Berechnungen werteten die Wissenschaftler über 1,2 Millionen Bilder aus und ermittelten anschließend die Populationsdichten der Schutzgebiete mit statistischen Modellen. Dafür nutzten sie auch künstliche Intelligenz, um die große Menge an Daten auswerten zu können. Die Nationalparke führen das Monitoring seit dem 1. Juni 2023 fort, um die vorherigen Messergebnisse mit den aktuellen Beständen zu vergleichen.

Monitoring als Grundlage für Bestandsmanagement

Das Fotofallenmonitoring ist Teil eines kürzlich abgeschlossenen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, welches durch das Bundesamt für Naturschutz gefördert wurde und ein Monitoring für die Huftierpopulationen und deren Einfluss auf die Umwelt entwickeln sollte. Mit Hilfe des Monitorings soll es in Zukunft möglich sein, schutzgebietsübergreifend Zusammenhänge zwischen den Populationsgrößen und der Wirkung der Huftiere auf ihr Ökosystem zu erkennen. Nur so kann ein sinnvolles Management der Bestände von Rothirsch, Reh und Wildschwein erfolgen.

Auch ein Rothirsch läuft im Nationalpark Harz in eine der Fotofallen.
Auch ein Rothirsch läuft im Nationalpark Harz in eine der Fotofallen. © Nationalpark Harz | Nationalpark Harz / Luchsprojekt - Fotofalle

„Das Monitoring der Huftierpopulationen ist ein entscheidender Teil des Managementprozesses in Schutzgebieten, da es wichtige Daten zur Entwicklung der Wildtierbestände liefert und als Grundlage, Rechtfertigung und Erfolgskontrolle für die Regulierung der Wildtierbestände dient“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Marco Heurich, Professor für Wildtierökologie und Naturschutzbiologie an der Universität Freiburg.

Auswirkungen der sich ausbreitenden Wolfpopulationen auf die Huftierpopulationen untersuchen

Nachdem die ersten Daten ausgewertet wurden, planen die Nationalparke bereits eine Fortführung des Monitorings, um Entwicklungen der Wildtierbestände im Vergleich zum Stand der ersten Projektphase nachvollziehen zu können. Dabei sollen auch die Auswirkungen der sich ausbreitenden Wolfpopulationen auf die Huftierpopulationen untersucht werden. „Seit dem 1. Juni sind bundesweit wieder 782 Fotofallen in 11 Nationalparken im Einsatz, um die Bestände von Hirschen, Rehen und Wildschweinen zu erfassen“, erklärt Dr. Christian Fiderer, Projektkoordinator der Universität Freiburg.

Ohne die KI wäre ein Projekt in diesem Umfang überhaupt nicht realisierbar – wir würden noch in zwei Jahren an der Klassifizierung der Bilddaten sitzen.
Dr. Christian Fiderer, Projektkoordinator der Universität Freiburg

Begleitet wird das Projekt außerdem durch drei weitere Untersuchungsgebiete in Deutschland, der Schweiz und Rumänien, wobei insgesamt 1.159 Fotofallen zum Einsatz kommen. Im Nationalpark Harz liefern seit dem 1. Juni 2023 insgesamt 60 Fotofallen wichtige Daten über die Entwicklung der Huftierpopulationen. In einem Jahr können die Wissenschaftler dann sagen, ob die Bestände im Vergleich zu der ersten Aufnahme zu- oder abgenommen haben.

„In diesem Umfang ist das Projekt zumindest in Europa bislang einzigartig“, sagt Heurich. Der Umfang des Projektes stellt die Wissenschaftler vor eine große Herausforderung. So werden im kommenden Jahr mehrere Millionen Bilder aus den Nationalparken erwartet, die alle einzeln ausgewertet werden müssen. Um den Überblick zu behalten, wurde eine Datenbank an der Universität Freiburg eingerichtet, auf der die Bilder hochgeladen werden können und auf der anschließend eine automatisierte Auswertung mittels künstlicher Intelligenz stattfindet. „Ohne die KI wäre ein Projekt in diesem Umfang überhaupt nicht realisierbar – wir würden noch in zwei Jahren an der Klassifizierung der Bilddaten sitzen“, so Fiderer.