Medizinstudium in Göttingen

Medizinstudierende erlernen Praxis im Gesundheitsamt Göttingen

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Das Gesundheitsamt ist unter anderem für schulärztliche Untersuchungen von Grundschulkindern zuständig. Mirco Schilff hat sich bereits mit den Geräten für die Hör- und Sehtests vertraut gemacht.

Das Gesundheitsamt ist unter anderem für schulärztliche Untersuchungen von Grundschulkindern zuständig. Mirco Schilff hat sich bereits mit den Geräten für die Hör- und Sehtests vertraut gemacht.

Foto: Heidi Niemann  / HK

Göttingen.  Göttinger Gesundheitsamt ist bundesweit erst das zweite mit dem Angebot für das neue Wahlfach „öffentliches Gesundheitswesen“

Medizinstudierende lernen viel über den menschlichen Körper, die Diagnose von Krankheiten und die Behandlung von Patienten. Bislang ist die Ausbildung vor allem auf eine spätere Tätigkeit in Arztpraxen oder Kliniken ausgerichtet. Dass zum Gesundheitswesen jedoch auch noch eine dritte Säule gehört, findet dagegen kaum Beachtung. Dies soll sich jetzt ändern: Seit Kurzem können Medizinstudierende ein Drittel ihres Praktischen Jahres (PJ) im öffentlichen Gesundheitsdienst ableisten. In Frankfurt am Main ist dies schon länger möglich, in Niedersachsen hat jetzt Göttingen die Vorreiterrolle eingenommen. Seit Anfang September absolviert der Medizinstudent Mirco Schilff sein PJ-Wahlfach im Gesundheitsamt für die Stadt und den Landkreis Göttingen.

„Wir sind damit das zweite Gesundheitsamt in Deutschland, an dem Medizinstudierende einen Teil ihrer praktischen Ausbildung absolvieren können“, sagt die Göttinger Sozialdezernentin Anja Krause. Möglich wurde dies durch eine Änderung der bundeseinheitlichen Approbationsordnung für Ärzte.

Kenntnisse zum öffentlichen Gesundheitswesen

Diese sieht vor, dass zur medizinischen Ausbildung künftig auch Kenntnisse zum öffentlichen Gesundheitswesen und zur Bevölkerungsmedizin gehören, die dann auch in den Prüfungen abgefragt werden. „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig der öffentliche Gesundheitsdienst ist“, sagt Krause. Vielen Studierenden und jungen Ärztinnen und Ärzten sei dieses Tätigkeitsfeld jedoch gänzlich unbekannt. Umso erfreulicher sei es, dass dieser Bereich nun auch zum Ausbildungskanon gehöre.

Um die Neuerung umsetzen zu können, haben die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Gesundheitsbehörde im Juni einen Kooperationsvertrag geschlossen. Dazu habe man einen Plan – das so genannte Logbuch – erstellt, in dem die Ausbildungsziele und die Arbeitsbereiche festgelegt seien, erläutert Amtsleiterin Angelika Puls. Das neu eingeführte Wahlfach sei sofort auf reges Interesse gestoßen. Bereits ab November werde eine weitere Medizinstudentin im Rahmen ihrer praktischen Ausbildung im Gesundheitsamt tätig sein.

Drei Studierende pro Jahr

Vereinbart sei, dass drei Medizinstudierende pro Jahr ein so genanntes Tertial im Göttinger Gesundheitsamt ableisten können, sagt Iris Demmer, Oberärztin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen. Demmer ist zugleich eine der Leiterinnen des von der UMG und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) betriebenen Projekts „Unite“. Ziel ist es, schon im Studium auf die Aufgabenbereiche im öffentlichen Gesundheitsdienst aufmerksam zu machen und Studierenden die Möglichkeit zu geben, diese Tätigkeitsfelder kennenzulernen.

Prävention steht im Vordergrund

Mirco Schilff ist von der neuen Wahlmöglichkeit für das Praktische Jahr vor allem deshalb sehr angetan, weil im öffentlichen Gesundheitsdienst die Prävention im Vordergrund steht. „Im Studium hat man damit wenig zu tun, ich finde diesen Ansatz aber sehr wichtig“, sagt der 25-Jährige.

In den ersten zwei Wochen beim Göttinger Gesundheitsamt habe er bereits viel gelernt. Unter anderem habe er an den schulärztlichen Untersuchungen für Kinder der 4. Klassen teilgenommen, zu denen auch Hör- und Sehtests gehören. „So etwas hatte ich vorher noch nie gemacht“, erzählt der Medizinstudent.