Braunschweig. Merkels Ex-Berater Heusgen spricht von einer „Mär“ und sieht es anders als der Ex-US-Außenminister. Heusgen ist bald in Braunschweig zu Gast.

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger sieht die Schuld am Ukraine-Krieg nicht bei Russland allein. Der Friedensnobelpreisträger von 1973 erinnerte in der Wochenzeitung „Die Zeit“ daran, dass er schon 2014 Zweifel am Vorhaben geäußert habe, „die Ukraine einzuladen, der Nato beizutreten“. Kissinger, der an diesem Samstag 100 Jahre alt wird, fügte hinzu: „Damit begann eine Reihe von Ereignissen, die in dem Krieg kulminiert sind.“

Kissinger sprach von einem „höchst rücksichtslosen“ Angriffskrieg Russlands unter Präsident Wladimir Putin. „Der Krieg selbst und die Kriegsführung sind höchst rücksichtslos, der Angriff muss zurückgeschlagen werden, und ich befürworte den Widerstand der Ukrainer und des Westens.“ Er sei aber der Auffassung, „dass es nicht weise war, die Aufnahme aller Länder des ehemaligen Ostblocks in die Nato mit der Einladung an die Ukraine zu verbinden, ebenfalls der Nato beizutreten“.

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Christoph Heusgen, der zwölf Jahre lang der außen- und sicherheitspolitische Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war, sieht das anders. Im Interview mit unserer Zeitung machte Heusgen klar, dass Russland einseitig das 2015 abgeschlossene Minsker Abkommen aufgekündigt hat. „Es gab und gibt die russische Mär, das Minsker Abkommen sei von ukrainischer Seite nicht eingehalten worden“, sagte Heusgen, der nun die Münchner Sicherheitskonferenz leitet.

„Es war aber in erster Linie Russland, das sich nicht an den im Abkommen beschlossenen Waffenstillstand gehalten hat, seine schweren Waffen nicht abgezogen und den OSZE-Beobachtern die Arbeit erschwert hat“, sagte der ehemalige deutsche UN-Botschafter. Heusgen wies darauf bereits hin, Putin nannte ihn danach einen „Halunken“.

Heusgen sagte: „Es ist ungemein wichtig, dass wir über diese Zusammenhänge reden, über Ursache und Wirkung dieses Krieges aufklären, damit gar nicht erst gesellschaftliche Zerwürfnisse entstehen.“ Er macht am 1. Juni mit der „Zeitenwende on Tour“ der Münchner Sicherheitskonferenz auch Station in Braunschweig.

Heusgen diskutiert am 1. Juni in Braunschweig – Sie können dabei sein

Der russische Überfall auf die Ukraine markiert eine Zeitenwende in der Geschichte Europas. Der Krieg wirft Fragen auf und schürt auch Ängste. Er verändert nicht nur die Außenpolitik, sondern das Leben jedes Einzelnen.

„Zeitenwende on Tour“, das Diskussionsformat der Münchner Sicherheitskonferenz, lädt alle Interessierten ein, am 1. Juni von 18 bis 20 Uhr mit Gästen aus Politik und Gesellschaft darüber zu debattieren.

Auf dem Podium im Westand Kultur- und Eventzentrum in Braunschweig (Westbahnhof 13) diskutiert Christoph Heusgen, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, mit Wolfgang Büchner, Stellvertretender Sprecher der Bundesregierung, Jana Puglierin, Head of Berlin Office & Senior Policy Fellow des European Council on Foreign Relations, Generalstabsarzt Nicole Schilling, Vizepräsidentin und Ständige Vertreterin der Präsidentin des Bundesamts für das Personalmanagement der Bundeswehr, sowie Katrin Schiebold, Mitglied der Chefredaktion der Braunschweiger Zeitung.

Die Anmeldung zur kostenlosen Diskussionsveranstaltung ist möglich im Internet via securityconference.org/zot