Berlin. Die Fraueninsel im Chiemsee ist ein Ort mit großer Geschichte. Archäologen machten jetzt bei Radarmessungen einen überraschenden Fund.

Überraschender Fund in Bayern: Ein Team des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege hat auf der Fraueninsel im Chiemsee bei Bodenradarmessungen die Grundmauern eines bisher nicht bekannten Zentralbaus gefunden. Der Fundort gehört zum Gelände der Abtei Frauenwörth, einem 1200 Jahre alten Kloster.

Armin Krämmer, Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, sagt: „Im Bereich des Fundes gab es die zum Kloster gehörende, erstmals für das Jahr 1393 überlieferte Kirche St. Martin. Doch dass es einen älteren Vorgängerbau gab, das ist auch für uns eine große Überraschung.“

Archäologie: Fund eines Zentralbaus hat in Bayern absolute Seltenheit

Ursprünglich hatte das Team des Denkmalpflegeamtes das Ziel, den genauen Standort der Kirche zu lokalisieren. 50 bis 70 Zentimeter unter der Erde stießen sie auf die entsprechenden Fundamente, die mit den bekannten Annahmen über den Aufbau der Kirche übereinstimmten. Noch deutlich weiter unterhalb, in einer Tiefe von 80 bis 100 Zentimetern, führten die Radardaten dann aber zum in der Archäologie völlig überraschenden, neuen Fund.

Die Fraueninsel im Chiemsee, mit der Abtei Frauenwörth auf der linken Seite.
Die Fraueninsel im Chiemsee, mit der Abtei Frauenwörth auf der linken Seite. © picture alliance / SZ Photo | Christian Endt

Mathias Pfeil, Generalkonservator beim bayrischen Landesamt für Denkmalpflege, erklärt: „Zentralbauten sind in der vorromanischen und romanischen Sakralarchitektur nördlich der Alpen selten und damit eine sehr individuell gestaltete Bauform, die oftmals in der Nachfolge der Pfalzkapelle zu Aachen oder als Imitation der

Grabeskirche in Jerusalem

weitere Videos

    gedeutet wird. In Bayern sind achteckige Zentralbauten mit innerem Säulenumgang bislang lediglich mit St. Andreas in Bamberg, um 1050, und St. Gallus in Würzburg, um 1130, archäologisch nachgewiesen. Wir sprechen hier also von einer absoluten Seltenheit.“

    Zentralbau auf der Fraueninsel hatte einen Durchmesser von 19 Metern

    Die Grundmauern des Zentralbaus auf der Fraueninsel lassen auf einen Durchmesser von insgesamt 19 Metern schließen. Das Gebäude bestand aus einem Umgang, der durch acht Stützen gebildet war und vier in Kreuzform angeordneten Anbauten.

    Die Wissenschaft ist nun mit der historischen Einordnung des überraschenden Fundes beschäftigt. Eine erste Theorie legt eine Verbindung des Zentralbaus zur Verehrung der Seligen Irmengard nahe. Ihr Vater war König Ludwig der Deutsche, ihr Urgroßvater Karl der Große.

    Wissenschaft beschäftigt sich mit historischer Einordnung des Fundes

    Irmengard starb 866 auf der Fraueninsel und wurde in der Abteikirche bestattet. Zwischen 1001 und 1020 wurde ihr Grab geöffnet, um Reliquien entnehmen zu können und ihr Verehren zu fördern. Möglicherweise entstand in diesem Zusammenhang der Zentralbau als eine Art Pilgerstätte.

    Markus Blume, Bayerns Staatsminister für Wissenschaft und Kunst (CSU), sagt: „Ein derartiger Grundriss eines romanischen Zentralbaus hat nördlich der Alpen absoluten Seltenheitswert. Es bleibt also spannend, wie die Wissenschaft diesen Fund historisch einordnet.“