Berlin. Am Iseo-See in Italien läuft die Suche nach einer vermissten Deutschen. Die 20-Jährige war bei einem Bootsausflug über Bord gegangen.

Hubschrauber, Taucher mit Sonargeräten und Einsatzkräfte, die das Ufer durchkämmen: Seit drei Tagen suchen Einsatzkräfte am Iseo-See in Norditalien nach einer jungen Frau aus Bayern, die am Freitagabend von einem Motorboot ins Wasser gestürzt war. Die örtlichen Behörden schätzen die Chancen, die junge Frau lebend zu finden, als verschwindend gering ein. Die 20-Jährige war für einen Bootsausflug mit sieben weiteren Freunden und ihrer Schwester an den See gekommen. Ihre Familie traf Medienberichten zufolge am Sonntag aus Bayern in Pisogne in der lombardischen Provinz Brescia ein und verfolgt dort die Suchaktion.

Tragischer Bootsunfall: Fahrerin hatte keinen Führerschein

Nach ersten Erkenntnissen könnte ein riskantes Manöver mit dem Motorboot zu dem Unglück geführt haben. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen eine 23-jährige Deutsche ein, die sich ohne Fahrerlaubnis ans Steuer gesetzt haben soll. Offenbar soll sie das Schnellboot plötzlich so stark beschleunigt haben, dass die 20-Jährige, die sich am Bug platziert hatte, das Gleichgewicht verlor und ins Wasser fiel. Vermutet wird, dass sie bei ihrem Sturz mit dem Kopf gegen das Boot geprallt war. Gegen die junge Frau, die das Fahrzeug steuerte, laufen nun Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Der Iseo-See wurde 2016 mit einer Installation des Künstlers Christo weltbekannt. Auf schwimmenden Stegen konnten Besucher über den See flanieren.
Der Iseo-See wurde 2016 mit einer Installation des Künstlers Christo weltbekannt. Auf schwimmenden Stegen konnten Besucher über den See flanieren. © dpa | Michael Kappeler

Die einzige Person an Bord mit einem Führerschein für das 200-PS-Boot, war der Sohn des Bootseigners. Nachdem die 20-Jährige über Bord gegangen war, steuerte die Gruppe Land an und alarmierte von dort aus die Notrufzentrale. Wegen ihres alkoholisierten Zustands und mangelnder Sprachkenntnisse kam es zunächst zu Problemen bei der Kommunikation mit den Behörden, was den Beginn der Suchaktion verzögerte.

Bei der Suche nach er vermissten 20-Jährigen kommt Ortungstechnik der jüngsten Generation zum Einsatz. Das Gebiet, in dem sich Vermisste befinden könnte, ist weitläufig. Sollte das Sonargerät eine Spur entdecken, wird ein Unterwasserroboter eingesetzt. Feuerwehreinheiten mit spezialisierten Tauchern trafen auch aus Rom ein. Der Lago d’Iseo gehört wie der Lago Maggiore, der Gardasee und der Comer See zu den großen Seen in Oberitalien. Stellenweise ist er bis zu 250 Meter tief. Der Iseo-See wurde vor einigen Jahren auch durch eine Installation des Künstlers Christo bekannt, der das Ufer und eine Insel mit bunten schwimmenden Stegen verband.

Weitere Suche: 73-Jährige aus Deutschland im Lago Maggiore vermisst

Zeitgleich zur Suche nach der jungen Bayerin wird eine 73-jährige deutsche Urlauberin in den Gewässern des Lago Maggiore vermisst. Sie war im Bereich des Strandbads der Gemeinde Cannero Riviera schwimmen gegangen. Gegen 18 Uhr verschwand die Frau aus Turin in einem Bereich, in dem der See zwischen acht und zehn Meter tief ist. An der Suche beteiligt ist die Feuerwehr der Stadt Verbania, die mit einem Schlauchboot und Tauchern nach der Vermissten sucht.