Duisburg. Vor einem Jahr eskaliert in Duisburg eine Auseinandersetzung zwischen mehr als 100 Rockern und Clan-Mitgliedern. Nun wurden zwei mutmaßliche Haupttäter verhaftet.

Gut ein Jahr nach einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Rockern und Clan-Angehörigen in Duisburg haben Spezialkräfte zwei mutmaßliche Haupttäter festgenommen. Das SEK stürmte am Montagmorgen die Wohnungen der beiden 38-Jährigen in Duisburg. Die Ermittler glauben, dass sie bei dem Tumult auf dem Hamborner Altmarkt zahlreiche Schüsse abgegeben haben. Vier Menschen waren damals verletzt worden. Es sind nach zähen Ermittlungen die ersten Verhaftungen in dem Fall. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben gegen 51 Verdächtige, unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs.

Die Ermittlungen in den „abgeschotteten Clan- und Rockerstrukturen“ seien schwierig, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. Mehr als 100 Personen waren damals an der Auseinandersetzung zwischen den Hells Angels und einem türkisch-libanesischen Clan beteiligt - von den meisten sind inzwischen die Personalien bekannt. Mindestens 19 Schüsse fielen, es kam zu Schlägereien, vier Menschen wurden verletzt.

Alle Beteiligten stammten „aus dem als organisiert und schwer kriminell einzustufenden Rocker- und Clanmilieu“, hatte das NRW-Innenministerium damals mitgeteilt. Die Ermittler arbeiteten sich nach eigenen Angaben durch große Mengen von Film- und Fotoaufnahmen. Auch die Spurensicherung am Tatort sei komplex gewesen.

Mit der Polizei geredet haben die Verdächtigen nicht. „Über die genauen Hintergründe der Tat gibt es bis heute nur Spekulationen“, betonen die Ermittler deshalb. Trotzdem sei es gelungen, die beiden Schützen zu identifizieren und festzunehmen. Einer der Festgenommenen gehöre zur Seite der Rocker, der andere zu dem kriminellen Clan. Ein Richter hatte schon im Vorfeld der Razzia Haftbefehle wegen versuchten Totschlags gegen beide erlassen. Die Ermittlungen gegen die übrigen Verdächtigen gingen weiter, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) lobte die Arbeit der Ermittler. „Wer meint, er könne in Hamborn einen High Noon veranstalten, muss auch ein Jahr nach der Tat noch mit einem Hausbesuch rechnen“, sagte er. „Für Clan- und Rockerkriminelle, die sich bekriegen, hat unser Rechtsstaat klare Antworten parat. Die heutigen Festnahmen zweier mutmaßlicher Schützen zeigen, dass wir nicht lockerlassen und dass sich akribische Ermittlungsarbeit am Ende auszahlt.“