Gesundheit

Krebs und Co.: Neue Methode macht Krankheiten vorhersagbar

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Stiko empfiehlt an Omikron-Varianten angepassten Impfstoff für Auffrischung

Stiko empfiehlt an Omikron-Varianten angepassten Impfstoff für Auffrischung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat die neuen, an die Omikron-Varianten angepassten Corona-Impfstoffe als Auffrischungsimpfung empfohlen. Entscheidender als die Wahl des konkreten Impfstoffs ist nach Ansicht der Impfexperten aber, dass sich die Menschen überhaupt impfen und sich insbesondere boostern lassen. Mit der Empfehlung ändert sich für die Zielgruppen nichts.

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Berlin  Mit einer Analyse von Blut und Daten haben Mediziner vorhergesagt, wer später schwer erkranken könnte – und das ist nicht einmal teuer.

Asthma, Demenz, Darmkrebs und Parkinson sind Erkrankungen, die das Leben von Betroffenen nicht nur erschweren, sondern in vielen Fällen auch verkürzen. Oft werden tödliche Krankheiten viel zu spät entdeckt, um sie effektiv zu bekämpfen. Seit Jahrhunderten stellen sich daher Mediziner die Frage, wie schwere Leiden im Entstehen entdeckt werden können. Wissenschaftler aus Berlin und London sind der Antwort einen Schritt näher gekommen.

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Medizinern der Charité, vom Berlin Institute of Health (BIH) und dem University College of London ist ein womöglich wegweisender Fortschritt in der Analyse von Blutkomponenten gelungen – und damit in der Früherkennung von Krankheiten. Mit Daten der UK Biobank wurde neue Rückschlüsse über die Entstehung von 24 oft schweren Erkrankungen gezogen. Die UK Biobank ist ein Studienprogramm, das seit 15 Jahren Informationen aus dem britischen Gesundheitswesen sammelt und bündelt.

Krebs, Diabetes, Asthma: Forscher machen Fortschritt in der Risikoprognose

Ins Visier genommen hatte die Forschergruppe 168 gängige Metaboliten, also Stoffwechselprodukte. Mithilfe eines als Kernspinspektroskopie bezeichneten Analyseverfahren untersuchten die Mediziner Proben von 500.000 Personen. Zugute kam dem Team dabei, dass in Großbritannien seit den 1990er-Jahren relevante Gesundheitsinformationen zentralisiert erhoben werden.

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Durch die Kernspinspektroskopie erhalten die Mediziner Erkenntnisse über Substanzen wie Blutzucker und Cholesterin, aber auch zahlreiche weitere Blutkomponenten. Mithilfe von Informationen über Alter und Geschlecht der Testpersonen sowie über den Verlauf der gesundheitlichen Entwicklung wurden verschiedene Metabolit-Kombinationen und deren Einfluss auf die Entwicklung von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Störungen sowie neurologische Krankheiten wie Parkinson und sogar Krebs klarer.

Frühzeitig gegensteuern: Mithilfe von Blutkomponenten Krankheiten erkennen

Als Fortschritt betrachten die Mediziner die Vorhersagekraft der Blutuntersuchung im Vergleich zu herkömmlichen Methoden zur Risikoberechnung. Thore Bürgel vom BIH und Hauptautor der Studie macht darauf aufmerksam, "dass die Profile die Risikovorhersage für die Mehrheit der untersuchten Krankheiten verbesserten".

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Professor Roland Eils vom BIH ergänzt, dass die sogenannte Metabolomanalyse "sogar besser als herkömmliche Analysen darin war, Menschen zu identifizieren, die von einem präventiven Eingreifen in Form von Medikamenten oder einer Änderung des Lebensstils profitieren könnten“. Das heißt: Mit der Methode kann besser herausgefunden werden, wer zum Schutz vor einer späteren Erkrankung oder deren Verschlechterung Medikamente bekommen oder seinen Lebensstil umstellen sollte.

In vier weiteren Bevölkerungsstudien in Großbritannien und den Niederlanden bestätigten die Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse.

Billig und vielseitig: Analysemethode könnte teure Tests überflüssig machen

Die Untersuchung von Metabolit-Kombinationen im Blut erlaubt nicht nur Rückschlüsse auf die Entwicklung vieler gefährlicher und teils schwer behandelbarer Krankheiten. Sie könnte künftig auch aufwendige und teure Risikountersuchungen überflüssig machen. Dazu kommt, dass der Prozess nicht nur ressourcenschonend, sondern auch günstig ist: Die Analyse kostet unter 20 Euro.

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Zwar liefern die Ergebnisse der Untersuchung lediglich Indizien auf sich entwickelnde Krankheiten, finale Diagnosen bedürfen dennoch spezifischer medizinischer Methoden. Der Leiter der Kardiologie am Charité-Campus, Ulf Landemesser, betont: "Dennoch ist das genau die Richtung, in die wir gehen wollen: die Menschen motivieren, sich ab einem bestimmten Alter regelmäßig untersuchen zu lassen, um im Falle eines Falles rechtzeitig vorbeugen zu können.“

Die Studie der Forscher erschien jetzt in der Zeitschrift "Nature Medicine".

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.