Monarchie

Blumen und Tränen: So trauert Großbritannien um seine Queen

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Trauer um die Queen

Trauer um die Queen

Großbritannien trauert um seine Queen. Königin Elizabeth II. starb am Donnerstag im Alter von 96 Jahren umgeben von ihrer Familie auf ihrem schottischen Schloss Balmoral, wie Königshaus mitteilte. Vor dem Buckingham-Palast in London versammelten sich tausende Menschen.

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London.  Tausende strömen zum Buckingham Palast, um Blumen abzulegen und vor Ort zu sein. Als Charles erscheint, rufen sie: "God save the king".

Eine Menschenmenge zieht sich quer durch den Green Park, von der U-Bahnstation nach Süden. Manche haben Großbritannien-Flaggen in der Hand, andere haben Blumensträuße mitgebracht, viele sind dunkel gekleidet. Sie alle sind auf dem Weg zum Buckingham Palace, um der Queen ihren Respekt zu zollen.

Zöe Nicholson (27) ist eine von ihnen. Zwei Bouquets liegen auf ihrem Arm, sie wartet noch auf eine Freundin, bevor sie sich auf macht zum Palast. „Die Queen war ein so großer Teil meines Lebens“, sagt sie. „Sie hat ihr ganzes Leben für dieses Land aufgegeben – und ich habe großen Respekt für dieses Pflichtgefühl.“

Queen Elizabeth: Tausende versammeln sich vor dem Palast

Eigentlich sei sie gar keine Royalistin, sagt Nicholson, aber Elizabeth II. sei eine konstante Präsenz im öffentlichen Leben gewesen. In ihrem Familien- und Freundeskreis sei die Nachricht am Donnerstag Abend wie eine Bombe eingeschlagen.

Es dauert bis in den späten Abend, dann versammeln sich tausende Menschen vor dem Palast. Immer wieder wird die britische Nationalhymne aus der Masse heraus angestimmt, die Stimmung gleicht eher einem Volksfest als stiller Andacht.

Man nächsten Morgen stehen die Menschen Schlange, um zur Absperrung vor der Königsresidenz vorgelassen zu werden – Familien mit Kleinkindern, Rentnerpaare, jüngere Männer mit Anzug und Krawatte.

Queen Elizabeths Tod wird auf einem Zettel am Zaun bestätigt

Am goldverzierten Eingangstor liegen unzählige Blumen, manche Bouquets sind am Gitter angeheftet worden. Daneben hängt die schwarzumrandete Bekanntmachung, die am Vortag den Tod der 96-jährigen Queen bestätigte. Im Himmel liegen dunkle Wolken, immer wieder sieht es so aus, als würde es erneut zu regnen beginnen – es würde passen zur Stimmung im Londoner Regierungsviertel.

Am Rand der offenen Fläche vor dem Palast haben TV-Kameras aus der ganzen Welt ihre Pavillons aufgebaut. Arbeiter sind dabei, auf der Mall, der Prachtstraße, die vom Palast zum Trafalgar Square führt, Metallabsperrungen aufzubauen. Dahinter hat der Rettungsdienst ein Zelt errichtet, das für die nächsten zwei Wochen als Notfallstation dient. In London werden Hunderttausende Besucher erwartet.

Charles ruft eine lange Trauerperiode aus

Während sich die Trauernden am Buckingham einfinden, ruft der neue König, Charles III., eine ausgedehnte Trauerperiode aus. „Es ist der Wunsch seiner Majestät des Königs, dass eine Zeit der königlichen Trauer befolgt wird“, heißt es in einer Bekanntmachung. „Sie dauert von jetzt bis sieben Tage nach dem Begräbnis der Queen.“ Das genaue Datum des Staatsbegräbnisses steht noch nicht fest. Etliche kulturelle und Sportevents sind abgesagt worden, auch der geplante Bahnstreik wird nicht stattfinden.

„Es ist der Anbruch einer neuen Ära“, sagt Robert Brown nachdenklich. Der 27-Jährige arbeitet im Finanzsektor im nahen Stadtteil Mayfair, er ist vorbeigekommen, um Blumen niederzulegen. „Das hilft mir, mit ihrem Tod zurechtzukommen“, sagt Brown.

Queen Elizabeth war eine Konstante in seinem Leben

Für ihn war die Queen eine Konstante. „Das Leben ist voller Höhen und Tiefen, Premierminister und Politiker kommen und gehen, aber die Queen stand über all dem. Sie war immer da, darauf konnte man sich stets verlassen. Sie schien unsterblich.“ Während er spricht, muss er schlucken, seine Augen füllen sich mit Tränen. Am Vorabend saß er mit Freunden im Pub, als er vom Tod der Queen erfuhr. „Wir erhoben ein Glas zu ihren Ehren. Und danach tranken wir auf den neuen König“, erzählt Brown.

Charles III. wird um 10 Uhr am Samstag offiziell als neuer Monarch ausgerufen, die sogenannte „Proklamation“. Der König werde einen schwierigen Job haben, sagt Brown, er spricht von einem „Wendepunkt in unserer Geschichte – die Leute werden die Queen als Bezugspunkt nehmen: Es wird eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Tod von Elizabeth II. geben.“

Um 12 Uhr, läuten im ganzen Land die Kirchenglocken, und im Unterhaus beginnt eine Sondersession, um dem verstorbenen Staatsoberhaupt zu gedenken. Nach einer Schweigeminute tritt Liz Truss ans Podium. „Unter ihrer Regentschaft ist Großbritannien aufgeblüht“, sagt die Premierministerin. „Ihr ist es zu verdanken, dass das Vereinigte Königreich diese großartige Nation ist.“ Oppositionsführer Keir Starmer nennt die Queen „die größte Monarchin“, die das Land je gesehen habe.

96 Schüsse werden abgefeuert

Es folgen Kanonensalven in allen Ecken des Vereinigten Königreichs, von Gibraltar über die Kanalinsel Jersey und London bis hinauf nach Schottland und Belfast. Die „Death Gun Salutes“ sind die erste von unzähligen zeremoniellen Events, die das Land während der kommenden Trauerfeierlichkeiten sehen wird. 96 Schüsse werden abgefeuert, einer für jedes Jahr im Leben der Queen.

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Dann landet das Flugzeug aus Schottland, das König Charles mit seiner Frau Camilla, der sogenannten Queen Consort, nach London geflogen hat, am Militärflughafen Northolt. Der neue Monarch macht sich umgehend auf den Weg nach Buckingham Palace, um seine Arbeit als König in Angriff zu nehmen. Vor dem Palast ist die Menschenmenge weiter angewachsen. Charles wird mit Jubel begrüßt. Er steigt aus und beginnt, Hände zu schütteln. „God save the king“, ertönt es aus der Menge.

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de.