Energiepreise

Deutsche Bahn: Fahrkarten könnten deutlich teurer werden

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Das ist das Egal-Wohin-Ticket

Das ist das Egal-Wohin-Ticket

Auf das 9-Euro-Ticket folgt nun das Egal-Wohin-Ticket. Fahrten mit der Deutschen Bahn sind bundesweit dann mit einem Festpreis von 39,90 Euro möglich.

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Berlin.  Fahrkarten für die Züge der Deutschen Bahn könnten bald deutlich teurer werden. Was auf die Kundschaft noch in diesem Jahr zukommt.

  • In den vergangenen Wochen gab es viele Schlagzeilen um den Zustand der Deutschen Bahn
  • Anlass dafür waren anhaltende Berichte über Verspätungen, marode Infrastruktur und volle Züge
  • Für Fahrgäste könnten Tickets mit der Deutschen Bahn nun noch teurer werden

Es gibt auch noch gute Nachrichten von der Deutschen Bahn (DB). „Wir sind nach den Corona-Jahren wieder in der Gewinnzone“, sagte Bahnchef Richard Lutz bei der Vorstellung der Bilanz des erste Halbjahres. Als operatives Ergebnis weist die Zwischenrechnung 876 Millionen Euro aus. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres verzeichnete der Konzern noch ein Minus von fast einer Milliarde Euro. Die Fahrgäste sind zurückgekommen.

Fast 60 Millionen Reisende fuhren bis Ende Juni im IC oder ICE, das ist ein Plus von 117 Prozent. Im Regionalverkehr waren 725 Millionen Kunden unterwegs. Das war noch ein Zuwachs um 60 Prozent. Dazu hat auch das 9-Euro-Ticket beigetragen. „Die Eisenbahn ist gefragt wie nie“, stellt Lutz fest.

Steigende Energiepreise: Entscheidung über Ticketpreise naht

Allmählich machen der Bahn aber auch die steigenden Energiepreise zu schaffen. In diesem Jahr hat der größte Stromverbraucher Deutschlands seine Einkaufspreise noch absichern können. Finanzchef Levin Holle räumte aber ein, dass sich das Unternehmen dem Preistrend nicht auf Dauer entziehen könne.

Konkret bekommen dies schon die Kunden im Güterverkehr zu spüren. Sie müssen sich auf höhere Preise einstellen. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember könnte es dann auch den Personenverkehr treffen. Die Entscheidung über die Ticketpreise fällt der Aufsichtsrat der Bahn regelmäßig auf seiner Sitzung im September.

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Die hohe Nachfrage bereitet der Deutschen Bahn aber auch viele Probleme. Die Schwächen im Schienennetz und die zu geringen Transportkapazitäten sorgen für reichlich Ärger bei den Kunden. „Qualität und Pünktlichkeit sind nicht akzeptabel“, räumt der Bahnchef ein. Im ersten Halbjahr kamen gerade einmal sieben von zehn Zügen pünktlich ans Ziel. Zurzeit sind es noch weniger.

Schuld daran sei die überlastete Infrastruktur, betont Lutz. Auf den rund 3.500 Kilometer am stärksten belasteten Strecken liege die Auslastung bei 125 Prozent. Verspätungen sind die Folge. Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Erst 2024 wird die Bahn die betroffenen Korridore nach und nach komplett sanieren und in dieser Zeit auch vollständig sperren.

So ist es mit Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) abgesprochen. Nach dem Ende der voraussichtlich einige Jahre dauernden Arbeiten verspricht Lutz ein „Hochleistungsnetz“. Wissing sagte, das System Bahn sei jahrelang vernachlässigt worden. „Die Folgen sind heute an vielen Stellen spürbar, es fehlen Trassen, es fehlt technische Infrastruktur, es fehlen Kapazitäten“, sagte der Minister. In der Folge könne die Bahn ihr Potential nicht ausschöpfen.

Bahnunglück in Bayern: Lag es an einer geschwächten Schwelle?

Ein weiteres Problem sind teils marode Betonschwellen. Durch Salze im Beton werden die Schwellen allmählich brüchig. Womöglich ist eine geschwächte Schwelle auch die Ursache für das Bahnunglück in Bayern vor wenigen Wochen. Nun werden 200.000 Schwellen der Charge des Lieferanten auf ihre Stabilität hin geprüft. Nach Angaben der Bahngewerkschaft EVG müssen sogar bis zu einer Million Schwellen ausgetauscht werden.

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Lutz bestreitet diese Zahl allerdings. Das Problem der Schwellen wirkt sich auch auf den Verkehr aus. Manche Strecken müssen gesperrt werden. Laut Gewerkschaft kann die Bahn mitunter nicht einmal einen Ersatzverkehr auf die Beine stellen, weil es sowohl an Bussen als auch an Busfahrern mangelt.

Einig sind sich Gewerkschaften und Vorstand in einer anderen Frage. Sie lehnen eine Fortführung des 9-Euro-Tickets trotz des großen Erfolges ab. Allein die Bahn hat 19 Millionen der Billigtickets verkauft. „Das Experiment ist geglückt“, sagte Lutz. Das Angebot habe auch Kunden erreicht, die bislang nicht mit der Bahn gefahren sind.

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Auf der anderen Seite ist die Belastung von Mensch und Material durch die hohe Nachfrage sehr hoch. EVG-Vizechef Martin Burkert zufolge haben die Beschäftigten ihre Belastungsgrenze schon überschritten. Ein hoher Krankenstand von teils 25 Prozent sei die Folge, klagt der Gewerkschafter.

Doch zurück in die Zeit vor der Einführung des bundesweit geltenden Nahverkehrstickets will die EVG nicht. Burkert plädiert zunächst für die Einführung eines 365-Euro-Tickets, also einem Fahrpreis von einem Euro pro Tag. Langfristig spricht sich die EVG dann für die Einführung eine kostenlosen Nahverkehrs aus. In der Zwischenzeit müsse das Angebot entsprechend ausgebaut werden, beton Burkert. Die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL will von einem Nulltarif nichts wissen. Der Nahverkehr habe seinen Preis, betonte GDL-Chef Claus Weselsky.

Unternehmen Deutsche Bahn AG
Gründung 1. Januar 1994
Gründungsstadt Berlin
Eigentümer Bundesrepublik Deutschland

Unterdessen will der Vorstand den Malaisen mit weiteren hohen Investitionen ins Netz und neue Fahrzeuge beikommen. Allein in diesem Jahr stecken Bund und Bahn nach Angaben Holles 16,5 Milliarden Euro in die Modernisierung des Netzes und des Fuhrparks. Die positive Nachfrageentwicklung wird nach Einschätzung des Vorstands auch im gesamten Jahr anhalten. Er rechnet mit einem Konzernumsatz von 54 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von rund einer Milliarde Euro.

Der große Gewinnbringer der DB war zuletzt jedoch nicht der Bahnbetrieb, sondern die Logistiktochter Schenker: Das erste Halbjahr sei das erfolgreichste in der 150-jährigen Unternehmensgeschichte gewesen, sagte Finanzvorstand Levin Holle. Schenker verdoppelte den Betriebsgewinn von Januar bis Juni im Vorjahresvergleich auf rund 1,2 Milliarden Euro.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.