Waldbrände

Waldbrände in Europa: Das sind die häufigsten Ursachen

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Verheerende Brände vernichten hektarweise Wald um Bordeaux

Verheerende Brände vernichten hektarweise Wald um Bordeaux

In der Region Gironde um Bordeaux haben mehrere Brände hektarweise Wald vernichtet. Neben den Flammen hat die Feuerwehr auch mit der Hitze zu kämpfen.

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Berlin.  An vielen Orten in Europa stehen Wälder in Flammen. Wie die Brände entstehen und warum natürliche Bedingungen selten die Ursache sind.

Ende Juni wütet ein mächtiger Waldbrand zwischen in Gohrischheide. 900 Hektar Wald werden zwischen Sachsen und Brandenburg zerstört. Die Flammen lodern so heftig, dass die Bundeswehr mit einem Panzer die Löscharbeiten unterstützen muss. Brandstiftung, so die Vermutung der Polizei.

Die Annahme überrascht nicht: Für Waldbrände gibt es viele Ursachen. Aber nur selten werden sie durch Naturgewalten ausgelöst, etwa durch Blitzeinschläge. In der Regel ist der Mensch schuld. Eine achtlos weggeworfene Zigarette, ein Grillfest, heiße Autokatalysatoren oder – wie vermutlich in Gohrischheide – Brandstiftung.

Waldbrände entstehen vor allem bei Dürre. Im Frühjahr bleiben die Brandflächen eher kleiner, im Sommer können sie sich wegen der trockenen Böden auch unterirdisch schnell ausbreiten und sich zu einem Flächenbrand entwickeln, erklärt die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA). Die meisten Waldbrände treten am frühen Nachmittag auf, weil es dann am wärmsten ist.

Waldbrände: Ab rund 300 Grad fängt ein Wald feuer

Damit ein Wald zu brennen beginnt, müssen generell drei Voraussetzungen erfüllt werden: ausreichend Sauerstoff, genug brennbares Material – und genügend Zündenergie. Sie muss zwischen 280 und 300 Grad heiß sein, damit trockene Grashalme, Zweige und abgefallene Nadeln Feuer fangen. Ein Streichholz oder eine Kippe ist so heiß. Die Flammen greifen auf Gebüsch, Unterholz und Bäume über. Grundsätzlich gilt: Je trocken und brennbarer der Wald, desto schneller kann sich das Feuer horizontal und vertikal ausbreiten. Zusätzlich erhöhen warme Winde das Waldbrandrisiko.

Besonders Kiefer- aber auch Fichtenwälder sind von Bränden betroffen, so die Stiftung Unternehmen Wald. Sie stehen meist auf sehr trockenem Untergrund und haben eine dicke Nadelstreu auf dem Boden. Ideale Bedingungen, damit aus einem Funken ein Flächenbrand wird. Buchen- und Laubmischwälder brennen laut der Stiftung so gut wie nie, denn sie sind auch im Frühjahr und Sommer größtenteils kühl und feucht.

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Vier unterschiedliche Waldbrand-Typen

Doch Waldbrand ist nicht gleich Waldbrand. Grob unterscheidet man zwischen vier Typen: Das Bodenfeuer nährt sich von abgefallenen Blättern, Zapfen und Nadeln und tritt in bodennaher Vegetation auf. Es kommt am häufigsten vor, ist aber am einfachsten zu kontrollieren.

Als gefährlichste Art gilt das Kronenfeuer, das sich auf Bäumen und Sträuchern ausbreitet. Die Flammen schlagen über abgestorbenes Holz oder trockene Rinde in die Wipfel. Das Kronenfeuer ist schwer zu beherrschen, da die Flammen mit reichlich Sauerstoff angereichert werden und unvorhersehbar ihre Richtungen ändern können.

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Beim Erdfeuer handelt es sich um einen unterirdischen Brand, der zum Beispiel in Torfböden ausbricht. Heimtückisch: Diese Schwelbrände können über lange Zeiträume unentdeckt unter der Oberfläche brennen.

Äußert selten in Mitteleuropa ist der Stammbrand, bei dem hohle oder trockene Einzelbäume, meist durch Blitzschlag ausgelöst, brennen.

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Gefahr vor Waldbränden durch Klimawandel gestiegen

Hingegen der verbreiteten Auffassung können Glasscherben keinen Brand verursachen, weil sie nicht die nötige Zündtemperatur erreichen. Die Scherben „müssten schon wirklich sehr gescheit liegen, um ein Feuer auslösen zu können“, sagte Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, dem Rundfunksender RBB. „Sie müssten sich etwa in einem bestimmten Winkel einen Meter über dem Boden befinden.“ Das sei nicht realistisch.

Der Klimawandel befördert die Waldbrandgefahr. In Deutschland, in Europa, weltweit. Es wird wärmer, die Dürreperioden länger, der Boden trockener. In der sächsischen Schweiz brennt es, in Südfrankreich, in Großbritannien und an zahlreichen anderen Orten in Europa.

Dass die Böden nach lang anhaltender Trockenheit brennen wie Zunder, zeigt ein Beispiel aus Trier. Dort löste am Mittwoch der Funkenschlag eines Güterzugs mehrere Flächenbrände aus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.