Langzeitfolgen

Corona bei Kindern: Studie zu Long Covid überrascht

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Corona-Spätfolgen bei Kindern

Corona-Spätfolgen bei Kindern

Corona-Genesene leiden oft noch Monate nach der “überstandenen” Infektion an Spätfolgen. Auch Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Jedoch gibt es bisher nur wenige Erkenntnisse darüber. Mehr dazu im Video.

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Berlin  Welche Effekte hat eine Corona-Infektion bei Kindern? Das untersuchten dänische Forschende und machten dabei eine spannende Entdeckung.

Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie widmen sich immer mehr Studien den Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung. Ein Team aus dänischen Forschenden teilte nun Erkenntnisse aus einer groß angelegten Kontrollstudie mit Kindern mit. Das Ergebnis: Viele Kinder zeigten nach einer überstandenen Covid-Erkrankung ähnliche Langzeitsymptome wie Kinder ohne nachgewiesene Infektion. Wie lässt sich das erklären?

Am Mittwoch veröffentlichte ein wissenschaftliches Team um Selina Kikkenborg Berg von der Kopenhagener Universitätsklinik die Ergebnisse der bislang größten Long-Covid-Studie mit Kindern im Fachmagazin "The Lancet". Die Forschenden hatten in ihrer Arbeit herausfinden wollen, ob Kinder zwischen null und 14 Jahren nach einer überstandenen Corona-Infektion weitere gesundheitliche Beschwerden hatten.

Durch fehlende Impfzulassungen und die niedrige Effizienz der Impfstoffe bei der Omikron-Variante seien Kinder sowohl einer Infektion als auch möglichen Langzeitfolgen besonders ausgesetzt, so die Forschenden. Allein in Dänemark hätten zwischen Dezember 2021 und Februar diesen Jahres 58 Prozent aller Kinder eine bestätigte Corona-Infektion gehabt. Doch leiden sie auch nach ihrer Genesung noch an Symptomen?

Long-Covid: Rund 44.000 Kinder nahmen an Studie teil

Um diese Frage zu beantworten untersuchte das Forschungsteam unter anderem, wie oft anhaltende Symptome bei Kindern mit zuvor positiv ausgefallenen PCR-Tests auftraten, wie stark sie waren und wie lange sie andauerten. Auch psychologische und soziale Folgen bezogen die Studiendurchführenden in die Analyse mit ein. Die Ergebnisse verglichen sie mit jenen aus einer Kontrollgruppe von Kindern, bei denen keine Corona-Infektion nachgewiesen worden war.

Die Daten stammen aus Fragebögen, die die Eltern der Kinder aus den jeweiligen Gruppen ausfüllten. Während die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Gruppe der positiv getesteten Kinder rund 11.000 Fragebögen erhielten, standen ihnen aus der Kontrollgruppe ohne Covid-Erkrankung rund 33.000 Fragebögen zur Verfügung.

Kein Long-Covid, aber psychologische Folgen

Die Entdeckungen aus der Studie lassen viel Raum zur Interpretation: Insgesamt hatten die genesenen Kinder im Vergleich zwar mehr Langzeitsymptome als die Kontrollgruppe ohne nachgewiesene Infektion, manche der Symptome traten aber in beiden Gruppen auf.

Bei positiv getesteten Kindern unter drei Jahren berichteten die Eltern häufiger von wiederholten Bauchschmerzen, Hautausschlägen und weitaus häufiger von wiederkehrendem Husten. Diese Symptome traten aber auch bei der Kontrollgruppe auf. Ein Drittel der Eltern aus der Corona-Gruppe gaben allerdings an, dass ihr Kind die Symptome vor der Covid-Erkrankung nicht gehabt hätte.

Bei den älteren Kindern zeigte sich kein großer Unterschied bei den körperlichen Symptomen, gleichwohl aber welche bei psychischen Effekten: Die Kinder aus der Kontrollgruppe berichteten demnach häufiger von Stimmungsschwankungen und Konzentrationsschwierigkeiten. Vor allem die 12- bis 14-Jährigen beklagten sich oft über Müdigkeit und Stimmungsschwankungen – und das in beiden Gruppen. Warum?

Long-Covid-Symptome ähneln anderen Beschwerden

"Long-Covid-Symptome ähneln vielen Leiden, die bei Kindern generell häufig auftreten", erklären die Forschenden die Entdeckungen. Die Unterschiede in den Gruppen könnten auch auf andere Erkrankungen oder Impf-Nebenwirkungen zurückzuführen sein. Zudem wären die Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion in vielen Fällen über die Zeit verschwunden.

Die Unterschiede bei den psychologischen Effekten erklärt sich das Team durch demografische Differenzen bei den beiden Gruppen und dadurch, dass bisher nicht erkrankte Kinder womöglich Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus hätten. Psychologische Leiden dürften im Alter der 12- bis 14-Jährigen aber generell häufiger auftreten als bei jüngeren Kindern – vor allem im Zusammenhang mit der Pandemie und den damit einhergehenden sozialen Einschränkungen.

Long-Covid bei Kindern: Forschung am Anfang

Die Forschenden warnen bei der Interpretation der Ergebnisse demnach vor vorschnellen Schlüssen. So würden die Eltern, deren Kinder stärkere Symptome zeigten, erfahrungsgemäß häufiger die Fragebögen ausfüllen als jene von gesunden Kindern. Daraus könnte der Eindruck entstehen, dass viel mehr Kinder unter Long-Covid-Symptomen leiden als es tatsächlich der Fall ist.

Wie sich Corona auf Kinder auswirkt, sieht das Forschungsteam auch nach der großangelegten Studie nicht wirklich beantwortet: "Um die Langzeiteffekte von Covid-19 und der Pandemie auf Kinder besser zu verstehen, brauchen wir mehr Forschung", so das Fazit der Studie. Nur dann könne die Wissenschaft Symptome besser zuordnen und mit etwaigen Diagnosen und Behandlungsmethoden kombinieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.