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Rekordhitze in Südeuropa – Was das für Urlauber bedeutet

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Ungewöhnliche Hitzewelle in Europa

Ungewöhnliche Hitzewelle in Europa

Eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle macht den Menschen in Europa zu schaffen. In einigen Teilen im Südwesten Frankreichs werden Temperaturen von mehr als 40 Grad erwartet. In Spanien brachen infolge der Hitzewelle bereits Waldbrände aus.

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Paris/Rom/Madrid.  Hitzewelle erfasst halb Europa. Ozon-Alarm in Frankreich, Brände in Spanien, Dürre in Italien – und die Temperaturen stiegen weiter.

Wenn die Hitze Jacqueline Bonnaud daheim zu Kopf steigt, geht sie aus dem Haus und hinunter in die U-Bahn. Dort ist es zwar nicht allzu gemütlich, aber angenehm klimatisiert. Außerdem steht sie zeitig auf und verbringt die frühen Morgenstunden, wenn es noch einigermaßen erträglich ist, unter den schattigen Bäumen eines Parks.

Die ältere Dame aus dem südfranzösischen Toulouse hat in den vergangenen Tagen ihre Methoden entwickelt, um mit den hohen Temperaturen fertig zu werden, die ihr Land heimsuchen. „Ich bin 86 Jahre alt, ich wurde hier geboren“, sagt sie. „Aber ich glaube, das ist die schlimmste Hitzewelle, die ich je erlebt habe.“

Sie betrifft nicht nur Frankreich, sondern halb Europa. Seit Tagen ächzt der Süden des Kontinents unter extremen Temperaturen, am Wochenende soll es noch heißer werden. In Spanien erwartet der nationale Wetterdienst mehr als 45 Grad, etwa in der Großstadt Saragossa. Auf der bei vielen Deutschen beliebten Ferieninsel Mallorca wird es nicht ganz so schlimm, dort werden um die 36 Grad prognostiziert. Mehr zum Thema :So schlafen Sie auch bei Hitze gut – Tipps für heiße Nächte

Hitzewelle in Europa: Frankreich ruft Hitzewarnung aus

In Deutschland rechnen Meteorologen mit Höchstwerten zwischen 30 und 35 Grad, im Südwesten und in der Oberlausitz sogar mit bis zu 38 Grad. Die Waldbrandgefahr steigt.

In Frankreich bereiten sich die Krankenhäuser auf zahlreiche Patienten mit Hitzekoller vor. Für den Samstag (18. Juni) werden besonders hohe Temperaturen erwartet. Am heißesten soll es im Südwesten werden, also rund um Toulouse, wo sich viele Einwohner wie Jacqueline Bonnaud in der U-Bahn abkühlen werden.

Auch Städtetouristen in Paris müssen sich auf Werte von bis zu 40 Grad einstellen – dort wurde Ozon-Alarm ausgerufen. Für 37 von 101 Départements gilt eine Hitzewarnung. Das Thermometer kennt keine Gnade: Es handelt sich um die früheste Hitzeperiode in einem Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Frankreich. Lesen Sie hier: Wie der Körper auf Hitze reagiert und wie man ihn schützt

Klimawandel: Spanien leidet unter Trockenheit

Eine solche Dauerhitze ist selbst für sonnenverwöhnte Länder ziemlich ungewöhnlich. Reisende müssen sich auf weitere Hochtemperaturphasen gefasst machen. „Was wir heute erleben, ist leider ein Vorgeschmack auf die Zukunft“, sagt Clare Nullis, Sprecherin der Weltwetterorganisation (WMO). „Als Folge des Klimawandels beginnen Hitzewellen früher – und sie werden häufiger und heftiger.“

Spanien hat in den vergangenen zehn Monaten bereits vier solcher Phasen mit Extremtemperaturen erlebt. Durch Trockenheit verursachte Flächenbrände haben dort bereits Tausende Hektar Land verwüstet.

Wer in den nächsten Tagen außerhalb Deutschlands ans Meer möchte, könnte Richtung Italien fahren. Das Land bleibt überwiegend verschont von ganz großer Hitze, an diesem Wochenende wird es vielerorts nicht wärmer als 30 Grad. Doch eine dramatische Dürre belastet die Urlaubsstimmung. Auch interessant: Preise für Urlaub steigen: Warum billiges Reisen vorbei ist

Hitze: Italien fürchtet Wegbleiben der Touristen

Beispiel Tremosine, ein idyllisches Dorf am Gardasee. Die Hotels und Ferienhäuser in der Ortschaft – aufgrund ihrer Lage auf einem Hochplateau als „Balkon des Gardasees“ bekannt – sind ausgebucht. Doch wegen Engpässen bei der Wasserversorgung, die auch der hohen Zahl von Touristen zuzuschreiben sind, darf den gesamten Sommer über Trinkwasser nur zum Kochen und zur persönlichen Hygiene genutzt werden – die Bewässerung von Gemüsegärten oder das Befüllen von Schwimmbecken mit Trinkwasser ist streng verboten.

Die Dürre ist die schlimmste in Italien seit 70 Jahren. Der Pegel des Po, des längsten italienischen Flusses, der vom westlichen Piemont bis zur Emilia-Romagna an der Adria fließt, ist stellenweise zu einem Rinnsal geschrumpft. Und der Lago Maggiore befindet sich nicht mehr weit entfernt vom historischen Tiefststand des ­Jahres 1946.

In der Thermalortschaft Sant’Omobono Terme nahe der lombardischen Stadt Bergamo mussten mehrere Bäder geschlossen werden. Auch der Wirtschaft droht schwerer Schaden. „Wenn es kein Wasser gibt“, mahnt Umweltstadtrat Guglielmo Piraino, „kommen auch keine Touristen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.