Coronavirus

China: Corona-Welle zwingt Millionen Menschen in Lockdown

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Lauterbach zu Corona: "Die Lage ist schlechter als die Stimmung"

Lauterbach zu Corona: "Die Lage ist schlechter als die Stimmung"

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat in Berlin vor einem sorglosen Umgang mit der Corona-Pandemie gewarnt. Die Lage sei objektiv viel schlechter als die Stimmung, sagte der SPD-Politiker. Noch immer würden täglich etwa 250 Menschen an den Folgen einer Covid-9-Erkrankung sterben.

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Peking  Die Corona-Fallzahlen in China steigen drastisch an. Einer chinesischen Metropole nach der anderen droht ein flächendeckender Lockdown.

Auch in Peking ist die Anspannung der Behörden deutlich zu spüren: Vor den Corona-Testzentren bildeten sich am Montagmorgen Menschenschlangen von hunderten Metern, und auf dem gesamten Stadtgebiet werden immer mehr Wohnsiedlungen abgeriegelt. Eine von ihnen ist die Anlage "Xibahe Zhongli", auf dem etliche Gesundheitsmitarbeiter in weißen Ganzkörperanzügen umherschwirren. Sie haben insgesamt vier blaue Zelte aufgebaut, in denen die Anwohner selbst bis Mitternacht noch für die regelmäßigen PCR-Tests anstehen.

In Shenzhen kommt die Lockdown-Methode seit gestern Abend nun für sämtliche 17,5 Millionen Einwohner zur Anwendung. Diese dürfen in der kommenden Woche ihre Apartmentsiedlungen nicht verlassen. Sämtlicher öffentliche Nahverkehr ist ausgesetzt, Bürogebäude bleiben geschlossen und auch am Hafen Yantian sollen nach Angaben der Logistikfirma Seko keine neuen Schiffe mehr beladen werden.

Chinesische Regierung meldet lokale Infektionen in 56 Städten

Damit ist die Tech-Metropole das bislang folgenreichste Opfer der chinesischen "Null Covid"-Politik. Nach Peking und Shanghai ist die südchinesische Stadt schließlich das drittwichtigste Wirtschaftszentrum des Landes. Die ökonomische Wertschöpfung Shenzhens ist nahezu so hoch wie in Österreich.

Doch es ist beileibe nicht die einzige Gegend im Lockdown. Am Montag hat die nationale Gesundheitskommission lokale Infektionen in insgesamt 56 Städten vermeldet. In den letzten zwei Tagen waren es über 5.000 Ansteckungen - jede einzelne führt zu Massentestungen und Abriegelungen.

Auch in Shanghai gleicht sich der Alltag immer stärker einem de facto Lockdown an: Die Behörden haben die Bewohner angewiesen, nach Möglichkeit die Stadt nicht mehr zu verlassen. Zudem wurden sämtliche Passagierflugzeuge in andere Städte umgeleitet. Ganz ähnlich sieht es auch in der Ostküstenstadt Qingdao aus, deren Bewohner ebenfalls dazu angehalten sind, nicht auszureisen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Wirtschaftsmetropole vollkommen dicht macht.

China wird Wachstumsziel für 2022 wohl nicht erreichen

Nicht zuletzt ist mit Jilin im Nordosten des Landes eine gesamte Provinz, die flächenmäßig etwa zweimal so groß wie Ungarn ist, abgesperrt. Dort leben rund 24 Millionen Einwohner. , das dort gemeinsam mit einem chinesischen Staatsunternehmen mehrere Produktionsstandorte betreibt, musste bereits die Produktion in drei Werken vorübergehend suspendieren.

Schon jetzt ist den meisten Ökonomen klar: Das für 2020 ausgegebene Wachstum von 5,5 Prozentpunkten wird wohl nicht zu erreichen sein. Schon vor den Omikron-Ausbrüchen galt das Planziel als extrem ambitioniert, mittlerweile ist es erst recht utopisch. Überall im Land ist zu spüren, dass das Virus nicht nur die Reisetätigkeit in China auf ein Minimum reduziert, sondern auch den Binnenkonsum weiter massiv lähmt. Viele Chinesen sind verängstigt, unnötigerweise in Restaurants oder Einkaufszentren zu gehen, wenn sie dafür rückwirkend als mögliche Kontaktpersonen von Corona-Fällen identifiziert - und in Quarantäne geschickt werden.

Regierung hält an „Null Covid“-Strategie fest

Doch, und das machen die führenden Epidemiologen des Landes in ihren Aussagen mehr als deutlich: An der „Null Covid“-Strategie wird man auf absehbare Zeit trotz einer zuletzt aufflammenden Debatte nicht abweichen. Den einzig möglichen Exit-Plan hatte man im letzten Jahr verpasst: Biontech stand kurz davor, seinen Mrna-Impfstoff für den chinesischen Markt in einer Kooperation mit dem Pharmakonzern Fosun produzieren zu lassen. Doch die chinesische Regierung verweigerte sämtlichen ausländischen Vakzinen schlussendlich bis heute die Zulassung.

Die heimischen Totimpfstoffe von Sinopharm und Sinovac bieten zwar auch prinzipiell Schutz vor schweren Verlaufen – aber nicht in dem Maße, als dass die Regierung gewillt ist, eine Lockerung ihrer epidemiologischen Maßnahmen zu riskieren. Denn in vielen Teilen des Landes ist das Gesundheitssystem nur rudimentär entwickelt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.