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TikTok: Diese Omas und Opas erobern das Internet

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TikTok: Senioren sind populär auf App

TikTok: Senioren sind populär auf App

Tiktok sei nur für die junge Generation, denken viele: Schließlich nutzen 16- bis 25-Jährige am meisten die Kurzvideo-App. Allerdings feiern Senioren auf TikTok ebenso große Erfolge. Diese drei Senioren-Stars auf TikTok erreichen Millionen Klicks.

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Berlin.  TikTok sei nur für die junge Generation, denken viele. Doch Senioren-Influencer beweisen das Gegenteil und verzeichnen große Erfolge.

  • Immer mehr ältere Menschen sind in den sozialen Netzwerken aktiv – auch auf TikTok
  • Sogenannte Senioren-Influencer erreichen über die Plattform Tausende Follower
  • Wir stellen einige Stars aus der älteren Generation vor

Wenn Erika Rischko die Hüften schwingt, schauen Millionen Menschen zu. Wie viele Jugendliche auf der ganzen Welt tanzt sie regelmäßig zu aktuellen Hits vor der Kamera und lädt die Videos auf der Social Media-Plattform TikTok hoch. Der große Unterschied zu anderen Fitness-Influencern: Rischko ist schon 82 Jahre alt. Zwischen knapp bekleideten Cheerleadern und muskulösen Bodybuildern macht die Rentnerin aus dem Rheinland eine richtig gute Figur.

TikTok ist die führende Plattform für mobile Kurzvideos. Keine App wurde im vergangenen Jahr häufiger runtergeladen und genutzt. Die meisten Nutzerinnen und Nutzer sind zwischen 16 und 25 Jahren alt, doch auch immer mehr ältere Semester finden Gefallen an den kreativen Filmchen.

TikTok: Omas und Opas sorgen für Unterhaltung im Netz

Der 87-jährige Karl-Heinz aus Köln etwa nennt sich im Internet „Propa“ und dreht am liebsten Comedy-Videos, in denen er sich mit aktuellen Trends auseinandersetzt. Angesagte Rapper tauft er kurzerhand „Friedrich“ oder „Waldemar“, der modische Trainingsanzug heißt bei Propa „Schlupfhose“. Fast 500.000 Fans lieben seine Clips und kommentieren: „In diesem Alter so cool drauf: Respekt!“

Ingeborg Thompson startete ihren TikTok-Kanal erst vor wenigen Monaten. Gleich das erste Video wurde zum Internethit. Die „german grandma“ (deutsche Oma) berichtet von ihrer Kindheit in München und davon, wie sie ihren Ehemann, einen amerikanischen Soldaten, kennenlernte.

Sie erinnert sich daran, wie schwer es war, Englisch zu lernen, als sie 1956 in die USA zog – und wie groß die Freude, als sie endlich Sauerkraut in einem amerikanischen Supermarkt fand. Wenn die zierliche 86-Jährige lächelnd in ihrem Sessel sitzt und die Geschichten ihres Lebens erzählt, hören Hunderttausende zu.

Auschwitz-Überlebende nutzt TikTok für wichtige Botschaften

Auf dem Kanal von Lily Ebert geht es um deutlich ernstere Themen: Die 98-Jährige durchlitt Auschwitz, Todesmarsch und Zwangsarbeit. Darüber spricht die Holocaust-Überlebende nun bei TikTok. Sie zeigt ihre Auschwitz-Tätowierung, beantwortet Fragen zum Judentum und ruft immer wieder zu mehr Toleranz auf. Es war ihr 18-jähriger Urenkel Dov Firman, der auf die Idee kam, seiner Uroma einen TikTok-Kanal einzurichten. Nun erreichen die beiden ein Millionenpublikum mit ihrer wichtigen Botschaft.

Die meisten Seniorinnen und Senioren auf TikTok drehen die Videos gemeinsam mit ihren Enkelkindern. So auch die deutsche „Königin der TikTok-Großeltern“ – Oma Lissi aus Bayern. Gemeinsam mit ihrem Enkel Christian Krömer wurde sie zur Netz-Ikone. Die beiden filmten sich beim Kuchenbacken, Spielespielen oder Spazierengehen. Bis zu acht Stunden täglich verbrachten Oma und Enkel zusammen und lernten dabei eine Menge voneinander. Kurz nach Weihnachten starb Oma Lissi im Alter von 93 Jahren. Die TikTok-Gemeinde trauerte mit Christian.

TikTok: Mehr Verständnis zwischen Jung und Alt

Er will die Erinnerungen an seine Oma nun aufrechterhalten und mit den Videos für mehr Verständnis zwischen den Generationen sorgen. „Obwohl jeder ein Smartphone hat, kommen nur wenige auf die Idee, zwischendurch mal bei den Großeltern anzurufen“, kritisiert der 27-Jährige seine Altersgenossen. Regelmäßig schrieben ihm Fans, dass seine Videos sie dazu inspiriert hätten, selbst mal wieder bei Oma und Opa vorbeizuschauen. „Das ist für mich das größte Kompliment“, sagt Christian.

Kurz vor dem Tod seiner Oma veröffentlichte er den Bestseller „Mir doch woschd – Omas Rezept zum Glücklichsein“. Darin teilt er kleine Alltagstipps und große Lebensweisheiten, um das weiterzugeben, was ihn seine fränkische Oma gelehrt hat: Werte wie Respekt, Bescheidenheit und Zusammenhalt. Aber vor allem, sich selbst immer treu zu bleiben, ganz nach dem Motto „Mir doch woschd, solang’s mich glücklich macht!“

Lissi, Lily, Ingeborg, Erika und Karl-Heinz – der Erfolg der Senioren-Influencer beweist, wie groß das Interesse der Jungen an ihren älteren Mitmenschen ist. Und dass sie im Netz nicht nur das Neue feiern, sondern auch das Beständige würdigen.