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70 Jahre Königin: Wie die Queen zur ewigen Pop-Ikone wurde

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5 Fakten zum Schloss Windsor

5 Fakten zum Schloss Windsor

Das Schloss Windsor zählt zu den ältesten und größten bewohnten Schlössern der Welt. Es gehört seit vielen Generationen zu den britischen Hauptresidenzen.

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London.  Vor 70 Jahren bestieg Elizabeth II. den britischen Thron – keine Monarchin herrscht länger. Die Queen ist Mode-Ikone und Popkultur.

Am 5. Februar 1952 sitzt die 25-jährige Elizabeth auf der Terrasse des Treetops Hotels im Busch von Kenia, das eigentlich ein ausgebautes Baumhaus in der mächtigen Krone eines 300 Jahre alten Feigenbaums ist. Fasziniert beobachtet sie Elefanten an einem Wasserloch und lässt sich ihr Abendessen draußen servieren. Das Leben ist angenehm.

1947 hat sie den gut aussehenden und witzigen Marineoffizier Philip Mountbatten geheiratet. Die Kinder Charles und Anne sind meistens in der Obhut von Gouvernanten, niemand stellt das infrage. Das Paar geht auf Partys und reist viel, zeitweise wohnt es auf Malta. So kann es noch ein paar Jahre weitergehen. Die Prinzessin geht zu Bett.

Am Folgetag meldet die BBC: „Um 10 Uhr 45 wurde auf Schloss Sandringham mitgeteilt, dass der König – der bei guter Gesundheit zu Bett gegangen war – am frühen Morgen friedlich in seinem Schlaf verschieden ist.“ Elizabeths Vater König George VI. wurde nur 56 Jahre alt. Plötzlich ist sie Herrscherin nicht nur über Großbritannien, sondern über ein Viertel Afrikas, das heutige Malaysia oder Zypern.

Queen: Prunk, Pop und 14 Premierminister

„Das erste Mal in der Weltgeschichte stieg ein junges Mädchen eines Tages als Prinzessin auf einen Baum, und nachdem sie (...) ein absolut aufregendes Erlebnis hatte, stieg sie am nächsten Tag als Königin herunter – Gott segne sie“, schreibt ein Hotelgast ins Gästebuch. Die Krönung am 2. Juni 1953 ist das erste Ereignis, das weltweit im Fernsehen übertragen wird.

70 Jahre ist Elizabeth II. nun auf dem Thron. Damit ist die inzwischen 95-Jährige die älteste und am längsten regierende Monarchin der Welt. Den Rekord ihrer Ururgroßmutter Königin Victoria brach sie bereits 2015. Die Queen erlebte bisher 14 Premierminister von Winston Churchill bis Boris Johnson. Zwei Frauen waren auch darunter: Margaret Thatcher und Theresa May.

Elizabeth musste mitansehen, wie ihr Empire weiter zerfiel. Von dem einst größten Reich der Geschichte sind nur das Kernland, Gibraltar und ein paar verstreute Inseln übrig. Sie erlebte den Eintritt ihres Landes in die EU – und den Austritt. Bei allem behielt sie die Nerven, immer, auch als 1982 ein verwirrter Eindringling in ihrem Schlafgemach stand.

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Queen als Mode-Ikone

Elizabeth II. ist längst auch Popkultur. Ihr ikonisches Porträt ziert exotische Währungen, Kaffeetassen und Kunstwerke von Andy Warhol oder Lucian Freud. Sie wurde verunglimpft von Punkrockern wie den Sex Pistols, eine bald ebenfalls legendäre Rockband benannte sich nach ihr. Helen Mirren gewann 2006 den Oscar für ihre Titelrolle im Kinofilm „The Queen“, die Netflix-Serie „The Crown“ erzählt die Saga ihrer Familie.

Natürlich ist sie auch eine Mode-Ikone: Ihre Ensembles aus pastellfarbenen Mänteln, Hüten, Handschuhen und Handtaschen sind ein zeitloses Markenzeichen. Die Art, wie sie ihre Handtasche hält, dient ihrer Entourage als Geheimcode. Ein Armwechsel etwa bedeutet: Ich will weiter. Ihren größten Quälgeistern, den Boulevardblättern, kann sie so aber nicht entkommen. Mit ihren seifenopernartigen Privatleben bieten ihre Verwandten stets feinste Vorlagen.

Als Ex-Schwiegertochter Prinzessin Diana 1997 verunglückte, verlangte das Volk der Queen eine Geste ab. Mit ihrer Traueransprache kittete sie in letzter Sekunde den Riss zwischen sich und dem Volk. Inzwischen steht die Monarchie in Umfragen erstaunlich gut da. „Wir unterscheiden gar nicht zwischen der Monarchin und der Queen“, sagt Verfassungsexperte Craig Prescott von der Bangor University.

Wer folgt der Queen?

Was das für die Ära nach der Queen bedeutet, ist ungewiss. Ein Blick auf den Nachwuchs stimmt nicht sehr optimistisch. Enkel Prinz Harry lebt jetzt als „Promi“ mit Frau Meghan in Kalifornien. Ihren Sohn Prinz Andrew musste sie jüngst wegen seiner Verwicklung in einen Missbrauchsskandal zur Privatperson herunterstutzen. Dauer-Thronfolger Charles gilt als verschroben.

Bei der viertägigen Jubiläumsfeier im Juni aber wird die Monarchie mit allem Prunk und Glanz einmal mehr beweisen, dass ihre Strahlkraft die ganze Welt erreicht.

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