Peine. Ein doppeltes Schicksal ereilt die junge Familie aus Peine. Ihr Lichtblick: Ein Therapiehund für Elias könnte sein Leben verändern.

Mit einem lauten Klacken schließt Martin Heinze die Wohnungstür. Gleich zweimal dreht er den Schlüssel im Schloss herum und sperrt sich, seine Frau und die zwei Kinder in der Wohnung ein. Alles ist hermetisch abgeriegelt, denn er hat Angst, dass das Schicksal des autistischen Arian aus Bremervörde, der von zu Hause wegrannte und seit April vermisst wird, auch sie ereilen könnte.

Der Grund: Sein Sohn Elias leidet an frühkindlichem Autismus. Auch der Vierjährige rennt immer wieder weg und hat schlimme Wutanfälle. Was Elias helfen könnte, wäre ein Autismus-Assistenzhund. Doch die Anschaffung und Ausbildung würde die Familie rund 40.000 Euro kosten – viel Geld, was sie nicht haben. Deshalb haben Martin Heinze und seine Frau Sina Heinze einen Spendenaufruf im Internet gestartet.

Dass Elias anders ist, haben seine Eltern schon früh gemerkt: „Er war als Baby Nähe-bedürftiger als andere und hat viel gefordert. Mit drei ging es dann so richtig los mit dem Weglaufen, den Anfällen und Schlafproblemen. Es wird immer schlimmer“, erklärt Sina Heinze. Wenn die Familie in der Stadt unterwegs ist oder beim Einkaufen, dann sei Elias schnell überfordert. Schon oft sei es vorgekommen, dass sich der Vierjährige losreißt und einfach wegrennt. Auf seinen Namen oder Rufe reagiere er dabei nicht. „Manchmal haben wir ihn erst Straßen weiter wiederfinden können“, erklärt die 27-Jährige. Auch die Balkontüren sind immer gesichert, für den Fall, dass Elias wegrennen will.

„Wenn die eigenen Kinder schwer krank sind, belastet das schon sehr.“

Martin Heinze

Peiner Familie: Schon oft gab es Unfälle mit Elias

Elias habe außerdem oft Wutanfälle, in denen seine Eltern ihn nicht ansprechen oder beruhigen können. „Das kann fünf Minuten dauern oder auch mal eine halbe Stunde“, erklärt Martin Heinze. Oft verletze sich der Vierjährige auch, wenn er zu Hause auf Möbeln herumklettert. „Dann fällt er herunter, tut sich weh und macht es wieder. Er lernt daraus nicht“, so Sina Heinze.

Sina und Martin Heinze zusammen mit ihren Söhnen Elias (links) und Emil.
Sina und Martin Heinze zusammen mit ihren Söhnen Elias (links) und Emil. © FMN | Floris Jäger

Kontakt zu anderen Kindern vermeide der Vierjährige. Auch seinen einjährigen Bruder Emil lasse der Junge nicht an sich heran. „Wenn Emil ihn berührt oder an seine Sachen geht, sagt er nur ‚Aua‘. Das bedeutet, es ist ihm unangenehm“, erklärt Sina Heinze. Oft sei er so in seiner Welt, dass er weder ansprechbar ist, noch seinen Eltern in die Augen guckt. Hinzu kommt, dass Elias eine Entwicklungsverzögerung hat. Er sei auf dem geistigen Stand eines 18 Monate alten Kindes. Er spricht mit vier Jahren kaum, kommuniziert nur mit fünf bis sechs Worten und geht nicht eigenständig aufs Klo, so sein Vater.

Nicht nur Elias, auch sein einjähriger Bruder Emil braucht intensive Betreuung, denn er hat einen schweren Herzfehler namens Hypoplastisches Linksherzsyndrom (HLHS). In seinem kurzen Leben habe der kleine Junge bereits vier Operationen über sich ergehen lassen müssen. Wie groß die zeitliche Belastung der Familie durch das Doppel-Schicksal ist, erklärt die 27-Jährige: „Wir gehen regelmäßig mit Elias zur Logopädie, Physiotherapie und Frühförderung, dazu muss ich alle zwei Wochen mit Emil für Untersuchungen in die Klinik.“ Zeit für ein normales Familienleben bleibt da nicht.

Die psychische Belastung bei der Peiner Familie ist groß

Sina Heinze ist derzeit noch in Elternzeit. Ihr Mann ist Teamleiter in einem Callcenter, zurzeit jedoch zu Hause. „Ich bin momentan krankgeschrieben, weil mich das psychisch fertig macht. Wenn die eigenen Kinder schwer krank sind, belastet das schon sehr“, sagt der 34-jährige.

Der autistische Junge zusammen mit seinem Bruder Emil.
Der autistische Junge zusammen mit seinem Bruder Emil. © FMN | Martin Heinze

Ein Hund soll den Alltag der Familie nun erleichtern. „Wenn Elias einen Wutanfall hat, kann der Hund ihn zur Ruhe bringen“, erklärt Elias Mutter. Auch wenn der Junge wieder weglaufen will, könnte das verhindert werden. Der Vierjährige wäre mit einer speziellen Leine mit dem Tier verbunden. Wenn der Assistenzhund bemerkt, dass das Kind weglaufen will, setze er sich hin und verhindere mit seinem Gewicht die Flucht.

Doch anders als bei Blindenhunden übernehmen die Krankenkassen hier keine Kosten. „Wir würden den Hund als Welpen kaufen und in Neumünster im Deutschen-Assistenzhunde-Zentrum ausbilden lassen. Das dauert in der Regel eineinhalb bis zwei Jahre. Damit der Hund und Elias eine Bindung aufbauen, müssten wir außerdem mehrmals im Monat dorthin fahren“, erklärt Martin Heinze das Vorgehen. Als Assistenzhund dürfte das Tier Elias überall hin begleiten, auch in den Supermarkt, in den Kindergarten und die Schule.

Therapeut bestätigt: Ein Assistenzhund könnte Elias helfen

Dass ein Hund das richtige für den autistischen Jungen wäre, habe auch sein Therapeut bestätigt. Elias liebt große Hunde, erzählt sein Vater. „Haben“, sage Elias, wenn er einen in der Stadt entdeckt oder sein Vater und er sich zusammen Bilder von Welpen im Internet angucken. „Da er keinen Kontakt mit Kindern hat, wäre der Hund eine Art Freundesersatz für ihn“, sagt Sina Heinze.

Im Sommer kommt Elias in den Kindergarten. Seine Eltern hoffen, bis dahin das Spendenziel von 36.000 Euro zu erreichen, um mit der Ausbildung beginnen zu können.

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