Zugausfälle und Verspätungen

Zugunglück im Kreis Gifhorn: Strecke bis Mitte Dezember gesperrt

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Der Feuerwehreinsatz an der Bahnstrecke nahe Leiferde im Landkreis Gifhorn dauert an. Gas aus den verunglückten Waggons wird abgepumpt und abgefackelt.

Der Feuerwehreinsatz an der Bahnstrecke nahe Leiferde im Landkreis Gifhorn dauert an. Gas aus den verunglückten Waggons wird abgepumpt und abgefackelt.

Foto: Michael Uhmeyer / regios24

Gifhorn.  Ernüchternde Nachrichten: Die Sperrung wird noch bis weit in den Dezember dauern. Die Bergung ist kompliziert. Das ist der aktuelle Stand.

Das Bahnchaos nach dem schweren Güterzugunfall im Landkreis Gifhorn wird so schnell nicht abreißen: Wegen der Kollision zweier Güterzüge bei Leiferde am 17. November wird es auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Berlin länger Einschränkungen geben als bisher angenommen.

Bis voraussichtlich zum 16. Dezember müssen Fahrgäste sich auf längere Reisezeiten und Umleitungen auf der Strecke einstellen, wie die Bahn am Mittwoch mitteilte. Zuvor ging die Bahn davon aus, dass die Strecke mindestens bis zum 27. November gesperrt bleiben sollte. Nach Angaben der Feuerwehr gehen die Arbeiten an der Unfallstelle jedoch voran: Voraussichtlich bis zum Wochenende soll demnach das explosive Propangas aus den vier umgekippten Kesselwagen abgepumpt und abgefackelt sein.

Güterzugunfall im Landkreis Gifhorn: Das ist passiert – und das muss nun geschehen

Am Donnerstag vergangener Woche war es bei Leiferde zu dem Unfall gekommen. Dort hielt ein Güterzug an einem Signal. Nach Erkenntnissen der Ermittler gab eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn die Strecke fälschlicherweise für einen weiteren Güterzug mit 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen frei. Dieser kollidierte mit dem stehenden Zug, vier Waggons kippten auf die Seite, mindestens einer wurde so schwer beschädigt, dass Gas ausströmte. Der Lokführer wurde leicht verletzt, die Oberleitung massiv beschädigt. Nach Angaben der Bundespolizei wird gegen die Bahnmitarbeiterin wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Nach Angaben der Bahn können die Aufräumarbeiten erst beginnen und die umgekippten Waggons abtransportiert werden, wenn die Feuerwehr die Unfallstelle freigegeben hat. Danach müssten die Schäden an der Infrastruktur genauer begutachtet werden, dann beginne die Reparatur. Bei der Kollision seien Gleise, Oberleitungen sowie Leit- und Sicherungstechnik beschädigt worden.

Strecke Berlin-Hannover gesperrt – Das können Bahnfahrende nun tun

Fahrgäste, die ihre für den Zeitraum zwischen dem 18. November und dem 16. Dezember geplanten Reisen verschieben möchten, können laut Bahn ihr Ticket flexibel im Fernverkehr bis einschließlich sieben Tage nach Störungsende nutzen. Reisenden riet die Bahn, zwischen Berlin und dem nördlichen Nordrhein-Westfalen Umsteigeverbindungen über Hamburg zu nutzen – zwischen Berlin und dem Süden Nordrhein-Westfalens auch Umsteigeverbindungen über Frankfurt.

Außerdem seien zwischen Wolfsburg und Hannover stündlich Ersatzbusse unterwegs. Gleichzeitig baut die Deutsche Bahn die Weddeler Schleife zwischen Braunschweig und Wolfsburg zweigleisig aus, daher ist der Abschnitt zwischen Weddel und Fallersleben voraussichtlich bis zum 10. Dezember gesperrt.

Die Umleitungen im Detail:

Folgende Fernzug-Verbindungen sind laut Deutscher Bahn betroffen:

  • ICE-Züge NRW – Hamm bzw. Münster/Westfalen – Hannover – Berlin werden umgeleitet und verspäten sich um mindestens 90 Minuten. Der Halt in Wolfsburg entfällt. Ersatzweise halten die Züge in Stendal.
  • ICE-Züge Schweiz – Karlsruhe – Frankfurt(M) – Kassel – Berlin werden umgeleitet. Ersatzweise halten die Züge in Erfurt und Halle.
  • IC-Züge Ostseebad Binz – Berlin – Hannover – Dortmund – Köln werden umgeleitet und verspäten sich um mindestens 90 Minuten. Der Halt in Wolfsburg entfällt. Ersatzweise halten die Züge in Stendal und Salzwedel.
  • IC-Züge Leipzig – Magdeburg – Hannover – Bremen – Emden – Norddeich Mole fallen zwischen Leipzig und Hannover aus.
  • IC-Züge Amsterdam - Osnabrück - Hannover - Berlin fallen zwischen Hannover und Berlin aus.

Neben dem Fernverkehr sind auch Strecken des Nahverkehrs betroffen:

  • Die Linie des Enno (RE30) von Hannover nach Wolfsburg und umgekehrt fährt eingeschränkt. Es pendeln Züge auf dem Teilabschnitt zwischen Hannover und Meinersen sowie Gifhorn und Wolfsburg. Auf dem gesperrten Abschnitt zwischen Gifhorn und Meinersen sind Busse im Pendelverkehr eingesetzt. Die Fahrtzeiten weichen vom Regelfahrplan ab, teilt Enno mit. „Fahrgäste werden gebeten, mehr Zeit einzuplanen und sich kurzfristig in den elektronischen Auskunftsmedien über ihre Reisemöglichkeiten zu informieren.“
  • Auf der Strecke der Erixx-Verbindung RB47 Uelzen – Braunschweig fallen etliche Zugverbindungen aufgrund der hohen Streckenauslastung aus. Die Züge der Linie RB47 beginnen und enden deshalb in Wieren. Zwischen Wieren und Uelzen fahren Ersatzbusse. Ausgenommen davon sind jeweils die ersten und letzten drei Verbindungen je Richtung – welche Züge zwischen Uelzen und Wieren fahren können, wird täglich neu mit der Deutschen Bahn abgestimmt. Diese fahren über Wieren nach Uelzen beziehungsweise ab Uelzen nach Wieren und dann weiter nach Braunschweig Hbf.
  • Die Kreisstraße zwischen Dalldorf und Meinersen ist ebenfalls gesperrt, dies führt zu Umleitungen des lokalen Busverkehrs der Verkehrsgesellschaft VLG.

Alternativ können Reisende nach Hannover den Schienenersatzverkehr nach Braunschweig nutzen. Von dort fahren die Westfalenbahn und IC-Züge nach Hannover. Die Fahrtzeit verlängert sich dadurch um etwa eine Stunde. Mehr Informationen bei Enno und Erixx und auf der Seite der Deutschen Bahn.

Schlechte Stimmung am Braunschweiger Bahnhof

Am Braunschweiger Bahnhof wirkt sich das Zugchaos auch auf die Stimmung aus. Menschenmassen versammelten sich gerade in den ersten Tagen nach dem Unfall vor der Anzeigetafel und Schlangen bildeten sich vor dem Informationsschalter. Es herrschte Wirrwarr. Auch vor dem Bahnhof stauen sich die Menschen an den Bushaltestellen und versuchen herauszufinden, wie sie nun an ihr Ziel kommen. Unsere Reporterin war mitten im Geschehen – wie der Gemütszustand vor Ort aussah, lesen Sie hier.

Erixx nimmt Betrieb der RB47 zwischen Gifhorn und Braunschweig frühzeitig wieder auf

Eine ursprünglich geplante Baumaßnahme mit einhergehender Streckensperrung zwischen Gifhorn und Braunschweig wurde von der DB Netz AG kurzfristig verschoben, um Kapazitäten im Streckennetz zu schaffen, insbesondere für Güterzüge in Richtung des Wolfsburger Volkswagenwerks. Das teilte Erixx mit.

Die Streckensperrung aufgrund von Gleisarbeiten der DB Netz AG war ursprünglich bis zum 30. November geplant. Aktuell ist auf dem Streckenabschnitt ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Die gute Nachricht für alle Fahrgäste: Erixx-Züge werden nun bereits ab Freitag, 25. November, ab zirka 13 Uhr in beiden Richtungen wieder regulär unterwegs sein. Trotz Freigabe der Strecke kann es allerdings zu einzelnen Zugausfällen kommen, sollten Güterzüge andernfalls nicht zum VW-Werk in Wolfsburg durchkommen. Wann die Baumaßnahme nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

Aus „technischen Gründen“ würden die Zugausfälle und Fahrtzeiten des SEV zwischen Uelzen und Wieren sowie die Regelfahrzeiten zwischen Gifhorn und Braunschweig „voraussichtlich erst Mitte kommender Woche“ auch im Fahrplaner des VBN und damit auch erst dann in der elektronischen Fahrplanauskunft auf der Erixx-Website angezeigt.