Freizeit in Wolfsburg

Von Hafenbecken bis Kiesteich: Baden mal anders in Wolfsburg

| Lesedauer: 7 Minuten
An Cool Summer Island in der Autostadt kann man sich vor der Kulisse des Alten Kraftwerks im Hafenbecken abkühlen.

An Cool Summer Island in der Autostadt kann man sich vor der Kulisse des Alten Kraftwerks im Hafenbecken abkühlen.

Foto: Helge Landmann / regios24

Wolfsburg.  Sie gehen gerne schwimmen und suchen Abwechslung zu den großen Freibädern? Dann testen Sie diese fünf Wolfsburger Gewässer. Ein Erfahrungsbericht.

  • Ob VW-Bad oder Allersee: In Wolfsburg gibt es im Sommer jede Menge Möglichkeiten, um sich abzukühlen. Für alle, die Abwechslung zu den großen Freibädern im Stadtgebiet suchen, haben wir fünf Gewässer getestet, die Abenteuer garantieren.
  • Wo gehen Sie gerne ins kühle Nass? Schreiben Sie uns an redaktion.wolfsburg@funkemedien.de

Im VW-Bad, im Freibad Fallersleben und am Allersee-Strand kann man super schwimmen. Für alle, die das Abenteuer lieben, Einsamkeit suchen oder sich einmal vor atemberaubender Kulisse abkühlen möchten, hätten wir da noch fünf Alternativen in Wolfsburg.

Der Mittellandkanal

Das Schöne am Schwimmen im Kanal ist, dass man sich keine Gedanken darüber machen muss, beim Einstieg auf etwas Spitzes oder Scharfes zu treten. Wenn man sich in den Mittellandkanal sinken lässt, ist man direkt drin im tiefen Wasser. So richtig geheuer ist es mir an diesem Sonntagmorgen ein gutes Stück östlich von der Blauen Brücke allerdings nicht. Das Wasser wirkt von oben kiwigrün und scheint die Konsistenz eines Smoothies zu haben.

Kaum habe ich mich allerdings auf einen Ponton gesetzt und die Beine im Mittellandkanal baumeln lassen, sind alle Vorbehalte dahin. Das Wasser ist einladend warm, absolut geruchsneutral und herrlich weich. Kein Schiff weit und breit, nur eine Ruderin stadteinwärts und ein kleines Sportboot stadtauswärts.

Auf der anderen Seite steht Schilf, ich liege auf dem Wasser und schaue in den blauen Himmel. Als ich wieder auf den Ponton zuschwimme, sehe ich ein Schild, dass die Plattform dem Kanu-Club gehört und Unbefugten die Nutzung verboten ist. Verzeihung!

Also: Suchen Sie sich lieber eine andere Stelle zum Ein- und Aussteigen. Das ist auch deshalb sinnvoll, weil der Vorteil eines Kanals auch der Nachteil ist: Man kommt nicht so leicht wieder heraus. Auch und erst recht nicht an einem Ponton, da muss der Fotograf kräftig mithelfen.

Falls Sie sich fragen, ob man im Mittellandkanal überhaupt schwimmen darf: Man darf, aber es kann wegen der Schiffe und der von ihnen verursachten Strömungen gefährlich sein. Verboten ist das Baden an Schleusen, Brücken, Liegestellen, Häfen, Pumpwerken und Wehren.

Das Allersee-Südufer

Das Allersee-Nordufer ist die Riviera Wolfsburgs. Hier trifft man sich bei gutem Wetter, geht behütet von der DLRG schwimmen, liegt in der Sonne, spielt Beachvolley-Ball, isst Pommes oder ein Eis. Am Allersee-Südufer ist am Sonntagmorgen noch fast gar nichts los, nur ein paar Stand-up-Paddler sind schon auf dem an der tiefsten Stelle elf Meter tiefen See, der still wie ein Spiegel unter der Sonne liegt.

Gegenüber vom Kolumbianischen Pavillon wate ich hinein und entdecke zu meiner Überraschung zahlreiche weiße Muscheln, die sich zwischen den Wasserpflanzen verstecken. Nordsee bei ablaufendem Wasser ist meine Assoziation, und genauso kalt fühlt sich der Allersee nach ein paar kühleren Tagen auch an. Also: Schnell rein, trotz 29 Hektar Wasserfläche heute nur kurz genießen und schlotternd wieder raus.

Das Freibad Almke

Während es im wunderschönen VW-Bad und im ebenfalls sehr beliebten Freibad Fallersleben an heißen Tagen oft sehr voll ist, lässt es sich im vom Stadtjugendring betriebenen Freibad Almke im Sommer 2022 noch entspannter schwimmen, als man es aufgrund seiner abgelegenen Lage am äußersten Stadtrand ohnehin erwarten würde. An heißen Tagen können sonst schon einmal 800 Badegäste in das kleine Schwimmbad kommen, aber wegen eines Defekts im Blockheizkraftwerk sind die Becken nicht beheizt – sehr zum Leidwesen der Kioskbetreiber Nicole und Daniele Montauro, der über einen gefühlt 50-prozentigen Besucherrückgang im Freibad klagt.

Dabei ist es gar nicht sonderlich kalt. 21 Grad im 25 Meter langen Kombibecken, 20 Grad im Planschbecken. Ich bin die Erste im Wasser, es ist ganz klar und wirkt supersauber. Bald steigen auch die ersten Frühschwimmer ins kühle Nass, um zu Füßen des 3-Meter-Sprungturms ihre Bahnen zu ziehen. „Die Cappuccino-Trinker“, wie Montauro sagt. Auf sie können seine Frau und er sich verlassen.

Der Eintritt im 1933 als befestigter Badeteich entstandenen Freibad Almke beträgt 3,20 Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Es gibt schöne Liegeflächen, eine Rutsche, ein Volleyballnetz und eine Unisex-Umkleide, in der aber auch Einzelkabinen stehen.

Velstover Kiesgrube

Vor ziemlich genau sieben Jahren habe ich den Kiesteich am Ortseingang von Velstove mit seinem weißen Sandstrand, den Birken und den Nadelbäumen entdeckt, hatte aber leider keine Badesachen dabei. Diesen Fehler möchte ich nun korrigieren – und muss feststellen, dass von 2015 bis 2022 viel passieren kann. Strand, Birken und Nadelbäume sind noch da, der Teich hat allerdings Wasser verloren. An der Wasserkante schimmert eine dünne rötliche Schicht. Algen?

Da wir schon einmal da sind und gerade ein Mann in Badehose über einen der an Dünen erinnernden Sandhügel verschwunden ist, schnuppere ich einmal am Wasser, entdecke quicklebendige Fische und wate hinein. Die Kieskuhle ist erwartungsgemäß sehr, sehr flach und voller Pflanzen. Ein Fuß sackt im losen Sand weg, ich platsche unfreiwillig abrupt in den Teich. Eher wie ein Krokodil als wie eine Schwimmerin bewege ich mich vorwärts, wobei sich ständig etwas um meine Beine und Arme schlingt. Auch wenn es nicht so klingt, ist es trotzdem ganz schön.

Nachdem der Fotograf fort ist, bin ich einen Moment allein am Strand. Der Himmel ist knallblau, das Wasser tiefgrün, der Wind raschelt in den Blättern der Birken. Hier kann man es aushalten.

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Cool Summer Island, Autostadt

Cool Summer Island ist offiziell keine Badestelle, man darf sich aber im Hafenbecken abkühlen – und genau das tun am zweiten Sonntag in den Sommerferien auch einige Autostadt-Besucher. Es ist 15 Uhr, richtig heiß. Ein Schwimmer versucht, Bahnen zu ziehen. Kinder stürzen sich mit Wonne von den stylishen Holzstufen der schwimmenden Anlage ins Wasser. Ich nehme die Leiter.

Das Wasser ist dasselbe wie am Morgen im Mittellandkanal, grün und angenehm warm. Ich schwimme auf die monolithische Front des alten Volkswagen-Kraftwerks zu, das wie ein Scherenschnitt vor mir aufragt. Elektroboote gleiten geräuschlos vorüber, Schwanen-Tretboote dümpeln im Wasser. Es ist nicht einfach nur schön, es ist megaschön. Anschließend laufe ich über die Stadtbrücke zurück zur Redaktion, mit einem klatschnassen Bikini unter dem Sommerkleid und endorphinbeglückt.

Ein Tagesticket für die Autostadt kostet 18 Euro. Ab 17 Uhr gibt es Abendtickets für 10 Euro.

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