Osterode. Den Startschuss für eine Beratungskampagne zum Heizen, zur Wärmedämmung und zu Solar im Altkreis gaben die LEADER-Region und die Energieagentur.

Wie werden wir in Zukunft heizen, welche Dämmmaßnahmen an den Gebäuden sind sinnvoll und umsetzbar, welche Flächen eignen sich für Solaranlage und vor welcher Förderkulisse vollzieht sich die angestrebte und derzeit so kontrovers diskutierte Wärmewende? Das sind Fragen, die die Menschen massiv bewegen. Der Beratungsbedarf ist zweifellos hoch.

Das weite Themenfeld war dann auch Kern eines Treffens am Donnerstag, 8. Juni, im Osteroder Kreishaus, zu dem die Energieagentur Region Göttingen und die LEADER-Region Göttingen eingeladen hatte. Es wurde der Startschuss gegeben für ein neues LEADER-Projekt, das sich ausschließlich dem Klimaschutz verschrieben hat. „Konzeption und Umsetzung einer Beratungskampagne Solar, Gebäude, Heizung“, heißt es etwas sperrig, verfolgt aber hauptsächlich den Zweck, den Altkreis Osterode im Rahmen einer einjährigen Beratungskampagne der Energieagentur für das Thema zu sensibilisieren, Klimaschutz und Energie für die Menschen greifbarer zu machen.

„Der Auftakt des LEADER-Projektes passt genau zum Zeitgeist, es ist ein Zufall, dass es mit den aktuellen Ereignissen zusammenfällt“, stellte Erste Kreisrätin Doreen Fragel fest. Denn die Bewilligung der Mittel geht, so verdeutlichte es Frank Uhlenhaut, LAG-Vorsitzender LEADER-Region Osterode am Harz, zurück auf eine Beschlussvorlage mit Förderantrag der Energieagentur auf der LAG-Sitzung am 3. März 2022. Letztlich geht es um eine Summe von knapp 80.000 Euro in Kofinanzierung des Landes Niedersachsen und des Landkreises Göttingen. Rund 60.000 Euro kommen aus Mitteln der EU.

Bei der Projektpräsentation im Kreishaus: Frank Uhlenhaut, Anja Kreye (LEADER), Doreen Fragel, Leila Morgenroth und Jonas Licht (von links)
Bei der Projektpräsentation im Kreishaus: Frank Uhlenhaut, Anja Kreye (LEADER), Doreen Fragel, Leila Morgenroth und Jonas Licht (von links) © HK | Michael Paetzold

Koordinator der Beratungskampagne ist Jonas Licht von der Energieagentur Göttingen, der den Fokus seiner Arbeit auf die Region Osterode legen wird, in der Beratungsanfragen in der Vergangenheit geringer waren als die im Altkreis Göttingen. Geplant sind demnach Infoveranstaltungen mit regionalen Partnern, Online-Beratungsangebote und individuelle Beratungen vor Ort zu den Bereichen Energieeinsparung, Gebäudesanierung, Heizungsoptimierung und -erneuerung, Nutzung von Solarenergie und Fördermittel. Zudem wird derzeit entsprechendes Infomaterial erarbeitet. „Die Beratungskampagne richtet sich an alle Bewohnerinnen und Bewohner der Region, sowohl Eigentümer und Eigentümerinnen als auch Mieterinnen und Mieter“, machte er deutlich. Doreen Fragel wies in diesem Zusammenhang auf einen positiven Nebeneffekt hin, dass nämlich persönlich Beratene als Multiplikatoren in der Öffentlichkeit wirksam werden.

„Viele möchten etwas ändern und für den Klimaschutz tun. Dabei unterstützen wir die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises bei ihren Fragen, auch zu kniffligen Themen wie gesetzliche Änderungen, aber auch beim Energiesparen zu Hause“, erklärte die Geschäftsführerin der Energieagentur Göttingen Leila Morgenroth, warnte aber gleichzeitig vor zu hohen Erwartungen. Die Zahl der Energieberater in einer Region mit im Bundesdurchschnitt ohnehin geringer Beratungsdichte ist eng begrenzt, Wartezeiten seien unvermeidlich. So gehe es darum, zu priorisieren, Kontakt zunächst dort zu vertiefen, wo sie am dringendsten gebraucht werden: „Wir wollen die Haushalte erreichen, die in Sachen Energiewende noch nicht auf dem Weg sind, mit ihnen in den Austausch kommen und ihnen beim Umstieg auf erneuerbare Energien Orientierung geben.“

„Eigentlich müssten wir viel radikaler vorgehen“
Doreen Fragel, Erste Kreisrätin

Angesichts der wachsenden klimatischen Veränderungen und ihrer immer massiver in Erscheinung tretenden Folgen weltweit stellte die Runde grundsätzlich dringenden Handlungsbedarf fest, Klimaschutz und eine nachhaltige und unabhängige Energieversorgung gehe alle an, jeder könne sich entsprechend einbringen. „Eigentlich müssten wir viel radikaler vorgehen“, betonte die Erste Kreisrätin angesichts der drängenden Probleme des Klimawandels. Gleichwohl müsse man auf dem schwierigen Weg die Menschen mitnehmen und Vertrauen aufbauen. Und Leila Morgenroth warnt: „Wir dürfen die Menschen nicht gegen das Vorhaben aufbringen.“

Und mit welchen Problemen beispielsweise die Wärmewende behaftet ist, erläuterte Frank Uhlenhaut aus eigener Anschauung. Er ist auch Kreisvorsitzender des Sozialverbandes und hat täglich mit den Ängsten und Nöten älterer Menschen zu tun, die bei schmalem Budget nicht wissen, wie sie ihre Häuser künftig beheizen und teure Umbauten finanzieren sollen. „Das treibt uns massiv um. Diese Sorgen der Menschen muss der Politik gespiegelt werden“, so seine Forderung. Er sei dankbar, dass LEADER ein Klimaschutzprojekt umsetzen könne, es sei ein unglaublich wichtiges Vorhaben, gab er seine Einschätzung. Das Projekt läuft bis März 2024